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Cannabis-Fund in Westchina : Zugekifft vor 2500 Jahren

Eins der Räuchergefäße: Cannbis-Becher aus Wacholderholz mit Steineinlage. Bild: dpa

Ein Friedhof auf dreitausend Metern Höhe: Hier, im Pamirgebirge, könnte die Hanfzucht ihren Anfang genommen haben. Die Trauernden bekifften sich mit speziellem Cannabis.

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          In seinen Historien aus dem fünften Jahrhundert vor Christus hat der griechische Geschichtsschreiber Herodot schon vage über die Völker im Grenzgebiet zwischen dem heutigen China, Afghanistan und Tadschikistan berichtet, wie die Menschen zusammensaßen und zu besonderen rituellen Anlässen oder auch nur zum Vergnügen den Rauch der Cannabispflanze inhalierten. Damit war eigentlich schon klar, dass in der Region, die zu einer der wichtigsten Handelsrouten der Geschichte, der Seidenstraße, gehörte, die Hanfpflanze offenbar nicht nur zu medizinischen Zwecken genutzt worden war, sondern als populäre Rauschdroge.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Was fehlte, waren archäologische Belege. Und eine Antwort auf die Frage: Wurde der Hanf auch angebaut und gezüchtet? Wertvolle Hinweise darauf wurden jetzt von einer Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena zusammen mit Wissenschaftlern zweier chinesischer Akademien geliefert.

          In einem schon vor Jahren entdeckten, sorgfältig mit Strukturen aus weißen und schwarzen Steinen drapierten Friedhof im östlichen Pamirgebirge wurden auf dreitausend Metern Höhe die menschlichen Überreste ausgegraben. Die terassenartig angelegte Grabstätte „Jirzankal“ enthielt dabei neben üblichen rituellen Grabbeigaben gut ein Dutzend gut erhaltener Gefäße aus Wacholderholz, die teils mit angekokelten Steinen gefüllt waren. Max-Planck-Forscherin Nicole Boivin und ihre chinesischen Kollegen haben die organischen Reste der Becherinnenseite und die Ablagerungen auf den Steinen genau analysiert.

          Berauschender Rauch verbrannter Cannabispflanzen

          Wie in der Fachzeitschrift „Science Advanves“ nachzulesen ist, zeigte die chemische Analyse mit dem Gaschromatographen: In diesen Gefäßen wurde jede Menge Cannabis verbrannt. Das Abbauprodukt der wichtigsten psychoaktiven Substanz, Tetrahydrocannabinol (THC) war zum Teil in so hohen Konzentrationen nachweisbar, dass das den Archäologen zufolge nur einen Schluss zulässt: Die Menschen konsumierten bereits vor zweieinhalb tausend Jahren den Rauch besonderer Hanfpflanzen. Solcher nämlich, wie sie damals in der vorderasiatischen Wildnis, wo Cannabispfanzen noch heute häufig sind, nicht vorkamen.

          Offenkundig hatten die Völker bereits Cannabis auf einen höheren THC-Gehalt hin gezüchtet. Für die Vermutung, dass die Droge tatsächlich schon damals weit verbreitet war, spricht auch die Verteilung in den Gräbern. Überall fand man die Reste in den Bechern. Der Cannabisrauch wurde offensichtlich ungeachtet der sozialen Stellung der Gestorbenen während der Beerdigung inhaliert. Möglicherweise verbreitete sich von Westchina aus das Marihuana-Rauchen westwärts.

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