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Azteken : Im Reich der fünften Sonne

Der Adler war ein Symbol für die Sonne und dem Huitzilopochtli heilig, dem neben Tlaloc wichtigsten Gott der Azteken. Bild: Royal Museum of Arts and History, Brüssel

In einem brackigen See im heutigen Mexiko lag vor 500 Jahren eine der damals größten und schönsten Städte der Welt: die Kapitale des Imperiums der Azteken. Neue Ausgrabungen fördern immer mehr Details über ihre rätselhafte Kultur zutage, der nun in Stuttgart eine große Ausstellung gewidmet ist.

          7 Min.

          Xochimilco bedeutet „Blumenfeld.“ So heißt ausgerechnet ein Stadtteil von Mexiko City, einer Megalopole mit 22 Millionen Einwohnern. Von ihrem Zentrum, wo Archäologen seit 1978 die Stümpfe des zentralen Heiligtums der alten aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan ausgraben, fährt man bis nach Xochimilco eine geschlagene Stunde durch die endlose Stadt. Dann aber macht der Ort auf einmal seinem Namen alle Ehre: Gartencenter säumen die Straße und schließlich gelangt man an ein Gewässer, auf dem bunt bemalte Kähne Ausflügler durch eine unerwartete Landschaft staken: Von Bäumen gesäumte Kanäle durchziehen Felder mit Mais, Bohnen und Kürbis. Kakteen der Gattung Opuntia bilden ausladende Hecken, Reiher posieren auf den mit Flechtwerk befestigten Uferkanten. Dahinter liegt zuweilen eine Kuh im Gras.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kühe gab es bei den Azteken noch keine. Sonst aber sieht es hier aus wie vor 500 Jahren, als Xochimilco ein Stadtstaat unter der Oberhoheit Tenochtitlans war, wie dieses auf einer Insel im flachen Texcoco-See gelegen. Der See ist längst verschwunden und sein Areal von der Hauptstadt überwuchert. Doch in Xochimilco hat sich ein Rest nicht nur des Sees erhalten, sondern auch der damaligen Kulturlandschaft aus künstlich aufgeworfenen Feldern, sogenannten Chinampas. Zu aztekischen Zeiten waren die Ufer der Insel Tenochtitlans und seiner Schwesterstadt Tlatelolco überall gesäumt von Chinampas. Kanus brachten die Feldfrüchte von dort und den anderen Städten am See zum großen Markt von Tatlelolco, dessen schiere Größe und Vielfalt des Angebots auch die spanischen Eroberer bestaunten.

          Einer von zwei gut erhaltenen aztekischen Federschilden. Beide werden in Stuttgart aufbewahrt und gaben den Anlass für die aktuelle Ausstellung dort.

          „Das war eine aquatische Stadt“, sagt Inés de Castro, Direktorin des Stuttgarter Linden-Museums, wo vorgestern eine große Ausstellung über die Azteken eröffnet wurde. Anhand von Objekten, unter denen auch bedeutende Funde aus Mexiko sind, möchten de Castro und die Kuratorin Doris Kurella, die das Ausstellungskonzept maßgeblich entwickelt hat, die aztekische Zivilisation insgesamt darstellen – jenseits der beiden Themen, für welche das präkolumbische Imperium einer breiteren Öffentlichkeit vor allem bekannt ist: Seinem Brauch, Menschen zu opfern (siehe „Herzen für die Welt“), und seinem jähen Ende infolge der Ankunft spanischer Abenteurer unter Hernán Cortés.

          Dessen Landung im aztekischen Herrschaftgebiet jährt sich 2019 zum 500. Mal. „Dennoch ist das keine Cortés-Ausstellung“, betont Kurella. Die Spanier sind hier vor allem als Quelle wichtig, insofern Geschichte und Mythologie der Azteken zumeist erst in Aufzeichnungen der Kolonialzeit überliefert sind. Von den Büchern der Azteken – die noch nicht in einer echten, Sprache fixierenden Schrift abgefasst waren, sondern in einem komplexen Bilder-Code – haben kaum welche die Conquista überstanden.

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