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Künstliche Intelligenz : „Ich halte nichts von Verboten“

  • -Aktualisiert am
Schlaue Roboter: Computer sollen künstliche Intelligenz entwickeln und schlauer werden als Menschen.
Schlaue Roboter: Computer sollen künstliche Intelligenz entwickeln und schlauer werden als Menschen. : Bild: dpa

FRAGE: Sollte es eine Selbstregulierung geben, die sich die Partnerfirmen im Hinblick auf den Datengebrauch auferlegen?

ANTWORT: Technik ist ja immer erst mal neutral. Was man damit anstellt, ist die Entscheidung derjenigen, die sie verwenden. Ich kann mit maschinellem Lernen eine Software bauen, die den Vertriebsmitarbeitern bei ihren Gesprächen zuhört und beim Chef petzen geht, wenn etwas schiefläuft. Ich kann aber mit derselben Technik auch ein System bauen, das dem Mitarbeiter einen vertraulichen Coach zur Seite stellt. Die Technik wäre die gleiche. Die grundlegende Frage ist: Was sollte ich tun? Wenn man nicht von einem Menschen auf eine bestimmte Weise behandelt werden will, sollte man vielleicht auch keine Software programmieren, die sich dann auf diese Weise verhält. Neue Technologien aufgrund potentieller Risiken per se zu verbieten hielte ich für verheerend. Wir sollten auf breiter Basis Erfahrung sammeln und eine gesellschaftliche Debatte führen.

Frage: Vor kurzem haben sich die Partnerorganisationen erstmals alle in Berlin getroffen. Wie war ihr Eindruck von der Veranstaltung?

ANTWORT: Ich war sehr angetan von dem Treffen. Die Partnership hat dort eine äußerst hochkarätige Gruppe von Menschen aus der Wirtschaft, der Forschung und der Zivilgesellschaft zusammengebracht, die ich so in einem Raum noch nie erlebt habe. Da waren die KI-Verantwortlichen der größten Technologiefirmen dabei. Aber auch führende Universitäten und Vertreter der Zivilgesellschaft wie Amnesty International, UN-Vertreter, die Electronic Frontier Foundation und die American Civil Liberties Union, die zentrale Vereinigung der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Eine Auseinandersetzung mit so vielen unterschiedlichen Perspektiven ist auf diesem Level bisher einzigartig.

In Kalifornien probiert Google sein selbstfahrendes Auto auch im Straßenverkehr aus.
In Kalifornien probiert Google sein selbstfahrendes Auto auch im Straßenverkehr aus. : Bild: dpa

FRAGE: Wie kam der Kontakt zwischen SAP und der Partnership zustande?   

ANTWORT: Wir arbeiten im Bereich Künstliche Intelligenz sehr eng mit strategischen Partner zusammen, beispielsweise mit verschiedenen Teams von Google wie etwa TensorFlow. Über diese Verbindung kam die Frage auf, inwieweit wir uns in einer möglichen Partnerschaft engagieren möchten. Als wir dann die Vision und den sich abzeichnenden Teilnehmerkreis gesehen haben, haben wir gesagt: „Prima, da machen wir mit!“

FRAGE: Wenn man an Anwendungen von künstlicher Intelligenz denkt, fallen einem Beispiele wie automatische Gesichtserkennung und Übersetzungen ein, der Empfehlalgorithmus von Amazon oder autonome Fahrzeuge. Wo steckt dabei für Sie die Intelligenz?

ANTWORT: Um das Phänomen, das von manchen mit dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ bezeichnet wird, gibt es momentan einen Hype. Wir sprechen als gute Ingenieure lieber von „maschinellem Lernen“. Es geht darum, dass Computer aus Daten lernen, statt dass wir sie explizit mit Anweisungen zu programmieren. Das schafft die Möglichkeit, auch mit unstrukturierten Informationen umzugehen, was Computer vorher nicht so gut konnten. Dazu gehören beispielsweise geschriebener und gesprochener Text, Fotos, Videos und Sensordaten, etwa aus dem Internet der Dinge. Vor ein paar Jahren kamen sogenannte tiefe neuronale Netze auf, Softwarestrukturen, die vom Aufbau des menschlichen Gehirns inspiriert sind. Man spricht auch von „tiefem Lernen“ oder „Deep Learning“. In relativ kurzer Zeit ist es gelungen, diesen Netzen bei der Erkennung von Bildern, Handschriften oder gesprochener Spracheeine teilweise sogar übermenschliche Leistungsfähigkeit anzutrainieren und vorherige Lösungen zu übertrumpfen.

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