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EU-Weißbuch zur KI : Künstliche Intelligenz in Ketten

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Wenn wir es auch nicht wirklich wollen, wir müssen uns mit Robotern und Künstlicher Intelligenz arrangieren. Bild: dpa

Auch die Europäische Union will lernende Software regulieren. Die Kommission hat dazu jetzt ein entsprechendes Weißbuch vorgelegt. Doch kann man eine Technologie voranbringen, indem man ihr Schranken setzt?

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          Mitte Januar sickerte die vorläufige Fassung eines Positionspapiers der Europäischen Kommission zu Künstlicher Intelligenz an die Öffentlichkeit. Ausgerechnet ein Seitenaspekt sorgte für Aufregung. Das Magazin „Politico“ hatte den Entwurf in die Hände bekommen und titelte, die EU erwäge ein temporäres Verbot von Gesichtserkennung im öffentlichen Raum. Tatsächlich ist in dem Papier davon die Rede, Gesichtserkennung für drei bis fünf Jahre auszusetzen, um die Folgen und Risiken dieser Technologie abzuwägen. Keine zwei Wochen später meldete „Reuters“, die Kommission habe sich inzwischen von diesem Verbot verabschiedet. Viel wichtiger dürften aber ohnehin andere Aspekte des 31 Seiten langen Weißbuchs der Europäischen Kommission sein, das den Titel „Zur Künstlichen Intelligenz – ein europäisches Konzept für Exzellenz und Vertrauen“ trägt.

          Neben den üblichen Verheißungen der KI wie verbesserter Medizin, weniger Verkehrsunfällen und mehr Wirtschaftswachstum widmet sich das Papier den Risiken der Technologie. Dann listet es Optionen auf, sie zu regulieren. KI-Entwicklern könnte man beispielsweise vorschreiben, gewisse Kenngrößen offenzulegen. Außerdem ist von „Designprinzipien“ die Rede, an die sie sich halten müssten, um die Risiken zu mindern. Für die Daten, mit denen selbstlernende Programme trainiert werden, schlägt das Papier verpflichtende Kriterien zu Qualität und Diversität vor. Schließlich erörtert es auch Regeln für die Haftung, falls intelligente Maschinen Schaden anrichten.

          Amerika und China haben etwas andere KI-Pläne

          Was alles zunächst unverbindlich klang, ist seit dem 19. Februar im Detail in der finalen Fassung des  Weißbuchs nachzulesen. Schon der Entwurf bot ein Bild davon, wie ein europäischer Ansatz für die Regulierung Künstlicher Intelligenz aussehen könnte. Die Frage ist, ob neue Vorschriften Europa im Vergleich zu China und Amerika voranbringen oder die Entwicklung der Technologie bremsen. Diese beiden Mächte arbeiten derzeit selbst an Regulierungen für KI. Washington pocht dabei auf einen liberalen Ansatz, während China zwar vorhat, ethische Normen zu formulieren, bisher aber vage bleibt. Dort geltende Regeln zum Datenschutz deuten laut einer Studie des Oxford Internet Institute aber auf eine Strategie hin, die vor allem dem Staat viele Freiheiten einräumt. So sei der Datenschutz in China formal streng geregelt, biete aber zahlreiche Schlupflöcher, wenn es um „Sicherheit“, „Gesundheit“ oder um „signifikantes öffentliches Interesse“ gehe.

          In diesem Spannungsfeld sieht Karl-Heinz Streibich, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, einen klaren Weg für den alten Kontinent. „Wir Europäer haben die Chance, einen differenziert definierten Umgang mit Daten und Künstlicher Intelligenz zu entwickeln.“ Ein Regelwerk für KI müsste dabei auf europäischen Werten basieren. „Es würde dann auch global attraktiv und beispielgebend werden, denn die Menschen wollen das so“, erklärt Streibich. Der Technikhistoriker David Gugerli von der ETH Zürich hält eine Regulierung von KI für nahezu unausweichlich. „Es gibt keine bedeutenden Technologien, die nie reguliert worden wären“, sagt er. Eisenbahn, Flugverkehr, Elektrizitätsnetze – all das wäre ohne staatliche oder privatwirtschaftliche Regeln undenkbar.

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