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ISS-Laboratorium „Columbus“ : Schöner Zylinder, aber häufig leer

  • -Aktualisiert am

Startklar: Raumfähre Atlantis soll das Weltraumlabor zur ISS fliegen Bild: AP

Mit der „Atlantis“ startet das europäische Laboratorium „Columbus“ zur Internationalen Raumstation. Obwohl der Rumpf des Laborzylinders aus Italien stammt und zahlreiche europäische Firmen am Bau beteiligt waren, ist Columbus ein deutsches Projekt.

          Niemand weiß genau, wie lange Christoph Kolumbus dazu gebraucht hat, das nötige Geld, die Schiffe und die Matrosen aufzutreiben, um von Spanien aus in Richtung Neue Welt in See stechen zu können. Manche Historiker meinen, dem Seefahrer sei schon im Jahr 1480 die Idee gekommen, über die Westroute nach Indien zu segeln. Wenn das zutrifft, hätte Kolumbus innerhalb von nur zwölf Jahren alle finanziellen, bürokratischen und nautischen Hürden überwunden, so dass er am 12. Oktober 1492 zum ersten Mal seinen Fuß auf karibischen Boden setzen konnte.

          Die Europäische Weltraumbehörde Esa dagegen musste beinahe doppelt so lange warten, bis sie ihr Weltraumlabor, das nach dem aus Genua stammenden Entdecker benannt ist, auf die Reise in den Orbit schicken konnte. Nach mehr als 23 Jahren der Planung, des Baus und des scheinbar endlosen Wartens soll das zylindrische Laboratorium „Columbus“ nun endlich am späten Abend dieses Donnerstags die Reise zur Internationalen Raumstation (ISS) antreten, begleitet vom deutschen Astronauten Hans Schlegel und dem französischen Luftwaffengeneral Léopold Eyharts.

          Außenposten der Menschheit im erdnahen Weltraum

          Die Raumstation, das war die ursprüngliche Idee, sollte als wissenschaftliche Forschungsstelle ein Außenposten der Menschheit im erdnahen Weltraum sein. Dem Einfluss der Schwerkraft entzogen, wollte man dort auf vielen Gebieten der Naturwissenschaften und Medizin experimentieren. Grundsätzliches – wie das Wachstum von Kristallen und Proteinen – sollte untersucht werden, aber auch Praktisches wie die Wirkung von Langzeitaufenthalten im Orbit auf den menschlichen Körper. Astronomie, Biologie und Chemie standen ebenso auf dem wissenschaftlichen Plan der ISS-Mannschaften wie die Geologie, die Physiologie oder die Wetter- und Klimakunde.

          Obwohl seit nunmehr sieben Jahren ununterbrochen Astronauten in der Raumstation leben, ist die wissenschaftliche Ausbeute – gemessen an den ursprünglichen Plänen – gering. Der abhängig vom Zustand der amerikanischen Raumtransporterflotte entweder aus zwei oder höchstens drei Raumfahrern bestehenden ISS-Besatzung bleibt einfach keine Zeit, sich wissenschaftlich forschend zu engagieren. Die Raumfahrer sind vielmehr dauernd damit beschäftigt, die Station in Gang zu halten, Defekte zu beheben und den Ausbau der ISS vorzubereiten. Das im Jahre 2001 angebrachte amerikanische Weltraumlabor „Destiny“ steht deshalb weitgehend leer. Glaubt man den volltönenden Ankündigungen von Nasa, Esa und japanischer Raumbehörde, wird sich dieser desolate Zustand der Forschung im erdnahen Weltraum jetzt grundsätzlich ändern. Mit Columbus und dem im kommenden Februar zur Station zu liefernden japanischen Labor „Kibo“ soll sich die Raumstation in ein Exzellenz-Zentrum der Wissenschaften verwandeln.

          Großer Zylinder aus Aluminium

          Tatsächlich ist die Einrichtung von Columbus beeindruckend. Der 6,9 Meter lange und im Durchmesser 4,50 Meter große Zylinder aus Aluminium enthält alles, was ein Forscherherz begehren könnte. In fünf voneinander unabhängigen Laborschränken sind Vorrichtungen zum wissenschaftlichen Experimentieren in verschiedenen Fachbereichen untergebracht. So ist ein Schrank ausschließlich für biologische Versuche vorgesehen, in einem anderem lässt sich das Strömungsverhalten von Flüssigkeiten und Gasen unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit untersuchen. Es gibt sogar ein Sonnenobservatorium an Bord. Bis zu 500 verschiedene Experimente, so heißt es in einer Esa-Pressemitteilung, ließen sich pro Jahr im Columbus-Labor bearbeiten.

          Die gesammelten Messdaten werden in einem Zentralcomputer verarbeitet und gespeichert und dann ins Columbus-Kontrollzentrum nach Oberpfaffenhofen gefunkt. Über diese Funkstrecke können erdgebundene Forscher aber auch Versuche an Bord von Columbus von ihren Computer auf der Erde aus fernsteuern. Dennoch ist Columbus mit einer eigenen Klima- und Belüftungsanlage ausgerüstet, um den experimentierenden Astronauten eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

          Columbus ist ein deutsches Projekt

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