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Brände im Regenwald : Das ökologische Endspiel am Amazonas

Feuer frisst sich durch den Dschungel bei Porto Velho in Brasilien. Bild: dpa

Der Amazonas-Regenwald produziert gut ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen. Die andauernden Waldbrände und der Raubbau an ihm sind nicht nur eine ökologische Katastrophe – sondern auch eine humanitäre.

          Der Amazonas-Regenwald ist ein Politikum. Er ist „die grüne Lunge der Erde“. Tatsächlich ist der Amazonas-Wald das größte zusammenhängende Urwaldgebiet, er allein produziert gut ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen. Doch die Bedeutung der gut dreieinhalb Millionen Quadratkilometer Urwald, die zu sechzig Prozent auf brasilianischem Territorium liegen, geht weit darüber hinaus: Kein anderes Waldgebiet der Erde beherbergt so viele Tier- und Pflanzenarten, keines nimmt so viel Kohlendioxid aus der Luft und speichert es im Boden und Vegetation, und kein anderes Gebiet ist so reich an indigenen Völkern – Eingeborene, die eine zentrale Rolle als „Wächter des Waldes“ spielen, weil sie ein natürliches Interesse daran haben, die Funktionen des Waldes intakt zu erhalten.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Indigenen haben meist keine Landrechte, sie leben in sogenannten Schutzgebieten. Wo sie leben, beträgt die Entwaldungsrate ein Elftel des Landesdurchschnitts. Die Satellitenaufnahmen der gut 73.000 Brände in den ersten sieben Monate dieses Jahres zeigen auch, dass sich die Brandrodung vor allem an den Rändern der Schutzgebiete konzentriert. Der Raubbau ist deshalb nicht nur eine ökologische, sondern auch eine humanitäre Katastrophe. Waldbrände gab es auch nach dem berühmten „Erdgipfel“ von 1992 jedes Jahr am Amazonas. Dazu kommen Kahlschläge für Minen, Dämme, Straßen, Soja-, und Zuckerrohrfelder.

          Abholzungsrate ist nach oben geschnellt

          Eine Auswertung hochauflösender Satellitenbilder hat jüngst gezeigt: Seit dem Jahr 2000 sind im Schnitt jährlich 20.000 Quadratkilometer Regenwald verlorengegangen, mit Höchstwerten 2016 und 2017 – geschätzt waren es auch 2018 noch eine halbe Milliarde Bäume. Im Pariser Klimaabkommen hat sich Brasilien verpflichtet, bis 2030 mindestens 120.000 Quadratkilometer Wald neu zu pflanzen, 76 Millionen Bäume sollen es bis 2023 sein. Das sind fast immer jedoch ökologisch fast wertlose Eukalpytus-, Pinien- und Kautschukplantagen. Nach der Amtsübernahme der neuen Regierung in Brasilien ist die Abholzungsrate nach oben geschnellt. 87 Prozent der Waldverluste konzentrieren sich auf den „großen Bogen“ zwischen den Bundesstaaten Pará, Mato Grosso, Maranhão und Rondônia.

          Klimapolitisch sind die Waldverluste eine Katastrophe – auch regional, denn der Urwald produziert die Hälfte des Regens in der Region. Südamerika droht deshalb großflächig auszutrocknen, sollte ein Viertel der ursprünglichen Urwaldfläche verlorengehen (derzeit sind es 16 Prozent). Wird der „Kipppunkt“ überschritten, dürfte sich ein großer Teil des Amazonasbeckens zur Savanne verwandeln und die (für uns kostenlose) Rolle als weltweit größter natürlicher Klimapuffer verlieren.

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