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Artensterben und Klimawandel : Bloß nicht noch mehr Mais

  • -Aktualisiert am

Endstation Biogasanlage: Auf einem Silo in Niedersachsen türmen sich die Reste der Maisernte und warten auf die „Energieernte“. Bild: Mauritius

Die Natur ist im Würgegriff des Klimawandels. Ein junger Biodiversitätsforscher erläutert, warum „klimafreundliche“ Energiepflanzen die dringend nötigen Artenschutzmaßnahmen torpedieren könnten.

          10 Min.

          Die Erde ändert sich. Kaum ein Phänomen lässt uns dies so deutlich spüren wie der Klimawandel, ganz besonders nach dem Rekordsommer 2018, in dem der im gleichen Jahr geprägte Begriff „Heißzeit“ zum Wort des Jahres gekürt wurde. Im Vordergrund der medialen Berichterstattung und der globalen politischen Debatte zur Erderwärmung stehen deren Konsequenzen für die Lebensumstände des Menschen, von den letztjährigen Ernteausfällen über die allgemein zunehmende Frequenz extremer Wetterereignisse bis hin zu den hierdurch ausgelösten Migrationsströmen.

          Weitaus seltener in den Blick genommen werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesamtheit der Biosphäre mit ihrer Vielfalt der Arten und Ökosysteme – der Biodiversität. Diese biologische Vielfalt ist von immenser Wichtigkeit für Boden- und Wasserhaushalt, Luftreinhaltung und natürliche Schädlingsbekämpfung, Bestäubung von Nutzpflanzen und nicht zuletzt für das gesundheitliche und ästhetische Wohlbefinden des Menschen. Jeder Eingriff in diesen reichhaltigen und ungeheuer komplexen ökologischen Dienstleistungsapparat ist problematisch. Wenn der Mensch nun auf globaler Skala und noch dazu in atemberaubender Geschwindigkeit an den ganz großen klimatischen Stellschrauben des Gesamtsystems dreht, bleiben erhebliche Konsequenzen nicht aus.

          Die Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Biodiversität besser zu verstehen ist daher nicht nur aus wissenschaftlicher, sondern auch aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive von überaus großer Bedeutung. Können Anpassungsprozesse der Tier- und Pflanzenarten mit dem Tempo der Erderwärmung mithalten? Haben weniger anpassungsfähige Arten die Chance, durch Ausbreitung in klimatisch günstigere Regionen auszuweichen? Und welche Konsequenzen erwachsen aus dem Zusammenwirken von Klima- und Landnutzungswandel – dem anderen, nach wie vor mindestens ebenso großen Treiber der Biodiversitätsveränderung? Diese und ähnliche Fragen stehen im Fokus der aktuellen ökologischen Klimafolgenforschung.

          Klimaveränderungen sind ein natürliches Phänomen. Seit der Entstehung des Lebens sind die lebenden Organismen mit dem Wandel der klimatischen Bedingungen konfrontiert. Der zyklische Wechsel der Kalt- und Warmzeiten veranschaulicht dies exemplarisch für die letzten zwei Millionen Jahre – mit vielfach dokumentierten Auswirkungen auf Fauna und Flora.

          Beispiellose Erwärmung

          Doch das Tempo der aktuellen Erwärmung stellt die eiszeitlichen Veränderungen in den Schatten: Um etwa ein Grad Celsius hat sich die Erde im Mittel seit dem Beginn der Industrialisierung vor mehr als 150 Jahren erwärmt, und die jüngsten Prognosen des Weltklimarats IPCC sagen bis zum Ende des aktuellen Jahrhunderts einen Temperaturanstieg voraus, der im Vergleich zur durchschnittlichen Geschwindigkeit vergangener Klimaänderungen geradezu rasant erscheint. Die Reaktionen vieler biologischer Systeme sind bereits zu beobachten: Zugvögel kehren zeitiger aus ihren Winterquartieren zurück, Frösche und Kröten beginnen eher mit ihren Laichwanderungen, Blütenpflanzen knospen, sprießen, blühen früher. Andere Arten begeben sich dauerhaft auf den Weg in neue Gefilde: Sie verschieben ihre Verbreitungsgebiete, z.B. in Richtung höherer geographischer Breiten oder in höhergelegene Bergregionen.

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