https://www.faz.net/-gwz-9mo4a

Bedrohte Tierarten : Warum starben Australiens große Raubtiere aus?

  • -Aktualisiert am

Während Beutellöwe und Beutelwolf ausgestorben sind, hat der „Tasmanische Teufel“ überlebt. Eine bösartige Krebserkrankung macht ihm seit längerem zu schaffen. Bild: dapd

Beutellöwe, Beutelwolf und Beutelteufel bevölkerten einst große Teile Australiens. Ihr Schicksal zeigt, wie die Fleischfresser einst auf dem Kontinent Fuß fassten und untergingen. Eine Spurensuche.

          Die Familie der Beutellöwen zählte einst zu Australiens Säugetierfauna. Wie ihr Gebiss verrät, waren ihre Urahnen wohl Vegetarier, die aus unbekannten Gründen Geschmack an Fleisch gefunden hatten. Fast so groß wie ein Löwe, präsentierte sich der Beutellöwe des Pleistozäns – mit wissenschaftlichem Namen Thylacoleo carnifex – als letzter und stattlichster Vertreter dieser karnivoren Beuteltiere.

          Als vor etwa 60.000 Jahren erstmals Menschen nach Australien kamen, streifte er dort noch zahlreich umher. Doch schon bevor das Eiszeitalter zu Ende ging, ist er vor etwa 40.000 Jahren ausgestorben. Damals gab es keine heftigen Klimaschwankungen, die als Ursache in Frage kämen.

          Wie viele Kollegen halten deshalb auch Wissenschaftler um Christopher Sandom von der Universität Aarhus für plausibel, dass ambitionierte Jäger ihre Hände im Spiel hatten. Welche Rolle dabei indirekte Effekte wie die Dezimierung von Beutetieren und gezielt gelegte Brände spielten, bleibt eine offene Frage.

          War der Beutellöwe ein Kletterer?

          Vor 160 Jahren, bald nachdem die ersten europäischen Siedler Australien bevölkert hatten, erregten fossile Schädelknochen des Beutellöwen die Aufmerksamkeit von Naturforschern. Mittlerweile sind immer wieder neue Funde ans Tageslicht gekommen, nun auch Skelettteile, die an ihren Gelenkflächen noch miteinander in Kontakt stehen, sowie ein vollständig erhaltenes Skelett.

          Vollständiges Skelett eines Beutellöwen, das in einer Höhle in der Nullarbor-Ebene im Südwesten Australiens gefunden wurde.

          Sie erlaubten Roderick T. Wells und Aaron B. Camens von der Flinders University in Adelaide, das Bewegungs- und Verhaltensrepertoire des Beutellöwen erstmals eingehend zu studieren.

          Wie die Paläontologen in der Online-Zeitschrift „Plos One“ berichten, sprechen viele anatomische Details dafür, dass Beutellöwen recht passabel klettern konnten. Kratzspuren in Höhlen bezeugen, dass sie mit Hilfe ihrer Vorderpfoten auch sehr steile Passagen meisterten. Schätzungsweise bis zu 130 Kilogramm schwer, war der Beutellöwe zwar sicher kein Baumbewohner. Dennoch könnte er hochgelegene Ruheplätze bevorzugt haben.

          Vielleicht hat er Astgabeln auch als Vorratskammer genutzt, ähnlich wie heutzutage der Leopard in Afrikas Savannen. Der erst im zwanzigsten Jahrhundert ausgerottete Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) war womöglich ein Nahrungskonkurrent, vor dem der Beutellöwe seine Jagdbeute in Sicherheit bringen musste.

          Perfekt ausgestattet zum Jagen

          Wirbelsäule und Gliedmaßen zeigen, dass Beutellöwen keine flinken und ausdauernden Läufer waren, die ihre Beute zu Tode hetzten. Vermutlich haben sie ihren Opfern geduldig aufgelauert oder sich nach Katzenart angeschlichen. Die Rolle der Eckzähne, die wie bei den vegetarischen Vorfahren verkümmert blieben, übernahmen zwei robuste Schneidezähne im Unterkiefer.

          Mit ihnen ließen sich womöglich auch Pflanzenfresser der Gattung Diprotodon überwältigen, die fast so groß wie Nilpferde wurden: Wenn Beutellöwen mit den spitz zulaufenden Zähnen zwischen den Halswirbeln zum Rückenmark vordrangen oder starke Sehnen durchtrennten, machten sie die zappelnde Beute wehrlos. Überdimensionale Krallen am Daumen konnten die Haut des Opfers aufschlitzen oder sich tief darin festkrallen.

          Ob der Beutellöwe seine Mahlzeit meist selbst erlegte oder sich lieber an bereits toten Tieren gütlich tat, lässt sich nicht mehr klären. Mit den vier Prämolaren, die auf Kosten der übrigen Backenzähne in die Länge gewachsen waren und messerscharfe Kanten entwickelt hatten, konnte er auf jeden Fall mundgerechte Happen aus dem Fleisch herausschneiden. Vorderpfoten mit beweglichen Fingern waren dann nützlich, um die Beute fest im Griff zu behalten.

          Ein teuflischer Nachfahre

          Das lässt sich bei einem karnivoren Beuteltier beobachten, das auch heute noch Tasmaniens Wälder durchstreift, dem Beutelteufel (Sarcophilus harrisii). Seinen Namen verdankt er dem schrecklichen Knurren und schauerlich schrillen Kreischen, das er vor allem nachts ertönen lässt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wie weiter mit dem Brexit? : Das britische System liegt in Trümmern

          Womöglich kann das britische Parlament einen „No Deal“ nach der Europawahl nicht mehr verhindern. Dann müsste die EU sich auch an die eigene Nase fassen – sie hat zur Polarisierung der Politik im Vereinigten Königreich beigetragen.

          Deutschland beim ESC : S!sters am Ende

          Der deutsche Beitrag beim ESC landet mal wieder auf einem der letzten Plätze. Was haben die S!sters falsch gemacht? Und warum suchen sie die Fehler bei anderen?

          Meister Bayern München : Der stille Abgang des Jérôme Boateng

          Die Bayern feiern – nur einer will nicht mitmachen. Jérôme Boateng ist nur eine Randfigur. Er verlässt das Stadion wortlos als erster Münchner. Bei der abendlichen Feier steht Boateng gar nicht mit der Mannschaft auf dem Balkon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.