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Schicksale der Evolution

Von JOACHIM MÜLLER-JUNG und DIEMUT KLÄRNER
Foto: Picture-Alliance

24. Februar 2021 · Vor genau 150 Jahren stieß Charles Darwin den Menschen endgültig vom Thron der Schöpfung. „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ handelt von unserer Stellung im Tierreich. Über zwei aktuelle Beispiele aus der Forschung, die zeigen, dass es in der Evolution zwischen Mensch und Tier graduelle, aber keineswegs grundsätzliche Unterschiede gibt.

Kulturwesen mit Hirn und Verstand 

Die Agar-Kröte mag noch so expansiv und erfolgreich sein in ihrer Anpassung an die irdischen Verhältnisse, von einem Wirbeltier wird sie dabei zweifelsfrei übertroffen: Homo sapiens hat es, was evolutionäre Neuheiten angeht, zur Meisterschaft gebracht, und wie ihm das konkret gelungen sein könnte in den zurückliegenden Jahrmillionen, diese Frage ist längst aus der Sphäre der Theorie herausgetreten. Heute ist die Menschwerdung längst Gegenstand von Experimenten in der Petrischale – auch wenn es um das Edelste geht, was der Mensch für sich an evolutionären Innovationen in Anspruch nimmt: den Verstand.

Das Gehirn und seine Entwicklung interessieren die Anthropologen heute in der Tat mindestens genauso sehr wie die Fossilien, die in Höhlen oder im Untergrund entdeckt werden. Vor ein paar Jahren war ihnen dazu mit der parallelen Entwicklung von Gen- und Stammzelltechnik ein neues, wertvolles Instrument der Biomedizin an die Hand gegeben worden. Mit den im Labor beliebig programmierbaren Zellen können elementare Schritte der Hirnevolution nachempfunden werden.

Mini-Gehirn in der Petrischale. Der erste Querschnitt eines angefärbten, wenige Millimeter großen Organoid-Präparates wurde am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der österreichischen Wissenschaftsakademien angefertigt. Er zeigt in der Feinstruktur bereits den geschichteten, wenn auch noch rudimentären Aufbau der Hirnrinde (grün).
Mini-Gehirn in der Petrischale. Der erste Querschnitt eines angefärbten, wenige Millimeter großen Organoid-Präparates wurde am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der österreichischen Wissenschaftsakademien angefertigt. Er zeigt in der Feinstruktur bereits den geschichteten, wenn auch noch rudimentären Aufbau der Hirnrinde (grün). Foto: Picture-Alliance

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