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Bösewicht Nr. 4 : Koffein

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Isabel Klett

Eine Schwangere, die sich in Amerika Espresso bestellt, gilt sofort als Rabenmutter. Auch hierzulande warnt man vor dem bösen Koffein. Dabei haben Studien keine schädlichen Wirkungen beweisen können. Aber was sind schon Studien?

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          Exzessiver Koffeinkonsum wird oft mit Fehlgeburten, Gaumenspalten und einem niedrigen Geburtsgewicht in Verbindung gebracht. In den Vereinigten Staaten wird er weitaus stärker missbilligt als bei uns. Dort empfiehlt man Schwangeren sogar, keine Schokolade zu essen, obwohl eine Tafel Schokolade durchschnittlich 30 mg Koffein enthält und 240 mg am Tag immer als unbedenklich galten. Anders gesagt: Sie müssten schon acht Tafeln täglich essen, um in die Gefahrenzone zu geraten, in welchem Fall Ihr Risikofaktor wahrscheinlich eher darin bestünde, dass Sie unter Übergewicht und/oder schlechter Ernährung leiden.

          Wenn eine offensichtlich schwangere Frau sich in Amerika einen Espresso bestellt, begeht sie einen ähnlichen Tabubruch wie Kate Moss, die hier beim Zigarettenkaufen fotografiert wurde, als sie schwanger war. Selbst in Großbritannien lautet der Rat „drei Tassen Kaffee pro Tag“, obwohl ich Ihnen jetzt nicht sagen kann, ob damit anständiger Kaffee oder Tankstellen-Kaffee gemeint ist, ebenso wenig, ob es einer möglichen Fehlgeburt oder anderen Risikofaktoren vorbeugen soll, und übrigens auch nicht, wie groß die Tassen sein dürfen.

          Ärtzen oder Studien trauen?

          Anfang dieses Jahres wurden die Ergebnisse einer dänischen Studie zum Thema veröffentlicht, bei der man 1200 Frauen befragt hatte, mehr als doppelt so viele wie in der nächstgrößeren Untersuchung. Die Möglichkeiten, unerwartete Faktoren zu entdecken, waren entsprechend groß. Umso wichtiger war der Schluss, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen den kaffeetrinkenden und den koffeinfreien Frauen hinsichtlich des Geburtsgewichts ihrer Babies oder der Häufigkeit der Frühgeburten gab: auch nicht bei Frauen, die mehr als sieben Tassen am Tag tranken.

          Als aber dann eine Hebamme zu mir sagte: „Trinken Sie keinen Kaffee“, und ich einwand: „Aber es gibt da diese dänische Studie ...“, unterbrach sie mich: „Was glauben Sie, wer mehr von der Sache versteht, ein Arzt oder eine dänische Studie?“, als hätte alles Dänische von Natur aus etwas Anrüchiges. Aber davon ganz abgesehen, fragen wir mal so: Wer weiß vermutlich mehr? Ein einzelner Allgemeinmediziner oder ein Forschungsinstitut, das die bislang größte europäische Studie dazu durchgeführt hat?

          Unverdächtiges Genussmittel

          „Zu Kaffee in der Schwangerschaft gibt es keine klaren Regeln“, sagt Klaus Vetter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin. Sind vier Tassen am Tag für eine Schwangere noch in Ordnung? „Wenn sie es verträgt“, antwortet Vetter.

          „Man sollte in der Schwangerschaft auch nicht zu viel verändern, denn der Körper hat sich ja auf einen bestimmten Lebensstil eingestellt.“ Und Kampf-Kaffee-Trinker, sagt Vetter, merken schon von selbst, dass sie sich umstellen müssen. Die viel wichtigeren Probleme werdender Mütter seien zurzeit hyperkalorische Ernährung und Alkohol.

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