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Künstliche Intelligenz : „Ich halte nichts von Verboten“

  • -Aktualisiert am

Ein Chat-Roboter, der sich ein Gesicht gibt. Sind kluge Maschnen eine reale Bedrohung? Bild: Eugene Goostman / F.A.S.

Eine globale Allianz soll sicherstellen, dass Maschinen-Intelligenz nicht missbraucht wird und Schaden anrichtet. Wie die „Partnership on AI“ tickt, erklärt der SAP-Experte Markus Noga.

          Zu den Weltkonzernen, die sich die digitale Transformation auf die Fahnen geschrieben haben und in der „Partnership on AI“ zusammengeschlossen haben, gehören mittlerweile mehr als 50 Institutionen, darunter auch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch. Die Organisation will Künstliche Intelligenz (KI) zum „Nutzen der Menschen und der Gesellschaft“ fördern. In Berlin trafen sich unlängst erstmals alle Partner mit Vertretern unter anderem von Facebook, Google, Apple, IBM und Microsoft. Mit dabei war auch Markus Noga. Der promovierte Informatiker und ehemalige Berater leitet den Bereich Maschinelles Lernen beim deutschen Software-Riesen SAP.

          FRAGE: Herr Noga, was erwarten Sie sich von der KI-Partnerschaft?

          ANTWORT: Sie bietet eine echte Chance, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und frühzeitig darüber nachzudenken, was wir mit maschinellem Lernen tun möchten und was vielleicht lieber auch nicht. Ich erhoffe mir, dass diese Organisation tägliche Entscheidungshilfen für jeden bereitstellt, der in dem Bereich arbeitet.

          Markus Noga, Abteilungsleiter Maschinelles Lernen bei SAP in Walldorf.

          FRAGE: Welche Daten nutzen Sie selbst, um die neuen KI-Werkzeuge für den Einsatz zu trainieren?

          ANTWORT: Wir haben weltweit mehr als 365 000 Firmen als Kunden, nach Umsatz berühren 76 Prozent aller Geschäfts-Transaktionen ein SAP-System. Wir haben große Cloud-Infrastrukturen, beispielsweise unsere Business-Netzwerke wie SAP Concur für die Buchung und Abrechnung von Dienstreisen oder den B2B-Marktplatz SAP Ariba, auf dem sich Käufer, Kunden und Lieferanten gegenseitig finden und Geschäfte abschließen können. Das heißt, dass eine beträchtliche Datenmenge bereits in unseren Systemen vorhanden ist. Das sind hervorragende Trainingsdaten für maschinelles Lernen. Selbstverständlich verwenden wir diese aber nur mit Einwilligung der Kunden, unter Wahrung der Vertraulichkeit kundenspezifischer Informationen und der Einhaltung geltender Datenschutzauflagen.

          FRAGE: Wenn das geregelt ist, was sind dann die drängendsten Fragen für ihre KI-Partnerschaft?

          ANTWORT: Die thematischen Säulen, die die Partnership on AI aufgestellt hat, treffen es schon ganz gut. Zum Beispiel die Säule „Faire, transparente und verantwortliche KI“. 2018 kommt die EU-Datenschutz-Grundverordnung, die besagt, dass Personen ein Recht auf Informationen über automatisierte Entscheidungen haben, die sie betreffen. Wir müssen klären, was das in der Praxis bedeutet und welche Standards dafür nötig sind. Wie erklärt sich heute ein Unternehmen, wenn es sich gegen einen Bewerber oder einen Lieferanten entscheidet? Und wie sind die Anforderungen, die man in Zukunft an die Begründung einer automatisierten Entscheidung stellt? Auch die Frage der Zusammenarbeit von Menschen und Machine-Learning-Systemen ist für uns tägliches Brot. Wie kann man die Unsicherheit in Unternehmensanwendungen repräsentieren, wenn maschinelle Lernverfahren doch nur Wahrscheinlichkeitsangaben machen? Wie kann man diese dem Nutzer verständlich darstellen? Kann man das vielleicht mit visuellen Mitteln lösen und dafür eine gemeinsame Sprache finden? Wenn man mal über den Tellerrand schaut, stellen sich beispielsweise Fragen nach Schulung und Ausbildung für eine sich unter dem Einfluss von Künstlicher Intelligenz ständig verändernde Welt. Ich bin selbst Vater von zwei Kindern. Ich stelle fest, dass unsere Schulen und auch die Universitäten darauf ausgelegt sind, jungen Menschen beizubringen, wie man Tests besteht. Mit einem Bleistift und einem Stück Papier, abgeschnitten von jedem modernen Werkzeug. Wie relevant ist das für Problemlösungen in der heutigen Welt?

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