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Artensterben und Klimawandel : Bloß nicht noch mehr Mais

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Alle noch so ausgefeilten Berechnungen der Folgen des Klimawandels für die Artenvielfalt sollten indes nicht den Faktor aus den Augen verlieren, der bisher für die weitaus größten Biodiversitätsverluste verantwortlich zeichnet: den ebenfalls menschengemachten Landnutzungswandel. Dieser schreitet schier ungebremst voran und mit ihm die Zerstörung, die Degradierung und die Fragmentierung natürlicher und naturnaher Lebensräume. Durch den Flächenbedarf für Siedlungen, Industrie und Energieanlagen, v.a. aber durch die immer intensiver werdende landwirtschaftliche Nutzung leben Tiere und Pflanzen heuet in einer vom Menschen vollkommen veränderten Welt. Und gerade die oben dargestellten Reaktionsmöglichkeiten der Arten werden in einer solchen von Ausbreitungsbarrieren und lebensfeindlichen Räumen durchzogenen Landschaft massiv eingeschränkt. Mit anderen Worten: selbst wenn das Anpassungs- und Ausbreitungspotential der Lebewesen ausreichte, im rapiden Klimawandel fortzubestehen, wird dies durch den Landnutzungswandel verhindert. Ohne diesen Kontext des vorhandenen Lebensraums bleibt also jede ökologische Klimafolgen-Analyse mindestens unvollständig, so lange ihr Anspruch über den eines theoretischen Modells hinausreicht.

Bioenergie in Monokulturen sind keine Lösung

Klar ist nichtsdestotrotz, auch aus der Biodiversitäts-Perspektive: Die Begrenzung des Klimawandels und damit eine massive Reduktion des Treibhausgasausstoßes durch die Verbrennung fossiler Energieträger gehört ganz oben auf die nationale wie internationale politische Agenda. Doch die Risiken des Ausbaus der verschiedenen alternativen Energieformen müssen gegen ihren Nutzen abgewogen werden. Neben der Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft kommt z.B. der Nutzung von Bioenergiepflanzen in den letzten Jahren immer größere Bedeutung als Energie-Alternative zu. Hierzu gehören in Europa u.a. Raps und Mais, in anderen Regionen der Erde insbesondere Ölpalmen, Zuckerrohr und Soja. Diese werden zu den Energieträgern Bioethanol, Biodiesel oder Biogas verarbeitet. Doch wenn für den Klimaschutz besonders stark auf Bioenergie gesetzt wird, ist der Schaden für die biologische Vielfalt größer als der erzielte Gewinn.

Rapsfelder blühen in der Nähe von Bad Münster in Niedersachsen.

Der Anbau von Bioenergiepflanzen verschlingt bereits heute immer größere Flächen, und zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs wird – je nach Prognose – bis zum Jahr 2050 von einem Anwachsen des Anbaus auf bis zu zwei Prozent der globalen Landfläche ausgegangen, was einem Areal von etwa drei Millionen Quadratkilometern (oder der Flächengröße Argentiniens) entspricht. In der Europäischen Union wird im gleichen Zeitraum ein Flächenpotential für Energiepflanzen von etwa 300.000 km² prognostiziert – äquivalent zur gesamten Fläche Italiens. Die Energiegewinnung aus Raps, Mais, Ölpalme & Co. ist wegen ihrer geringen Energieeffizienz im Vergleich mit anderen alternativen Energieträgern (Sonne, Wind, Wasser) sehr flächenintensiv. Um z.B. in Deutschland die gleiche Menge Strom zu produzieren, benötigt die Energiegewinnung aus Mais-Biogas mehr als die zehnfache Fläche einer Photovoltaik-Anlage. In den Tropen sieht das Verhältnis noch schlechter aus: in Brasilien etwa ist die Flächeneffizienz einer Photovoltaik-Anlage mehr als zwanzigmal so groß wie die Energiegewinnung aus Zuckerrohr-Bioethanol. Dieser Flächenverbrauch für den Energiepflanzenanbau hat massive Auswirkungen auf die Biodiversität.

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