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Trinkfeste Kelten : Sie feierten wie die alten Griechen

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Manche Scherben von Misch- und Vorratsgefäßen enthielten noch chemische Spuren von importiertem Wein oder Olivenöl. Organische Substanzen, die aus dem Harz von Kieferngewächsen stammen, fanden die Forscher jedoch weitaus häufiger vor – in einheimischer Keramik ebenso wie in importierter und meistens ohne jede Spur von Wein. Bislang war der kulinarische Brauch, Kiefernharz zur Konservierung oder des Aromas wegen zu nutzen, nur aus dem Mittelmeerraum bekannt. Offenbar waren aber auch die Kelten der frühen Eisenzeit auf den Geschmack gekommen. Statt wie heutzutage Hopfen, haben sie wohl Kiefernharz dazu verwendet, ihr Bier haltbarer und schmackhafter zu machen.

Bienenwachs und Bienenhonig

Dass die Kelten von Vix-Mont Lassois die Kunst des Bierbrauens beherrschten, bezeugen nicht nur charakteristische Abnutzungsspuren in großen Gefäßen aus heimischer Produktion. Dafür sprechen auch die chemischen Spuren, die einschlägige Gärungsprozesse in den eigenen Behältnissen hinterlassen haben. Gerste als mutmaßliches Braugetreide war dagegen nur in Form von Körnern und Dreschabfällen nachzuweisen. Vermutlich haben typische Inhaltsstoffe dem Zahn der Zeit nicht trotzen können. Das für Hirse charakteristische Miliacin ist dagegen in der Keramik erhalten geblieben. Allerdings wurde es nur in Scherben von lokal produzierten Tongefäßen entdeckt und fast ausschließlich in einem tiefer liegenden Teil der frühkeltischen Siedlung von Vix-Mont Lassois. Dort wohnten vermutlich Kelten von minder hohem sozialen Rang, Handwerker zum Beispiel. Bei ihnen stand oft Hirse auf dem Speiseplan, als Brei wahrscheinlich ebenso wie als Bier.

Auf der anderen Seite des Plateaus, dicht an der Seine gelegen, wurde offenbar gar kein Bier produziert. Die hier gefundenen Scherben deuten darauf hin, dass angelandete Vorräte für den höher gelegenen Teil der frühkeltischen Siedlung gelagert und verarbeitet wurden. Ausschließlich dort, wo wahrscheinlich die Prominenz ihre Feste feierte, stießen die Forscher vereinzelt auch auf spezielle Triterpene, die von Birken stammen. Vielleicht wurden im Frühjahr Birkenstämme angezapft, um den Saft anschließend in Tonkrügen zu vergären, mutmaßen die Archäologen.

Maxime Rageot bei der Analyse von Nahrungsrückständen, extrahiert aus frühkeltischer Keramik.
Maxime Rageot bei der Analyse von Nahrungsrückständen, extrahiert aus frühkeltischer Keramik. : Bild: Victor S. Brigola

Abbauprodukte von Bienenwachs ließen sich in allen drei Siedlungsteilen aufspüren. Vermutlich waren Erzeugnisse der Honigbiene ein essentieller Bestandteil der frühkeltischen Kultur. Entsprechende chemische Substanzen fanden sich nämlich nur in Keramiken aus einheimischer Produktion. Und zwar ausgesprochen häufig, in der Hälfte der untersuchten Proben. Wie das zu interpretieren ist, bleibt eine offene Frage: Bienenwachs könnte dazu gedient haben, die Töpferware abzudichten. Wahrscheinlich bezeugt es aber auch, dass sich Honig großer Beliebtheit erfreut hat: Beim Leeren der Waben dürfte sich stets ein bisschen Wachs mit dem Bienenhonig vermischt haben. Die auch für Mikroben leicht verdaulichen Zucker konnten anders als das Wachs keine dauerhaften Spuren hinterlassen.

Haben sich die Kelten von Vix-Mont Lassois also gern das Leben versüßt und ihr Selbstgebrautes deshalb mit Honig aufgebessert? Der häufige Fund von Wachsresten deutet jedenfalls darauf hin, dass schon die Menschen der Eisenzeit eine Art von Imkerei betrieben und den Honigbienen passende Wohnhöhlen bereitgestellt haben. Womöglich hatten sie sogar schon begonnen, die ertragreichsten und friedlichsten Bienenvölker bevorzugt zu beherbergen, die wilden Insekten also allmählich zu domestizieren.

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