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Klassische Archäologie : Neros Rom

Dicker Hals und Backenbart: Neros Gesicht gehört zu den bekanntesten der Römerzeit. Bild: Rheinisches Landesmuseum Trier

Der berüchtigte Kaiser hatte auch einen Baufimmel und soll dafür selbst seine Hauptstadt in Brand gesteckt haben. Was wissen wir wirklich darüber?

          8 Min.

          Quid Nerone peius - was ist schlimmer als Nero?“ So fragt der Dichter Martial kaum mehr als ein Jahrzehnt nach dem Tod des Kaisers, um gleich weiterzufragen: „Quid thermis melius Neronianis - was ist schöner als Neros Thermen?“ Die Zeile zeigt zweierlei. Erstens war der miserable Ruf dieses Herrschers bereits bei seinen Zeitgenossen verbreitet und keinesfalls eine Erfindung späterer christlicher Autoren oder Hollywoods. Und zweitens: Das Bild vom Monster auf dem Kaiserthron ist nur die halbe Wahrheit.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Über den politischen Herrscher Nero hat die moderne Altertumsforschung heute ein differenziertes Bild. Inzwischen ist aber außerdem mehr bekannt über seine Rolle als Bauherr und prägender Faktor der Stadtentwicklung im weltweit größten urbanen Ballungsgebiet vor dem Anbruch der industriellen Revolution. Über beide Aspekte kann man sich vom Samstag den 14. Mai 2016 an in Trier in einer auf drei Museen verteilten Ausstellung informieren. Präsentiert werden dort auch die aktuellen archäologischen Erkenntnisse über den großen Brand, der in der Nacht zum 19. Juli des Jahres 64 n. Chr. ausbrach. Das Feuer verwüstete zehn der vierzehn Stadtbezirke Roms, zerstörte drei davon völlig und veränderte schon allein dadurch das Stadtbild entscheidend.

          Das Feuer wütete vor allem in den dicht bebauten Senken. Die Stadt war anno 64 schon lange über die damals mehr als 400 Jahre alte Servianische Mauer hinausgewachsen.
          Das Feuer wütete vor allem in den dicht bebauten Senken. Die Stadt war anno 64 schon lange über die damals mehr als 400 Jahre alte Servianische Mauer hinausgewachsen. : Bild: F.A.Z.

          Das Inferno wütete in Neros zehntem Regierungsjahr. Im Oktober 54 hatte er als 16-Jähriger die Nachfolge des Kaisers Claudius angetreten, wozu ihm seine Mutter Agrippina die Jüngere verholfen hatte. Die gebürtige Kölnerin hatte dazu fünf Jahre zuvor ihren Onkel Claudius geehelicht, für die Adoption ihres Sohnes durch den Herrscher gesorgt, wenig später dessen leiblichen Sohn Britannicus ausmanövriert und schließlich nach der einhelligen Meinung dreier antiker, keineswegs unvoreingenommener Geschichtsschreiber ihren kaiserlichen Gatten vergiftet. Nun war die Bahn frei für Nero, der nach der Familie seines verstorbenen leiblichen Vaters ursprünglich Lucius Domitius Ahenobarbus („Kupferbart“) hieß und von dem Sueton berichtet, er sei tatsächlich „subflavo capillo“, also hellblond, gewesen.

          Bereits in den zehn Jahren vor dem großen Brand hatte der Kaiser mindestens so viel dazu beigetragen, Rom von einer Stadt aus Ziegeln in eine aus Marmor zu verwandeln, wie Augustus, der sich mit einem solchen Spruch einst seiner Bautätigkeit gerühmt hatte. Das Problem für die Forschung ist nur, dass fast die gesamte neronische Architektur Roms in späteren Jahrhunderten abgerissen, überbaut und umgestaltet wurde.

          Trier : Große Ausstellung über römischen Kaiser Nero

          Thermen, Tempel, Shopping Center

          Etwa die vom Dichter Martial gerühmten Thermen auf dem Marsfeld. Sie wurden 62 n. Chr. eröffnet und im dritten Jahrhundert von Kaiser Severus Alexander renoviert. Falls dabei der Grundriss nicht wesentlich verändert wurde, dann - so zeigte in den 1980er Jahren die Auswertung der spärlichen Reste unter dem Palazzo Madama östlich der Piazza Navona - waren es Nero und seine Architekten, die den für die römische Zivilisation so wichtigen öffentlichen Badeanstalten ein völlig neues Gepräge gaben. Zwar waren die Römer schon längst Besseres gewohnt als die einfachen Wannen der hellenistischen Griechen. Doch „das Neue an den Thermen Neros war die Abfolge hoher, lichtdurchfluteter Säle, an die Becken angeschlossen waren. Hinzu kamen diverse Höfe“, schreibt Henner von Hesberg, der frühere Direktor der römischen Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, in seinem Beitrag zum Trierer Ausstellungsband. Die Idee der Kaiserthermen war geboren, welche Neros Nachfolger, vor allem Trajan, Caracalla oder Diocletian, in immer gigantischeren Anlagen umsetzten.

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