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KI und Plagiate : Warum Maschinen besser abschreiben

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Ist für Künstliche Intelligenz auch eine Studie nicht mehr als eine Buchstabensuppe? Bild: © Olaf Kowalzik

Künstliche Intelligenz kann helfen, Plagiate zu entlarven oder sie noch raffinierter machen. Es droht ein Wettrüsten im maschinellen Abschreiben. Dabei könnten die Maschinen noch viel mehr: Forschung betreiben und Bücher schreiben.

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          Eines Tages kam eine Studentin zu Doris Weßels und zeigte ihr eine einfache Möglichkeit, Texte mit Hilfe Künstlicher Intelligenz zu verbessern. Es handelte sich um ein Programm, das nach Mustern in Texten suchte, etwa nach einer Häufung der Worte „wie“ oder „und“. Die Idee, dass Wörter Konzepte darstellen, mag weit hergeholt klingen, aber es ist eine Methode, mit der ein Computer die Bedeutung eines Textes genau wie ein Mensch lesen kann. Weßels hat die Idee nicht sofort verworfen. „Man muss sie wirklich begreifen, weil man sie leicht als dumm abtun kann, wenn sie zu einfach erscheint, um wahr zu sein“, sagt Weßels.

          Ergibt der vorherige Absatz Sinn? In Wahrheit hat Doris Weßels, die an der Fachhochschule Kiel Wirtschaftsinformatik lehrt, diesen Satz so nie gesprochen. Bis auf den ersten Satz ist der Abschnitt ein Hirngespinst, aber nicht das eines Menschen: Verfasst hat ihn die Online-Anwendung „Text Synth“ , hinter der ein Sprachmodell steckt. Stellt man diesem Modell einen Text zur Verfügung oder auch nur einen Satz, kann es vorhersagen, wie der Text weitergeht. Das hat „Text Synth“ anhand von unzähligen Büchern, wissenschaftlichen Studien und Beiträgen aus dem Internet gelernt. Sechs Milliarden Parameter justierte es während dieses Lernprozesses, auf deren Grundlage berechnet es seine Vorhersage. Und die modernsten Modelle dieser Art verarbeiten bis zu 300 Mal mehr Parameter und können sogar Schreibstile imitieren.

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