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Meinungsfreudige KI : Jetzt redet der Computer

Dank Künstlicher Intelligenz können Computer bereits Gesichter erkennen und Sprache verstehen. Bild: AFP

Computer sind Meister in Strategiespielen wie Schach und Go und sogar in der Lage, Gesichter zu erkennen und Sprache zu verstehen. Nun lernen sie auch noch zu debattieren.

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          Sie lesen uns Texte vor, vermelden auf Anfrage den aktuellen Wetterbericht oder leiten uns geduldig durch das Straßendickicht einer Stadt – sprechende Computer gehören inzwischen fest zu unserem Alltag, und ihre Stimmen klingen längst nicht mehr blechern und monoton. Außerdem kann ihnen beim Pokern oder Go-Spielen niemand das Wasser reichen. Die Künstliche Intelligenz macht es möglich.

          Nun kündigt sich eine neue Generation von Computern an: Maschinen, die nicht nur Texte interpretieren und Sprache verstehen können, sondern auch äußerst meinungsstark und diskussionsfreudig sind und die auch schon mal widersprechen, wenn es angebracht ist  – Fähigkeiten, die man bislang der menschlichen Intelligenz zuschrieb.

          Ein wahrer Meister im Debattieren unter den KI-Systemen ist „Project Debater“ des IT Herstellers IBM. Der Computer, ein zwei Meter großer schwarzer Kasten, kann sogar Argumente in Texten identifizieren und eigene Argumente formulieren, die ihm die Programmierer ursprünglich gar nicht einprogrammiert haben. Er erkennt obendrein rhetorische Muster und hat noch dazu eine sympathische Frauenstimme. Vierhundert Millionen Zeitungsartikel und Wikipedia-Einträge sowie unzählige in Debatten gebräuchliche Formulierungen bilden aktuell die Datenbasis, auf die Project Debater Zugriff hat.

          „Project Debater“ und sein Chefentwickler Noam Slonim vom IBM-Forschungszentrum für KI in Haifa
          „Project Debater“ und sein Chefentwickler Noam Slonim vom IBM-Forschungszentrum für KI in Haifa : Bild: AP

          Ob das alles reicht, sollte kürzlich die erste öffentliche Debatte mit dem Debattierprofi Harish Natarajan zeigen (siehe das Video der Veranstaltung). Das Thema, „Sollten Vorschulen öffentlich finanziert werden?“, wurde den beiden Kontrahenten erst kurz zuvor mitgeteilt. Nach einer Viertelstunde der Vorbereitung folgten vier Minuten für jede Partei, um sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinanderzusetzen, und zwei Minuten für ein Abschlussplädoyer – gemäß eines vor allem in England verbreiteten Debattenformats. Das Ziel war es, die Mehrheit der Zuschauer von der eigenen Position zu überzeugen.

          Um es kurz zu machen: Project Debater unterlag nur knapp dem redegewandteren Natarajan. Der Hauptgrund war der Umstand, dass das KI-System Mühe hatte, den kontinuierlichen Redefluss und die schlüssige Argumentationskette eines menschlichen Diskutanten nachzuahmen. Außerdem mangelte es Roboter-Stimmen immer noch an einer emotionalen und einfühlsamen Sprachmelodie. Die Väter von Project Debater, Forscher der IBM-Forschungszentren für KI in Haifa und Dublin attestieren dem Verlierer dennoch eine respektable Leistung.

          Die Forscher arbeiten derweil schon an technischen Verbesserungen. Dabei würde es ihnen gar nicht so sehr darauf ankommen, dass ihr Computer eines Tages besser argumentieren könne als Menschen, schreiben Noam Slonim und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature“. Vielmehr solle das System helfen, angesichts der Datenflut und der überhandnehmenden Fake News in den Sozialen Medien, überzeugende Argumente zu entwickeln und bei der Entscheidungsfindung unterstützen. In manchen hitzigen Talkshows, die derzeit Hochkonjunktur feiern, würden die fundierten Meinungen von Project Debater sicherlich viel Zuspruch finden.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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