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Aussehen von Außerirdischen : Unsere Aliens

Bild: Mart Klein und Miriam Migliazzi

Wie sehen Außerirdische aus? Auf keinen Fall wie in „Star Wars“, spotten Hollywood-Verächter. Doch die Wissenschaft ist sich da nicht mehr so sicher.

          Ridley Scott mutet uns wieder einiges zu. In „Alien“ hatte der britische Regisseur 1979 ein Filmmonster von kultiger Gruseligkeit geschaffen. Auch in seinem aktuellen Science-Fiction-Horror-Thriller „Prometheus“ kommen Freunde düsteren Schreckens auf ihre Kosten. Die allererste Szene jedoch dürfte so manchen Zuschauer befremden. Denn dort tritt ein ganz und gar ansehnlicher Außerirdischer auf: von marmorblasser Hautfarbe zwar, aber mit Mund, Nase, zwei Augen, zwei Armen, zwei Beinen. Ein Humanoid.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die athletische Gestalt war in keinem Trailer des Films zu sehen gewesen. Verständlicherweise, denn bis die Menschenähnlichkeit des extraterrestrischen Apolls im weiteren Verlauf des Films ihre naturalistische Erklärung erfährt, wirkt sie als cineastische Geschmacklosigkeit sondergleichen. Humanoide Aliens! In den 1960er Jahren mochte man das dem Produzenten von „Raumschiff Enterprise“ noch durchgehen lassen, wobei die zur selben Zeit entstandene westdeutsche Fernsehproduktion „Raumpatrouille Orion“ schon so fortschrittlich war, ihre „Frogs“ nur als flimmernde Silhouetten auftreten zu lassen. Nach 1968 ging aber auch so etwas nicht mehr. In diesem Jahr kam Stanley Kubricks „2001 Odyssee im Weltall“ heraus, neben Tarkowskis „Solaris“ so ziemlich das einzige Werk des Genres, das anspruchsvolle Kinogänger als Kunst durchgehen lassen.

          Auf der Suche nach Funksignalen

          Nun hatte auch Kubrick zunächst vor, leibhaftige Außerirdische auftreten zu lassen. Einer seiner wissenschaftlichen Berater allerdings, der Astronom Carl Sagan, riet ihm davon ab. Nicht, weil er Aliens für Mumpitz gehalten hätte, ganz im Gegenteil. Sagan war inbrünstig von der Existenz intelligenter Wesen auf fremden Planeten überzeugt und vertrat diese Überzeugung publikumswirksam und mit geradezu missionarischem Eifer. Er war einer der Väter von SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence), der bis heute andauernden Suche nach Funksignalen fremder Wesen im All.

          Mitten im Kalten Krieg hoffte Sagan dabei auf Botschaften von Zivilisationen, die der Menschheit wissenschaftlich und technisch um Äonen voraus sind und es trotz allen Fortschritts geschafft haben, sich nicht selbst zu vernichten. Doch sosehr sein Alien-Bild geistig-moralisch die Ideale eines linksliberalen Intellektuellen des späten 20. Jahrhunderts spiegelte, so sehr verbat sich Sagan biologisch jeden Anthropomorphismus. „Denn“, so argumentierte er, „so etwas wie uns wird die Evolution nirgendwo im Universum noch einmal hervorbringen.“

          Sehnsucht nach Brüdern im All

          Das war allerdings zunächst ein Argument der SETI-Gegner gewesen. Bereits 1964 hatte der Evolutionsbiologe George Gaylord Simpson in Science einen Essay veröffentlicht, in dem er der Sehnsucht nach Brüdern im All, die sich mit dem anbrechenden Raumfahrtzeitalter ausgebreitet hatte, eine Absage erteilte. Simpson stellte fest, dass es typischerweise keine Biologen waren, die sich für die Frage nach Leben im All interessierten, sondern Astronomen und Physiker. Und diese Kollegen setzten nun einfach voraus, dass die Evolution des Lebens auch auf fernen Planeten so ablaufe wie auf der Erde und damit auch zu so etwas wie uns führe. Davon aber könne keine Rede sein, glaubte Simpson. Die Evolution sei auf der Erde derart von Zufall und Einflüssen der Umgebung bestimmt, dass sich solch ein Determinismus schlicht verbiete. „Selbst wenn die Entstehung des Menschen unter den präzisen Bedingungen der Erdgeschichte, so, wie sie tatsächlich stattgefunden hat, unausweichlich war“, schrieb Simpson, „so ist es gerade dann so gut wie unmöglich, dass es dergleichen auch anderswo gegeben hat.“

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