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Bericht des Weltklimarats IPCC : Die Klimakrise ist jetzt auch im letzten Winkel des Planeten spürbar

Ein brasilianischer Junge auf dem aufgebrochenen Grund eines ausgetrockneten Wasserreservoirs vor den Toren von Campina Grande in Brasilien Bild: Reuters

Der Weltklimarat legt eine neue Einschätzung der Erderwärmung vor. Es gibt weniger Unsicherheiten über deren Ursachen und Folgen. Mit neuen analytischen Verfahren können jetzt auch Projektionen auf regionaler Ebene erstellt werden.

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          Nach zweiwöchigen Online-Beratungen mit Repräsentanten aus nahezu allen Staaten der Erde hat der Weltklimarat IPCC der Vereinten Nationen heute Morgen den ersten von vier Teilberichten für den sechsten Sachstandsbericht zum Klimawandel vorgelegt und den Druck auf die Klimapolitik erhöht. Wenn nicht „sofort, schnell und im großen Stil“ die Treibhausgas-Emissionen verringert werden, so heißt es darin, gerate das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad oder auf wenigstens zwei Grad verglichen mit der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, außer Reichweite.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Dabei besitzt die Arbeitsgruppe eins des IPCC nicht einmal ein Mandat, sich mit politischen Zielen und Debatten auseinanderzusetzen. Ihre Aufgabe war es vielmehr, noch mehr Klarheit in die physikalischen Vorgänge der Erderwärmung zu bringen und sieben Jahre nach dem fünften Sachstandsbericht die Grundlagen für die in zwei anderen IPCC-Arbeitsgruppen bearbeiteten Folgen und möglichen Maßnahmen gegen den Klimawandel zu legen. Mehr als 14.000 Fachveröffentlichungen wurden dazu von mehr als 230 Experten aus der ganzen Welt ausgewertet.

          Das Fazit: Es gibt nochmal deutlich mehr Sicherheit, was die Ursachen und Konsequenzen der globalen Erwärmung angeht: Es sei mittlerweile „unbestreitbar“, dass der Mensch mit seinen Emissionen die Hand im Spiel habe, und das „Vertrauen in die Aussagen der Klimaforschung“ sei weiter gewachsen, so der deutsche Koautor des Berichts, der Hamburger Max-Planck-Forscher Dirk Notz. Und: Der menschengemachte Klimawandel sei inzwischen „in jeder Region der Welt und im gesamten Klimasystem zu beobachten“.

          Veränderungen „beispiellos“ seit Hunderten von Jahren

          Der Weltklimarat sieht die neue Analyse als schonungslosen „Realitätscheck für den Klimawandel“; lange bestehende Unsicherheiten hinsichtlich der Empfindlichkeit des Klimas konnten maßgeblich verkleinert werden. Auch mit Blick auf die regionalen Veränderungen, die der globale Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten bewirken wird, habe man mit dem sechsten IPCC-Bericht erstmals zuverlässigere Aussagen treffen können, die für Risikoabschätzungen und Planungen von Klimaanpassungen bis auf die regionale Ebene dienen könnten.

          Öffentlich präsentiert wurden aus dem 400 Seiten langen Arbeitsgruppenbericht vorerst nur die 42 Seiten umfassende, klimapolitisch relevante „Zusammenfassung für politische Entscheider“. Sie ist anders als der Sachstandsbericht selbst das Ergebnis eines zwischenstaatlichen Aushandlungsprozesses um Formulierungen, dem am Ende die Klimawissenschaftler ebenso wie die Diplomaten einhellig zustimmen müssen. Der wissenschaftliche Kenntnisstand und die aus Computermodellen abgeleiteten Projektionen des Klimawandels in die nächsten Jahrzehnte werden in dem Dokument mit den zugrundeliegenden naturwissenschaftlichen Unsicherheiten skizziert und dabei jeweils erläutert, wie wahrscheinlich bestimmte Entwicklungen passieren können.

          Sehr sicher ist sich der IPCC inzwischen, dass die Beschleunigung der globalen Erwärmung nicht nur menschengemacht ist, sondern auch, dass viele dieser Veränderungen historisch „beispiellos seit Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden von Jahren sind“.

          Erwärmung der Ozeane irreversibel

          Seit dem Beginn der Industrialisierung hat sich die Erde im Mittel bereits um gut 1,1 Grad erwärmt, die Zahl allein der Hitzewellen in den Meeren hat sich in vierzig Jahren nahezu verdoppelt – was die Ozeane und beispielsweise Korallenriffe weltweit schwer belastet. Zu den irreversiblen und in den nächsten Jahrhunderten wahrscheinlich nicht mehr rückgängig zu machenden Veränderungen zählt der IPCC den zuletzt deutlich beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels durch die Eisschmelze insbesondere in den Polargebieten und in den alpinen Gletschern sowie die Erwärmung der Ozeane.

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