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Biosicherheit : Mit Mikroorganismen entstehen neue Gefahrenquellen

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Gefahr aus den Laboren: Neuentwickelte Biotech-Viren drohen zur Terrorgefahr zu werden Bild: © Andrew Brookes/Corbis

Das Wissen der Forschung an gefährlichen Mikroorganismen kann missbräuchlich von Terroristen oder anderen Straftätern genutzt werden. Silja Vöneky, Mitglied des Deutschen Etikrats, fordert im Interview mit der F.A.Z nun, Wissenschaftlern konkrete Pflichten aufzuerlegen.

          Der Deutsche Ethikrat hat vergangene Woche Empfehlungen zur Biosicherheit und Forschungsfreiheit in den Lebenswissenschaften veröffentlicht. Wie kam es dazu?


          Wird an gefährlichen Mikroorganismen wie zum Beispiel Grippeviren geforscht, kann dieses Wissen durch Terroristen oder andere Straftäter missbraucht werden. Die Bundesregierung hat den Ethikrat aufgefordert zu untersuchen, ob Deutschland gut gerüstet ist auf diesem Gebiet, ob also vor allem die bestehenden rechtlichen und außerrechtlichen Regeln der Gefahrenabwehr einer missbräuchlichen Verwendung von Forschungsergebnissen ausreichen.


          Der Bericht kommt zu dem Schluss, sie reichen nicht.


          Wir haben noch kein kohärentes System für biosicherheitsrelevante Forschung. In vielerlei Hinsicht ist es immer noch ein Regelwerk des 20. Jahrhunderts, das nicht wirklich auf mögliche bioterroristische Herausforderungen im 21. Jahrhundert passt.


          Im Labor veränderte Vogelgrippeviren waren 2012 der Auslöser einer intensiven Debatte. Befürchtet wurde unter anderem, dass allein die Veröffentlichung von Bauplänen angeschärfter Erreger dazu missbraucht werden könnte, eine Epidemie auszulösen.

          Silja Vöneky möchte die Forschung an gefährlichen Viren sicherer machen.


          Das zeigt sehr schön, wo Lücken bestehen. Das Exportkontrollrecht sieht zum Beispiel durchaus vor, dass Staaten den Export von Forschungsergebnissen im Einzelfall untersagen können.


          Der Grippeforscher Ron Fouchier protestierte dagegen, dass er bei der niederländischen Regierung die Erlaubnis einholen musste, bevor er sein Manuskript an Science schicken durfte. Zu Recht?


          Zumindest offenbart sich in diesem Fall eine ziemlich inkonsistente Rechtslage. Denn wenn ein Forscher in einer ausländischen Zeitschrift veröffentlichen will, unterliegt er in Europa der Exportkontrolle. Publiziert er dieselben Ergebnisse aber in einer nationalen Zeitschrift oder im Internet, fällt die Prüfung aus. Der Fall zeigt beispielhaft, wie verquer die rechtlichen Regelungen in diesem Bereich bisher sind.

          Das scheint inzwischen Konsens. Was aber schlägt der Ethikrat konkret vor, um das Dilemma der Zweischneidigkeit, also der „Dual-Use“-Forschung zu entschärfen?


          Wir schlagen vor, die Probleme auf mehreren Ebenen einzuhegen. Auf der ersten Ebene müssen Forscher ihr Bewusstsein schärfen. Der Deutsche Ethikrat war sich nicht sicher, ob bei den Wissenschaftlern in den Lebenswissenschaften die Risiken eines möglichen Missbrauchs schon so präsent sind, dass sie diese Risiken in ihrer täglichen Arbeit im Blick haben. Unsere zweite Stoßrichtung ist die Empfehlung, einen bundesweit einheitlichen „Biosecurity“-Forschungskodex zu entwickeln, der Wissenschaftlern konkrete Pflichten auferlegt.


          Welche denn?


          Zunächst einmal eine Prüfpflicht. Der Forscher muss prüfen, ob er sich mit Biosecurity-relevanten Forschungsprojekten beschäftigt. Er hat zudem die Pflicht der Risikominimierung, Forscher müssen also Ziele und Risiken ihrer entsprechenden Forschung identifizieren. Forschungsvorhaben sollten außerdem daraufhin überprüft werden, ob die angestrebten Ziele nicht auch durch risikoärmere Projekte erreichbar sind. Geprüft werden müssen Forschungsvorhaben auch darauf, inwieweit im Schadensfall Abhilfemaßnahmen zur Verfügung stehen. Abgewogen gehört, ob mit konkreten Forschungsvorhaben unverhältnismäßige Risiken für Leben und Gesundheit von Menschen eingegangen werden. Kommt ein Forscher zu diesem Schluss, sollte er das Forschungsvorhaben unterlassen. Diese Kriterien sollen auch im Bereich der Forschungsförderung gelten. Nichtverantwortbare Forschung darf nicht gefördert werden.


          Reichen diese Empfehlungen zur Selbstkontrolle?


          Nein, sie reichen nicht. Auch das war Konsens im Ethikrat.


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