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Artensterben und Klimawandel : Bloß nicht noch mehr Mais

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In Mitteleuropa wurden beispielsweise aufgrund hoher EU-Subventionen inzwischen selbst Flächen, die wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit entweder brachlagen oder nur extensiv bewirtschaftet wurden (was der Artenvielfalt zugutekommt), wieder in die Nutzung genommen – für den Energiepflanzen-Anbau. Das verstärkt die ohnehin negativen Trends der Pflanzen und Tiere der Agrarlandschaft, wo die immer stärkere Intensivierung der Landwirtschaft seit Jahrzehnten ihre Spuren hinterlässt: mit dem Pflanzenartenreichtum und der Blütendichte gehen die Insektenbestände zurück, mit ihnen schwinden die Bestandszahlen der Vögel. Arten wie Rebhuhn oder Kiebitz, ja selbst „Allerweltsarten“ wie Feldlerche und Star befinden sich seit geraumer Zeit im freien Fall, mit den schonend genutzten Agrarflächen, die nun dem Anbau der Bioenergiepflanzen dienen, verlieren sie ihre oftmals letzten Lebensgrundlagen. Summiert man die Flächen, in denen der Artenreichtum der Wirbeltiere weltweit zukünftig voraussichtlich am meisten gefährdet ist, so kommt man, so das Ergebnis unserer jüngsten Studie, bei einem mittleren Klimawandel-Szenario von plus drei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zum gleichen Ergebnis wie bei einem Niedrig-Emissionsszenario (plus 1,5 bis zwei Grad): in beiden Szenarien wird die Biodiversität bis 2080 etwa auf 36 Prozent der globalen Landfläche stark gefährdet sein. Das liegt daran, dass im Niedrig-Emissionsszenario die für die Begrenzung der Temperaturerhöhung stattfindende Ausweitung des Energiepflanzenanbaus die positiven Effekte eines weniger stark ausfallenden Klimawandels zunichtemachen würde – der Teufel würde hier gewissermaßen mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Alternative Energieträge bleiben umstritten

Freilich sind auch die anderen alternativen Energieträger für Arten und Ökosysteme nicht ohne Folgen. Die Konflikte zwischen Naturschutz und Windkraftanlagenbetreibern lassen kaum nach, genauso wenig wie das Anwachsen der Solarflächen über ehemals extensivem Grünland. Ja selbst die scheinbar so saubere Wasserkraft zerstört durch die Querverbauung der Fließgewässer den Lebensraum der Wanderfische und anderer Organismen.

Doch Kompromisse sind möglich und nötig – mit einer wissenschaftlich geleiteten räumlichen Prioritätensetzung, bei der mal der Biodiversität, mal der Energiegewinnung der Vorrang gegeben wird. Fest steht: Wenn sich Naturschutz und Klimaschutz gegeneinander ausspielen lassen, haben beide verloren, was den kurzfristig orientierten ökonomischen Interessen derjenigen, die sich weder um das eine oder andere ernsthaft scheren, in die Hände spielt. Und es soll auch Lösungen geben, die nur Gewinner kennen – warum ziert nicht etwa eine Solaranlage jedes Dach in Deutschland und anderswo?

Der Mensch hat Biosphäre wie Atmosphäre nachhaltig aus dem Gleichgewicht gebracht und beraubt sich damit seiner eigenen langfristigen Lebensgrundlage. In diesem Sinne sind die Herausforderungen radikal, denn sie gehen an die Wurzeln nicht zuletzt auch der menschlichen Existenz. Hieraus erwächst ein ebenso radikaler Handlungsbedarf, dessen Uhr für den Klimawandel noch auf ein paar Sekunden vor zwölf stehen mag (zumindest zur Verhinderung des Allerschlimmsten), während sie für die Biodiversität die Zwölf schon überschritten hat. Zu weit sind die planetarischen Belastungsgrenzen im Bereich der biologischen Vielfalt schon überschritten – davon zeugt die unwiederbringliche Ausrottung zahlreicher Arten oder die großflächige Vernichtung der wertvollsten Lebensräume, von den Korallenstöcken des Great Barrier Reefs über die tropischen Mangroven- und Regenwälder bis zu den europäischen Hochmooren.

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