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Ausgestorben und wiederbelebt : Jurassic Park, Teil fünf

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Bhullar selbst legt Wert auf die Feststellung, dass man lediglich die Evolution des Vogelschnabels verstehen wolle. Deshalb auch die Mahnung: „Nennt sie bitte nicht Dino-Hühnchen.“ Das hielt den Paläontologen Horner trotzdem nicht davon ab, sie als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Chickenosaurus zu feiern: „Wir wissen, dass wir es schaffen können. Es gibt nur einige Hindernisse.“ Was diese angeht, gibt er sich optimistisch: „Quantitativ gesehen, haben wir schon die Hälfte geschafft.“

Eiszeitelefanten verhindern den Klimawandel

Anders als die Erlebnislandschaft aus dem Film „Jurassic Park“ verspricht der Chickenosaurus allerdings kaum Gewinne. Warum geben sich Forscher überhaupt die Mühe, die Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen? Zumindest für die Rückkehr des Wollhaarmammuts nennt der russische Wissenschaftler Sergey Zimov einen gewichtigen Grund: Die Eiszeitriesen könnten die Menschheit vor der Klimakatastrophe bewahren. In Science wies Zimov schon vor mehr als zehn Jahren darauf hin, dass in den Permafrostböden in Russland und Alaska mindestens so viel Kohlenstoff gespeichert ist wie in allen Regenwäldern der Erde zusammengenommen. Sollten die Böden auftauen, könnten gewaltige Mengen an Treibhausgasen frei werden. Zimov Gedankenexperiment sieht nun vor, in einem sibirischen Pleistozän-Park auf einer Fläche von 160 Quadratkilometern erst einmal Wisente, Rentiere und Moschusochsen auszusetzen, um die Bodentemperatur zu senken: Wegen ihres enormen Gewichts könnten die Tiere den gefrorenen Boden aufbrechen und so dafür sorgen, dass der eisige Wind bisher unerreichte Flächen unter der Oberfläche kühlt. Außerdem könnten die Fraßgewohnheiten dieser Megaherbivoren die Flora derart verändern, dass mehr Sonnenlicht reflektiert würde, was dann für weitere Abkühlung sorgen könnte. Und Mammuts könnten hier selbstverständlich einen noch weit größeren Beitrag leisten, meint Zimek. Zudem waren die Tiere ja einmal in Sibirien heimisch.

Auf diese Argumentation stützt sich auch der Molekularbiologe George Church von der Harvard University. Er arbeitet seit 2008 daran, Asiatische Elefanten in Wollhaarmammuts zu verwandeln. Church plant, ihr Erbgut so zu verändern, dass die Tiere dem kalten Klima der Tundra widerstehen können. Die Elefanten sollen eine dickere Fettschicht unter der Haut entwickeln und mehr Talgdrüsen ausbilden. Außerdem sollen sie kleinere Ohren und wollige, lange Haare tragen. Auch das Sauerstofftransportmolekül Hämoglobin würde nach dem Vorbild des Mammut-Moleküls an die niedrigen Temperaturen angepasst. Church und sein Team haben mit Hilfe des neuen Crispr-Cas9-Verfahrens im Labor bereits fünfzehn Veränderungen am Elefantengenom vorgenommen. Aus derart manipulierten Zellen sollen bald Embryonen entstehen. Dann wird sich zeigen, ob die genetischen Eingriffe zu den gewünschten Eigenschaften führen. Ist das der Fall, sollen ein paar Embryonen von Elefantenkühen ausgetragen werden.

Renaissance der Wandertaube

Die Forschung im Labor von George Church wird von der Long Now Fundation gefördert, einer amerikanischen Stiftung, die langfristige Perspektiven verfolgt. Dazu gehört nicht nur die Renaissance des Mammuts. Selbst kleinere Tiere wie der Schwarzfuß-Iltis, das Heidehuhn und die 1914 ausgestorbene Wandertaube stehen auf der Wunschliste.

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