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Ebola-Seuche : Brachten Flughunde das Todesvirus?

  • Aktualisiert am

Ärzte ohne Grenzen im Einsatz gegen die Ebola-Seuche. Bild: Sylvain Cherkaoui/Cosmos

Warum Westafrika, warum jetzt? Der jüngste Ausbruch der Ebola-Epidemie mit dem gefährlichsten Erreger aus Zentralafrika stellt die Forscher vor Rätsel.

          Die aktuelle Ebola-Epidemie in Westafrika mit schon an die 700 Toten geht Wissenschaftlern zufolge möglicherweise auf den Kontakt und Verzehr von Flughunden zurück, die ursprünglich aus Zentralafrika stammen und weit mehr als tausend Kilometer gewandert sind. Eine andere, allerdings weniger wahrscheinliche Erklärung, weshalb ausgerechnet das Zaire-Ebolavirus in Westafrika zugeschlagen hat, wäre, dass Tiere in der Region schon seit langem Träger des gefährlichen Virusstammes sind. Dafür gibt es bisher aber keine stichhaltigen genetischen Belege, wie der amerikanische Tropenmediziner Daniel Bausch von der Tulane School of Public Health and Tropical Medicine und seine Kollegin Lara Schwarz von der kanaddischen McGill University in der Zeitschrift  „PLOS Neglected Tropical Diseases“ berichten. Welche Flughunde der Region die gefährlichen Ebola-Erreger tatsächlich in sich tragen, werde derzeit in der Region untersucht.

          Der aktuelle Ausbruch geht auf das Zaire-Ebolavirus (ZEBOV) zurück, eine von fünf bekannten Arten der Erreger - und mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 90 Prozent die gefährlichste. Erstmals nachgewiesen wurde dieses Virus 1976 im heutigen Kongo, seither gab es mehrmals Ausbrüche in Regionen Zentralafrikas. Diese liegen aber Tausende Kilometer vom Westen des Kontinents entfernt, wo der Zaire-Ebolavirus bis vor wenigen Monaten noch nie nachgewiesen wurde.

          Es sei unwahrscheinlich, dass ein Mensch den Erreger nach Guinea gebracht habe, schreiben Bausch und Schwarz. „Es gibt kaum regelmäßige Handels- oder Reiserouten zwischen Zentralafrika und Guinea, und Guéckédou - das Ebola-Epizentrum, wo das Virus wahrscheinlich erstmals aufgetreten ist - liegt ganz weit abgelegen.“

          Als Überträger kommen dem Forscher-Duo zufolge vor allem drei Arten infrage: Hammerkopf (Hypsignathus monstrosus), Franquet-Epauletten-Flughund (Epomops franqueti) und Schmalkragen-Flughund (Myonycteris torquata). Ebolaviren werden vor allem beim Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Die Vereinten Nationen hatten darum schon vor Wochen davor gewarnt, in der Region Flughunde und andere Wildtiere zu jagen und zu verzehren. Nach Angaben der UN-Ernährungsorganisation FAO werden die Tiere in Westafrika getrocknet oder auch in scharfen Suppen gegessen.

          Von den Ebolaviren kennt man mindestens fünf genetische Subtypen.

          Dass es überhaupt zu einer Epidemie gekommen sei, liege zum großen Teil an den sozialen und politischen Zuständen in den betroffenen Ländern. Dies gelte für Ausbrüche von Ebola ebenso wie für die anderer hämorrhagischer Fieber. „Solche Epidemien treten nicht zufällig auf - oft geschieht dies in Gebieten, in denen die Wirtschaft und das öffentliche Gesundheitswesen nach jahrzehntelangen Bürgerkriegen am Boden liegen.“ Alle drei derzeit vor allem betroffenen Länder - Guinea, Liberia und Sierra Leone - haben in der Vergangenheit unter schweren politischen Unruhen gelitten.

          Armut und Unterentwicklung trieben die Menschen dazu, immer tiefer in den Wäldern zu jagen. Damit wachse das Risiko, sich bei Wildtieren zu infizieren, schreiben Bausch und Schwarz. Zudem gebe es kaum medizinische Ausrüstung und anderes Material, um die Ausbreitung einer Krankheit einzudämmen. Das fange schon bei Schutzhandschuhen, Masken, sauberen Nadeln und Desinfektionsmitteln an. Als dritter Faktor kommen demnach die mangelhaften Koordinations- und Überwachungsmechanismen der Länder hinzu.

          WHO plant Notfallprogramm

          Bausch hatte in den vergangenen Monaten sowohl Guinea als auch Sierra Leone besucht, um den Ursachen des Ausbruchs auf den Grund zu gehen. Erste Ebola-Fälle waren in Guinea im März registriert worden, rückblickend wurde darauf geschlossen, dass es schon im Dezember 2013 erste Infektionen gegeben hatte. Derzeit liegt die Sterblichkeitsrate der registrierten Fälle bei weit über 50 Prozent.

          Unterdessen wollen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und westafrikanische Staaten ein Notfallprogramm in Höhe von 100 Millionen Dollar (74,8 Millionen Euro) auflegen. Wie die WHO mitteilte, wird Generaldirektorin Margaret Chan dazu an diesem Freitag an einem Krisengipfel der betroffenen Länder in Guineas Hauptstadt Conakry teilnehmen. Die „Ausmaße des Ebola-Ausbruchs“ machten es nötig, dass die WHO gemeinsam mit den betroffenen Staaten die Gegenmaßnahmen „auf ein neues Niveau“ hebe, erklärte WHO-Chefin Chan. Sierra Leone hatte zuvor den nationalen Notstand wegen der Seuche verkündet, Liberia schloss alle Schulen.

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