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Sag deine Meinung : Gehen Fortschritt und Ethik noch Hand in Hand?

Bild: Atomium

Täuscht es, oder kollidiert der wissenschaftliche Fortschritt wirklich immer öfter mit unseren Normen und Wertvorstellungen? Sollten wir unsere Werte an die Forschungsparadigmen anpassen? Eine europäische Umfrage.

          1 Min.

          Am Dienstag dieser Woche wird der Deutsche Ethikrat in Berlin seine Stellungnahme zur „Zukunft der genetischen Diagnostik“ veröffentlichen und damit ein weiteres Mal dokumentieren, welche Erschütterungen die Lebenswissenschaften mit ihren tsunamihaft erweiterten Fertigkeiten für die Gesellschaft bereithalten: Viele Gene auf einmal oder gar das gesamte Erbgut zu entziffern, ist keine Sache mehr von hochgerüsteten Speziallaboren, sondern Routine - eine Frage des Konsums. Gentests werden Massenware. Und das mit allen psychologischen und juristischen Konsequenzen, die es mit sich bringt, wenn massenhaft persönliche Daten übers Internet verschickt und hochsensible Informationen transparent werden.

          Fortschritt und Ethik auf einen Nenner? Zur Umfrage

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Persönlichkeitsschutz einerseits und andererseits der Schutz Angehöriger, die mit der Erfassung der Genominformation genauso betroffen sein könnten, stehen zur Disposition. Muss der Staat da handeln? Bedroht der Fortschritt den sozialen Zusammenhalt oder gar das gesamte gesellschaftliche Gefüge? Die Situation ist klar: Allein die Häufigkeit, mit der Räte, Wissenschaftsakademien, politische und parteinahe Gremien sich mit ethischen Fragestellungen im Zuge des wissenschaftlichen Fortschritts inzwischen stellen, verdeutlicht den Beschleunigungscharakter der Entwicklung. Das gilt nicht nur für die Gendiagnostik.

          Es gilt ebenso für invasive Methoden der Biomedizin und der Hirnforschung, für die Sicherheitsforschung mit Viren, für die Nanotechnik, die synthetische Biologie oder die grüne Gentechnik. Wie soll der Zugang zu den entsprechenden Daten und Techniken geregelt werden, wer trägt Verantwortung? In der Umfrage der Medienplattform Atomium Culture in Brüssel, in der bisher Fragen zur Wissenschaftspädagogik und der Frauengleichstellung behandelt wurden, können Sie Ihre Meinung zur Forschungsethik sagen.

          Über die Sonderinitiative für Bürgerbeteiligung*

          Die Bürger haben das Recht - und es wird von ihnen erwartet -, sich an wichtigen Entscheidungen über die Gestaltung ihrer Zukunft zu beteiligen und mitzubestimmen, wie Wissenschaft und Technologie unser zukünftiges Leben verbessern können“

          (Bericht einer Expertengruppe an die Europäische Kommission, The Role of Community Research Policy in the Knowledge-based Economy)

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          Wie bereits im Rahmenprogramm für verantwortbare Forschung und Innovation (RRI) dargestellt, gibt es eine höhere Erfolgschance bei der Bewältigung der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft, wenn sich alle beteiligten Akteure umfassend an der gemeinsamen Suche nach innovativen Lösungen, Produkten und Dienstleistungen beteiligen. Das RRI wird deshalb zur Förderung einer Forschungs- und Innovationspolitik entwickelt, die in erster Linie an den Interessen und Bedürfnissen der Gesellschaft ausgerichet ist und alle Akteure über integrative partizipatorische Modelle einbindet.


          Die Sonderinitiative für Bürgerbeteiligung wird von Atomium Culture gerfördert und will Möglichkeiten erkunden, wie die Medien den Bürger im Rahmen eines Dialogs an der Diskussion wissenschaftlicher Themen beteiligen können. Auf diese Weise soll ein stärker auf Partzipation ausgerichteter Ansatz für eine Wissenschaftspolitik auf europäischer Ebene entwickelt werden.

          Die Ergebnisse dieser Initiative werden der Europäischen Kommission vorgelegt und unterstützen als Beitrag die Vorbereitung der Themen des ersten Aufrufs zur Einreichung von Vorschlägen für Horizont 2020 (besonders für das Einzelziel ‚Gesellschaftliches Engagement‘ des Bereichs Gesellschaftliche Herausforderung ‚Wege zu einer integrativen, innovativen und sicheren Gesellschaft‘ im Vorschlag der Kommission, früher SiS).

          * Dieses Projekt wird von der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Wissenschaft in der Gesellschaft (SiS) finanziert.

          Für die auf dieser Plattform geäußerten Ansichten und Meinungen trägt der Autor die alleinige Verantwortung. Sie entsprechen nicht unbedingt der offiziellen Meinung der Europäischen Union.

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