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Das achte Weltwunder : Die glänzenden Klingen der Terrakotta-Krieger

Seit 2200 Jahren aufgereiht in Reih und Glied: Die Terrakotta-Armee in Xi’an. Jeder Ton-Soldat war mit einer Waffe ausgestattet. Bild: Xia Juxian

Warum sind die Speere, Schwerter und Pfeile der tönernden Soldaten der Terrakotta-Armee so gut erhalten geblieben? Wurden die Waffen von einer Schutzschicht vor dem Verfall bewahrt? Britische und chinesische Forscher vertreten nun eine andere These.

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          Auch 45 Jahre nach ihrer Entdeckung gibt die Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi (259 bis 210 vor Christus) noch immer Rätsel auf. So ist bis heute noch nicht vollständig geklärt, wie die vielen tausend Terrakotta-Soldaten, von denen keiner dem anderen gleicht, genau hergestellt wurden. Bisher hat man jedenfalls keine Öfen gefunden, in denen die Figuren gebrannt wurden.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Und eine weitere Besonderheit erstaunt die Archäologen. So sind die Bronzewaffen der tönernden Krieger erstaunlich gut erhalten. Obwohl fast 2200 Jahre tief in der Erde vergraben, sind die Klingen der Schwerter, Lanzen und Pfeilspitzen nach wie vor scharf und glänzend. Von Korrosion kaum eine Spur. Zunächst schrieb man die gute Beschaffenheit einer chromhaltigen Schutzschicht zu, deren Reste man auf einigen Klingen gefunden hatte. Es wurde vermutet, dass die Handwerker in der damaligen Zeit bereits über erstaunliche metallurgische Fertigkeiten verfügten.

          Woher stammt das Chrom?

          Doch nun kommt eine britisch-chinesische Forschergruppe zu einem ganz anderen Befund: Danach stammt das Chrom an den Waffen vor allem von dem Lack, mit dem die Handwerker die Figuren, vor allem aber die Holzbestandteile überzogen hatten, bevor sie diese bunt bemalten. Die  Metallspuren seien also nicht die Reste einer Beschichtung, sondern die Folge einer Art von Kontamination, schreiben Marcos Martinón-Torres vom Department of Archaeology der University of Cambridge und seine Kollegen in den „Scientific Reports“.

          Bronzeschwert eines Terrakotta-Sodaten.
          Bronzeschwert eines Terrakotta-Sodaten. : Bild: Zhao Zhen

          Die Forscher haben 464 Waffen untersucht, aber nur an 37 Klingen Chrom nachweisen können. Zu wenig, um die These einer Schutzschicht aufrecht halten zu können. Die größten Chrommengen hätte man dort gefunden, wo die Scheiden länger in direktem Kontakt mit lackiertem Holz gewesen seien. Chemische Analysen hätten zudem ergeben, dass das Chrom auf den Bronzeklingen chemisch identisch sei mit dem Metall, das man im Lack findet. Chrom habe man auch in den Pigmenten der darüber liegenden Farbschichten  gefunden, insofern diese noch vorhanden sind.

          Damit ist noch immer die Frage nicht beantwortet, warum die Bronzewaffen so gut erhalten sind. Die Forscher um Martinón-Torres schreiben die Qualität der Klingen dem hohen Zinngehalt der verwendeten Bronze zu und der Beschaffenheit des Erdreichs, in dem die zehntausend Terrakotta-Soldaten bis zu ihrer Freilegung unweit der chinesischen Stadt Xi‘an konserviert waren. Nun will man mit weiteren Analysen der Ursache auf den Grund gehen.

          Der geheime Sensationsfund

          Der erste Kaiser von China wurde 259 vor Christus während der letzten Phase der „sieben streitenden Reiche“ unter dem Namen Yin Zheng geboren. Schon mit jungen Jahren zum König des Qin-Staates gekrönt, unterwarf er 221 vor Christus die anderen miteinander rivalisierenden Königreiche und schuf ein vereintes chinesisches Reich. Er veranlasste unter anderem den Bau der Chinesischen Mauer und führte ein einheitliches Schriftsystem ein. Qin Shihuangdi starb im Alter von fünfzig Jahren während einer Inspektionsreise in der Provinz Hebel. Hinterlassen hat er ein imposantes Grabmal, mit dessen Bau 246 vor Christus begonnen wurde und das die ganze Welt abbilden sollte.

          Die ersten Fragmente eines Terrakotta-Kriegers kamen 1974 zufällig ans Tageslicht, als Bauern im Dorf Xiyang in der Provinz Shaanxi einen Brunnen gruben. Als man auf immer mehr Überreste stieß, war rasch klar, dass es sich um eine der bedeutendsten archäologischen Fundstätten des zwanzigsten Jahrhunderts handelte. Weil man fürchtete, die Fundstücke könnten der von Mao Zedong angezettelten Kulturrevolution zum Opfer fallen, verheimlichte man zunächst den Fundort und verbot jegliche Ausgrabungen.

          Inzwischen erstreckt sich das Ausgrabungsfeld über eine Fläche von mehreren Quadratkilometern. Laut Schätzungen umfasst die gesamte Terrakotta-Armee 8000 Soldaten, 130 Streitwagen mit 520 Pferden und 150 Kavalleriepferde. Davon ist nur ein kleiner Teil vollständig ausgegraben und restauriert worden. Die tönernen Krieger waren vermutlich mit mehr als zehntausend Bronzewaffen ausgestattet.

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