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Tiere des Eiszeitalters : Spuren einer fremden Welt

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So stellte sich der tschechische Zeichner Zdeněk Burian die Europäischen Waldelefanten vor. Bild: Interfoto

In Andalusien haben Europäische Waldelefanten im Eiszeitalter ihre Fußabdrücke hinterlassen. Zusammen mit Skeletten geben die Spuren Hinweise auf das Sozialverhalten dieser ausgestorbenen Tiere.

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          Der Europäische Waldelefant zählt zur imposantesten Fauna des Eiszeitalters – auch hierzulande. Anders als der Afrikanische Waldelefant (Loxodonta cyclotis), der in tropischen Regenwäldern zu Hause ist, bevölkerte der Europäische Waldelefant (Palaeoloxodon antiquus) einst Laubwälder der mediterranen und gemäßigten Klimazone. Während der Kaltzeiten, als ein Großteil Europas von Eis bedeckt war und das Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) durch die angrenzenden Steppengebiete streifte, fand der Europäische Waldelefant nördlich der Alpen zwar kein passendes Ambiente. Angenehmer temperierte Regionen im Mittelmeergebiet boten ihm jedoch Refugien. In den Warmzeiten des Eiszeitalters drang er nach Norden vor, bis nach Südengland, in die Niederlande und ins mittlere Niedersachsen.

          Wie zahlreiche Skelettfunde belegen, kam der Europäische Waldelefant mit seinen bis zu drei Meter langen Stoßzähnen noch stattlicher daher als der Afrikanische Steppenelefant: Weibliche Exemplare wurden etwa fünf Tonnen schwer und erreichten bis zu drei Meter Schulterhöhe, männliche mitunter sogar mehr als vier Meter. Dabei wogen sie schätzungsweise bis zu 13 Tonnen. Über das Sozialverhalten der riesigen Rüsseltiere geben die fossilen Knochen allerdings wenig Auskunft. Dass sich Europäische Waldelefanten wohl ähnlich organisiert haben wie heutige Elefanten, hat eine internationale Forschergruppe kürzlich anhand fossiler Fußspuren in Spanien herausgefunden.

          Paläontologen um Carlos Neto de Carvalho von der Universität Lissabon, Zain Belaústegui von der Universität Barcelona und Francisco Giles-Guzmán vom Gibraltar National Museum studierten die vielsagenden Fußabdrücke am Strand des Ferienorts Matalascañas in der andalusischen Provinz Huelva. Dass die Spuren, die Elefanten vor gut hunderttausend Jahren in feuchtem Boden hinterlassen haben, überhaupt entdeckt wurden, ist einer Sturmflut im Frühjahr 2020 zu verdanken: Stürmischen Wellen hatten den Sand, der die fossilen Fährten meterhoch bedeckte und vor Verwitterung schützte, großflächig fortgespült.

          Vielsagende Fußspuren in einst lehmig-sandigem Boden

          Ehe die freigelegten Fußstapfen von Europäischen Waldelefanten wieder unter Sand verschwanden, wurden sie exakt vermessen und fotografiert. Zum Glück war ein lehmig-sandiger Boden einst gerade feucht genug gewesen, um unter den Tritten der gewichtigen Tiere nicht zu reißen, sondern einen präzisen Abdruck der Fußsohlen zu liefern. Mitunter sind sogar Narben zu erkennen oder die Abdrücke von Zehennägeln. Messungen an heute lebenden Elefanten bestätigen einen linearen Zusammenhang zwischen der Länge der Fußstapfen und der Schulterhöhe. Anhand von vielen mehr oder minder vollständigen Skeletten lässt sich auch das Lebensalter abschätzen.

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