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Archäologische Metalle : Ein Lied von Gold und Erz

Eisernes aus der Bronzezeit: Dolch aus dem Grab des Tutanchamun Bild: Picture Aliance

Verhüttung und Verarbeitung von Metallen wurde in der Steinzeit erfunden, und Eisen kannte man bereits in der Bronzezeit

          4 Min.

          Wenn Archäologen oder Sondengänger auf Metallobjekte stoßen, die vor dem 19. Jahrhundert in den Boden gekommen sind, ist die Materialvielfalt begrenzt. Im Altertum waren nur acht verschiedene Elemente in ihrer metallischen Form bekannt: Gold, Silber, Blei, Kupfer, Zinn und Eisen sowie Quecksilber und – im alten Amerika – Platin.

          Ulf von Rauchhaupt
          Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Häufigkeit bestimmter Werkstoffe hat ganzen Zeitaltern ihre Namen gegeben. Eisernes etwa stammt zumeist aus der Eisenzeit, die in Mitteleuropa um 800 v. Chr. begann. Findet sich hingegen Bronze, hat man es oft mit einem Stück aus der Bronzezeit zu tun. Entsprechend gab es davor eine Steinzeit und dazwischen eine Kupferzeit. In die fällt zum Beispiel Ötzi, der um 3200 v. Chr. verstarb und in den Alpen als Gletschermumie überdauerte, nebst einer kupfernen Axt, die man bei ihm fand.

          Am Anfang war das Blei

          Tatsächlich aber begann das Interesse an Metallen tief in der Jungsteinzeit. Zu den frühesten archäologischen Goldfunden zählen etwa Schmuckstücke, die aus 6000 Jahre alten Gräbern der Varna-Kultur an der bulgarischen Schwarzmeerküste stammen. Diese Objekte wurden noch aus Nuggets oder Flitter zusammengehämmert. Aber schon wenig später sind in Susa im Südwesten des heutigen Iran auch gegossene Goldobjekte nachweisbar. Wie Gold kommt auch Silber in der Natur als Metall vor, glänzt dort allerdings nicht so schön. Deshalb sind die frühesten Silberartefakte – sie wurden um 3500 v. Chr. herum in Iran, Ostanatolien und Nordsyrien gefertigt – Produkte eines Kupellation genannten Verfahrens, bei dem aus silberhaltigen Bleierzen zunächst eine Legierung aus Silber und Blei entsteht, bevor Letzteres dann oxidiert wird.

          Blei ist ebenfalls ein historisch wichtiger Werkstoff. „In der Kulturgeschichte ist das Blei vielleicht sogar das erste verhüttete Metall“, sagt Ernst Pernicka, Direktor des Curt-Engelhorn-Zentrums für Archäometrie in Mannheim. So gebe es ein Bleiarmband vom Yarim Tepe im Irak, das auf circa 6000 v. Chr. datiert. Die Umwandlung bröckeliger Bleierze bei zufälligem Erhitzen zu einem duktilen Material könnte den Weg zu einer gezielten Verhüttung von Kupfererzen gewiesen haben, vermutet der Fachmann für archäologische Metalle. Dem Blei mit seinem niedrigen Schmelzpunkt von nur 327 Grad Celsius könnte auch die Idee zu verdanken sein, geschmolzenes Metall in Formen zu gießen. So heiß wird jedes Lagerfeuer.

          Erze in der Modefarbe der Jungsteinzeit

          Kupfer hingegen schmilzt erst bei 1082 Grad, um es aus seinen Erzen zu lösen, muss außerdem Sauerstoffmangel herrschen. Diese Bedingungen werden in Brennöfen für Töpferwaren durchaus erreicht, aber schon in der frühen vorkeramischen Jungsteinzeit waren Kupfererze aufgefallen: Im Osten der Türkei wurden Brocken von Kupfermineralen gefunden, die um 9500 vor Christus jemand gesammelt haben muss, vermutlich ihrer grünen Farbe wegen. In der Palette der altsteinzeitlichen Jäger- und Sammlerkulturen hatte Grün noch keine Rolle gespielt, in ihren Höhlenmalereien herrschten Rottöne vor. Die frühen Ackerbauer jedoch fertigten Schmuckperlen aus grünen Kupfermineralen an, und schon im frühen achten Jahrtausend vor Christus wurde, ebenfalls in Ostanatolien, Naturkupfer zurechtgehämmert, bis irgendwann jemand herausfand, wie man aus jenen grünen Steinen mittels großer Hitze das rötlich glänzende Metall gewinnen konnte.

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