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Früher Flurschaden : Wie schon der Neandertaler seine Umwelt veränderte

Die Ausgrabungsstätte Neumark-Nord 2 unweit von Halle Bild: Wil Roebroeks, Leiden University

Schon die Neandertaler veränderten die Umwelt vor 120.000 Jahren. Das zeigen Funde im heutigen Sachsen-Anhalt unweit von Halle.

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          Vor 120.000 Jahren herrschte in Mitteleuropa ein angenehmes Klima. Die Eismassen der Saale-Eiszeit, die dreißigtausend Jahre zuvor bis nach Nordhessen vorgedrungen waren, hatten sich schon lange in die Hocharktis zurückgezogen und bis sie im Weichsel-Glazial – der bis heute letzten Eiszeit – wiederkamen, sollte es noch Jahrtausende dauern. In dieser sogenannten Eem-Warmzeit bewohnten Frühmenschen der Art Homo neanderthalensis ein Seeufer im heutigen Sachsen-Anhalt, rund zehn Kilometer südlich von Halle. Und wie Archäologen um Will Roebroeks von der Universität Leiden in den Niederlanden nun in einer in der Zeitschrift „Science Advances“ veröffentlichten Untersuchung schreiben, hinterließen sie dort nicht nur Steinwerkzeuge und Knochen verzehrter Jagdbeute, sondern auch dauerhafte Veränderungen in ihrer Umwelt. Konkret haben sie, auch unter Einsatz von Feuer, die damals relativ dicht bewaldete Gegend in eine baumärmere Landschaft verwandelt

          Ulf von Rauchhaupt
          Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Forscher schließen das aus dem Vergleich archäologischer und paläoökologischer Befunde der Fundstätte „Neumark-Nord“ mit anderen Stellen im Gebiet östlich des Harz, in dem damals die gleichen klimatischen Bedingungen herrschten. Damit ist unwahrscheinlich, dass Umweltindikatoren wie abweichende Muster in der Konzentration von Pflanzenpollen, auf Klimaänderungen zurückzuführen sind. Für die in einem Braunkohle-Tagebaugebiet gelegene Stätte Neumark-Nord gibt es Hinweise auf eine über zwei Jahrtausende anhaltende Präsenz von Neandertalern.

          Diese Feuersteine haben Neandertaler benutzt
          Diese Feuersteine haben Neandertaler benutzt : Bild: Eduard Pop, Leiden University/Naturalis Biodiversity Centre, Leiden

          Das ist nicht das erste Beispiel für heute noch nachweisbare Umweltveränderungen durch Angehörige der Gattung Homo. Schon in den frühen 2000er Jahren erregte die Hypothese des amerikanischen Paläoökologen William Ruddiman Aufsehen, bereits die beginnende Landwirtschaft der Jungsteinzeit habe klimawirksam die Treibhausgaskonzentrationen in der Erdatmosphäre verändert. Auch das Aussterben großer Säugetierarten in Nordamerika und Australien wurden schon mit der Ankunft des Menschen dort in Verbindung gebracht. Und kürzlich haben Untersuchungen an den Ufern des Malawi-Sees im südöstlichen Afrika gezeigt, dass Menschen dort bereits vor 85.000 Jahren mittels Feuer Waldgebiete in eine Landschaft mit offenerer Vegetation verwandelten.

          Die aktuelle Arbeit von Roebroeks und seiner Mitarbeiter betrifft aber die bisher älteste nachgewiesene  Umweltveränderung, die Hominiden zugeschrieben werden kann und die erste, bei denen die Verursacher keine anatomisch modernen Menschen waren sondern Neandertaler. Das kann man dann auch als Argument dafür deuten, dass sich H. neanderthalensis in seinem Verhalten von seinem Vetter, dem Homo sapiens, zumindest in dieser Hinsicht nicht besonders unterschied.

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