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Artenschutz im Klimawandel : Die ersten Klima-Opfer sind Schmetterlinge und Blauwale

  • -Aktualisiert am

Blauwal: Mit mehr als 30 Meter Länge und fast 200 Tonnen Gewicht ist das größte Säugetier. Bild: AP

Ein neues Klima-Abkommen, das zur Zeit ausgehandelt wird, nützt nicht nur dem Menschen. Vor allem Wildtiere benötigen ökologische Stabilität. Schaffen wir die Klimawende?

          3 Min.

          Wenn die bedrohten Arten der Welt wählen könnten, wohin die Wanderung im Jahr 2015 geht, würden sie wahrscheinlich an Paris denken. Denn die Regierungen der Welt haben sich verpflichtet, im kommenden Jahr in der französischen Hauptstadt ein neues universales Abkommen über den Klimawandel zu unterzeichnen - eins, das den Planeten und seine Bewohner vor gefährlicher und unkontrollierter globaler Erwärmung bewahren soll.

          Das Abkommen kommt keinen Augenblick zu früh für Monarchfalter, Buckelwal, Eisbär, Meeresschildkröte und unzählige andere Lebewesen, die seit Jahrtausenden entlang alter Zugwege gewandert sind und dabei Hunderte und Tausende von Kilometern zurückgelegt haben.

          Der Klimawandel, der mit der Verbrennung fossiler Energieträger einhergeht, wirkt sich bereits auf viele Tiere und Pflanzen in vielfältiger Weise aus. Ohne den dringend notwendigen Übergang unserer Wirtschaft und Lebensweise zu einer kohlenstoffarmen, grünen Wirtschaft könnte dies den Rückgang und sogar das Aussterben einiger Arten bedeuten. Am 3. März gab es den ersten Welt-Wildtier-Tag der Vereinten Nationen. Den Eisbären in der Arktis indessen macht bereits seit mehreren Jahren die tauende, schmelzende und dünnere Eisdecke zu schaffen, was ihnen die Jagd und Futtersuche zunehmend erschwert.

          Echte Karettschildkröte Bilderstrecke

          Derweil beeinflussen wärmere Strände den Bruterfolg von Meeresschildkröten. Kühlere Strände bringen überwiegend männliche, warme hingegen zumeist weibliche Jungtiere hervor. Wissenschaftler beobachten, dass Meeresschildkrötenpopulationen zunehmend weiblich werden. Dies wirkt sich auf die Fortpflanzung und möglicherweise auf das Überleben einiger Arten aus, die bereits ihre Lebensräume verloren haben und starke Verluste in Fischernetzen erlitten haben. Große Bartenwale wie der Blauwal, das größte Lebewesen der Erde, müssen längere Strecken zwischen ihren Futterplätzen in wärmeren Gewässern und ihren Brutplätzen in kühleren Teilen des Meeres bewältigen. Krill, die Hauptnahrungsquelle von Walen, ist infolge der Erwärmung und Versauerung der Ozeane durch den Klimawandel und die Zunahme von Kohlendioxid in der Meeresumwelt rückläufig.

          Viele Zugvögel, die bei ihren Marathonreisen auf Feuchtgebiete und Seen für Nahrung und Rast angewiesen sind, müssen mit immer knapperen Süßwasserressourcen auskommen. Schuld daran sind die Trockenlegung von Feuchtgebieten zu landwirtschaftlichen Zwecken, die Ansprüche einer wachsenden Bevölkerung sowie anhaltende und extreme Wetterereignisse infolge des Klimawandels.

          Monarchfalter im Schwarm

          Und es trifft nicht nur die Vögel: Die größte Wanderung der Welt - so genannt, weil sie die einzige ist, die vom Weltraum aus sichtbar ist - mit Tausenden von Gnus und anderen Tieren auf Wanderschaft über die afrikanischen Serengeti-Ebenen könnte bald der Vergangenheit angehören. Unsere Generation könnte die letzte sein, die dies erlebt, da der Klimawandel zunehmend schwere Dürren über dem Horn von Afrika verursacht, die in einigen Fällen große Populationen von Gnus und Antilopen ausgelöscht haben, die wiederum Nahrungsquelle für andere gefährdete wandernde Tierarten wie Geparden und Löwen sind. Die Menschheit hat wenig Zeit, um dies zu korrigieren. In Paris darf es nicht nur um ein Abkommen zwischen allen Nationen gehen. Es muss ein gehaltvolles Abkommen im Einklang mit den wissenschaftlichen Fakten sein.

          Die Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre, die sich auf dem höchsten Stand seit 800 000 Jahren befinden, müssen so weit verringert werden, dass wir um die Mitte dieses Jahrhunderts alle in einer kohlenstoffneutralen Welt leben. Nur so kann das Ziel der Nationen, nämlich eine globale Erwärmung in diesem Jahrhundert, auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, erreicht werden.

          Derzeit drängt der Emissionsverlauf den Planeten und seine Menschen auf einen Abweg, in dem die Welt vier Grad Celsius oder noch wärmer ist und somit Mensch und Natur bedroht. Die gute Nachricht ist, dass wir über alle Technologien, Strategien und Wege für eine sicherere, weniger riskante Zukunft verfügen. In Städten, Gemeinden, Unternehmen und Ländern gibt es eine echte Welle der Aktion und eine Dynamik der Veränderung, die Vertrauen aufbauen und Kippschalter in Richtung positiver Veränderung umlegen können.

          Im Dezember nächsten Jahres kann Paris zur Stadt werden, in der mit einem neuen Klima-Abkommen eine neue und wegweisend Reise in eine weit gesündere und sicherere Zukunft beginnt. Eine Zukunft, in der die Menschheit den Weg zu einer kohlenstoffarmen Gesellschaft einschlägt und damit eine positive Perspektive für mehr als sieben Milliarden Menschen schafft. Dabei kann sie auch dazu beitragen, sicherzustellen, dass eines der Naturwunder, die großen Tierwanderungen, auch künftige Generationen begeistern und in Erstaunen versetzen kann.

          Die Autoren:

          Christiana Figueres ist Exekutivsekretärin der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel.

          Bradnee Chambers ist Exekutivsekretär des UNEP-Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten.

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