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Christian Herfarth wird 80 : Der forschende Krebs-Chirurg

  • -Aktualisiert am

Krebschirurg Christian Herfarth Bild: Archiv

Er gilt als einer der bedeutendsten Mediziner seiner Generation. Sein Spezialgebiet war die chirurgische Onkologie. Christian Herfarth, der heute achtzig Jahre alt wird, hat viel bewegt und dabei stets das Wohl der Patienten im Blick .

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          In seiner Jugend war er eine Zeitlang unschlüssig, ob er Medizin oder doch eins der naturwissenschaftlichen Fächer studieren sollte. Christian Herfarth, 1933 in Breslau geboren, entschied sich schließlich für die Medizin, stammte er doch aus einer alten schlesischen Arztfamilie. Doch sein Interesse für die naturwissenschaftliche Forschung blieb und führte dazu, dass er sich später, in den achtziger und neunziger Jahren, als er den Lehrstuhl für Chirurgie an der Universität Heidelberg innehatte, stets für das Konzept des forschenden Mediziners ausgesprochen hat. Und dieses Konzept unterstützte er tatkräftig mit Lösungen für die Praxis: Er forderte etwa, dass ein Tandemmodell geschaffen würde: klinische Professuren und Forschungsprofessuren im Verbund.

          Fortschritt in der Chirurgie sei nur möglich in der Zusammenarbeit mit Grundlagenwissenschaften, war stets seine Überzeugung. Im Jahr 1973, mit vierzig Jahren, war er nach Ulm berufen worden, 1981 dann an die traditionsreiche Chirurgische Klinik der Universität Heidelberg. Seine Forschungsgebiete hier waren die chirurgische Onkologie, die operative Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen und die Lebertransplantation, Bereiche, in denen seine Forschungsleistung international anerkannt ist. Zu seinen Verdiensten zählt unter anderem der Ausbau des Tumorzentrums Heidelberg-Mannheim; er trug maßgeblich zur Entstehung des Transplantationszentrums Heidelberg mit Transplantationsprogrammen für Leber, Niere und Herz bei.

          Nur mit Fleiß und Auslandserfahrung

          Es sei schwer gewesen, bei Christian Herfarth eine Stelle zu bekommen, erinnerte sich sein Fachkollege Matthias Rothmund von der Philipps-Universität Marburg vor einigen Jahren in einer Laudatio. „Wenn es aber gelungen war und man war fleißig, konnte man viel erreichen.“ Nahezu jeder Mitarbeiter sei einer Forschungsgruppe zugeteilt worden und in den Genuss eines Research Fellowship-Programms gekommen. Ein bis zwei Jahre im Ausland, meistens in den Vereinigten Staaten, seien die Regel für die Schüler gewesen, ein Dutzend gelangte auch an die Harvard Medical School.

          Auch hinter Herfarth selbst lagen viele Stationen im In- und Ausland, als er schließlich Leiter der Chirurgie in Heidelberg wurde, eine Position, in der er die Klinik zwanzig Jahre lang prägte. Nach einer Kindheit, die er einmal als schön und ungestört bezeichnet hat, besuchte er in den vierziger Jahren nach der Flucht der Familie aus Schlesien Schulen in fünf verschiedenen Städten, eine unruhige Zeit, an die sich die des Medizinstudiums in den fünfziger Jahren anschloss, ebenfalls an vier Fakultäten, in Tübingen, Wien, Hamburg und Heidelberg. Nach dem Studium forschte er zunächst in der Pathologie, wie es damals für angehende Chirurgen üblich war - denn er wollte Chirurg werden, wie sein Vater. Seine chirurgische Ausbildung begann er 1960 in Marburg, ging später nach Lund und Denver, bevor er Klinikleiter in Ulm und schließlich in Heidelberg wurde.

          Kultur der Anstrengung

          Für Christian Herfarth war immer klar, dass Chirurgen die molekularbiologische Seite ihrer Arbeit verstehen müssten. Zugleich plädierte er dafür, dass sich die Vertreter von Chirurgie und Innerer Medizin frühzeitig an einen Tisch setzen sollten, dass ein interdisziplinäres Herangehen mehr als zuvor bedacht werden müsse. Um in der Forschung mitzuhalten, favorisierte er eine „Kultur der Anstrengung“, wie er in den neunziger Jahren, als sich die Debatte um Arbeitszeitregelungen für Ärzte verschärfte, einmal argumentierte. Strikte Arbeitszeiten, sagte er, beschränkten die schöpferische wissenschaftliche Tätigkeit. Er selbst engagierte sich neben seiner ärztlichen und seiner Forschungstätigkeit in vielen Ehrenämtern, darunter als Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie; er war Herausgeber und Schriftleiter der wichtigsten nationalen und internationalen Zeitschriften seines Faches.

          Die Liste der Auszeichnungen, die er erhielt, ist lang, dazu zählen das Bundesverdienstkreuz erster Klasse für seine herausragende wissenschaftliche Lebensleistung, die Ernst-Jung-Medaille für Medizin und die Johann-Georg-Zimmermann-Medaille, eine der höchsten Auszeichnungen in der Krebsforschung, die er als der wohl bedeutendste onkologische Chirurg seiner Generation im Jahr 2003 erhielt. An diesem Montag feiert Christian Herfarth seinen 80. Geburtstag.

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