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Vulkankatastrophe : Kissen gegen den Bimssteinhagel

  • -Aktualisiert am

Diese Säule einer römischen Luxusvilla in Oplontis unweit Pompeji wurde erst von Asche halb verschüttet. Was herausschaute, wurde dann von pyroklastischen Strömen quasi abrasiert. Bild: Ulf von Rauchhaupt

Neugier, Hilfsbereitschaft, Panik und Fake News. Ein Augenzeuge des Ausbruchs des Vesuv im Jahre 79 lässt kaum einen Aspekt solch eines Ereignisses aus.

          8 Min.

          Der erste Brief

          Lieber Tacitus, Du bittest, Dir über das Ableben meines Onkels zu schreiben, damit Du es der Nachwelt umso getreuer überliefern kannst. Besten Dank! Von Dir gefeiert, wird seinem Tod unsterblicher Ruhm nämlich sicher sein, denke ich. Denn obgleich er schon dadurch fast unsterblich wurde, dass er beim Untergang überaus herrlicher Landstriche, ebenso wie Menschen und Städte, durch ein denkwürdiges Desaster zugrunde ging und obwohl er selbst viele bleibende Werke geschaffen hat, so wird doch die ewige Gültigkeit Deiner Schriften seinem Nachleben viel hinzufügen. Ich glaube ja, dass diejenigen glücklich sind, denen die Götter die Gabe verliehen haben, entweder etwas Schreibenswertes zu tun oder etwas Lesenswertes zu schreiben. Die Glücklichsten aber sind doch die, denen beides gegeben ist. Mein Onkel wird zu ihnen gehören, dank seiner Bücher und dank Deiner. Weswegen ich also gerne beginne und sogar darum bitte, dass Du mir diese Aufgabe stellst.

          Er hielt sich in Misenum auf, wo er den Oberbefehl über die Flotte innehatte. Am neunten Tag vor den Kalenden des September [24. August], etwa um die siebte Stunde [13 Uhr], machte ihn meine Mutter auf eine Wolke aufmerksam, die nach Art und Größe ungewöhnlich war. Wie üblich war er in der Sonne gewesen, hatte dann kalt gebadet, sich zum Essen gelegt und wieder gearbeitet. Nun ließ er sich seine Sandalen bringen und stieg zu einem Ort hinauf, von dem er jenes Wunderding am besten beobachten konnte.

          Erst Neugier, dann Hilfsbereitschaft

          Die Wolkenmasse erhob sich – aus der Ferne war es unklar, von welchem Berg aus (dass es der Vesuv war, wurde erst später bekannt) – und ähnelte in Form und Aussehen am ehesten einer Pinie. Denn sie erhob sich wie auf einem sehr langen Stamm bis in eine gewisse Höhe und verbreitete sich dann wie in einem Astwerk, ich glaube, weil sie, eben noch von Kraft getrieben, danach ihrer Schwäche überlassen war oder weil ihr eigenes Gewicht sie überwältigt hatte und sich dadurch in die Breite verflüchtigte. Weiß war sie an manchen Stellen, an anderen schmutzig und fleckig, je nachdem, wie viel Erde und Asche sie trug.

          Dem hochgelehrten Mann erschien das einer Erforschung aus größerer Nähe wert, und so ließ er einen leichten Schnellsegler klarmachen. Er stellte es mir frei mitzukommen, wenn ich wollte. Ich antwortete, ich wolle lieber arbeiten, hatte er selbst mir doch eben erst eine Schreibaufgabe gegeben.

          Als er gerade aus dem Haus ging, erreichten ihn Täfelchen von Rectinia, der Gattin des Tascus. Die drohende Gefahr hatte sie in Angst versetzt, denn ihre Villa lag dort in der Nähe, und eine Flucht war nur noch per Schiff möglich. Ob er sie aus dieser kritischen Lage befreien könnte, bat sie. Er änderte seinen Entschluss, und was er aus Forschergeist begonnen hatte, verfolgte er nun aus Großmut. Er ließ vierrudrige Kriegsschiffe aus den Docks ziehen und begab sich an Bord, nicht nur um Rectinia zu helfen, sondern auch vielen anderen, war das doch eine wegen ihrer Schönheit dichtbesiedelte Küste. So eilte er dorthin, von wo andere flohen, und steuerte derart furchtlos geradewegs in die Gefahr hinein, dass er alle Bewegungen jenes Übels und alle Erscheinungen, so, wie er sie sah, diktierte und notieren ließ.

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