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Archäologie : Der Reiseproviant der Globalisierer

  • -Aktualisiert am

Ausgrabungen an der archäologischen Stätte Tashbulak in Usbekistan. Hier führte die alte Seidenstraße entlang. Bild: Robert Spengler

Auch die Globalisierung hat irgendwann mal angefangen. Auf der Seidenstraße und entlang der Wikingerrouten hat man viele Belege entdeckt. Ein Blick in die Obstkörbe der Handelsreisenden.

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          Die „Neue Seidenstraße“, mit diesem Schlagwort propagiert China derzeit seine ökonomische Expansion über Zentralasien nach Westen. Vielleicht ein geschickter Schachzug, denn dieser Begriff weckt verheißungsvolle Assoziationen und weckt Erinnerungen. Schließlich hatte das Seidenstraße genannte Wegenetz, das sich von China bis nach Europa erstreckte, einst vielerorts Reichtum gebracht. Städte und Regionen entlang der Route profitierten nicht nur davon, dass viele Waren unterwegs mehrfach ihren Besitzer wechselten. Die Karawanen mussten auch versorgt werden. Mit ihren Lasttieren transportierten die Händler Luxusgüter wie Seidenstoffe und Keramik aus China oder Gold und Glas aus dem Mittelmeerraum. Sie hatten oft aber auch große Mengen Lebensmittel in ihrem Gepäck, teils als Handelsware, teils als Reiseproviant. Kein Wunder also, dass sich über die Seidenstraße diverse Nutzpflanzen ausbreiten konnten, von Osten nach Westen ebenso wie in umgekehrter Richtung.

          Wie reichhaltig im mittelalterlichen Zentralasien die Obstkörbe gefüllt waren, zeigt die archäologische Grabungsstätte Tashbulak im Nordosten von Usbekistan. Am Rand des Pamir-Gebirges, rund 2200 Meter über dem Meeresspiegel, existierte dort im Mittelalter eine Stadt mit Zitadelle, erbaut von Nomaden. Welche Rolle sie im sozioökonomischen Kontext der Viehzüchter spielte, ist zwar noch immer ungeklärt. Ein internationales Projekt (Archaeological Research of the Qarakhanids) hat aber bereits eine Fülle von Funden zutage gefördert. Unter anderem aus einer Mülldeponie, die ungefähr von 800 bis 1100 n. Chr. benutzt wurde, kamen Objekte aus Metall, Glas- und Tonscherben zum Vorschein. Aber auch mehr als sechstausend identifizierbare Pflanzenteile, vermutlich oft Abfall von einem Marktplatz.

          Robert Spengler hat dieses archäobotanische Ensemble ans Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena geholt, um es dort zu katalogisieren und dauerhaft aufzubewahren. Gemeinsam mit Wissenschaftlern um Farhod Maksudov vom Institut für Archäologie in Taschkent, Elissa Bullion von der Washington University in St. Louis, Missouri und Taylor Hermes von der Universität in Kiel hat er verkohlte Überreste von Früchten und Nüssen bereits genauer unter die Lupe genommen. Der lokale Markt, so stellte sich heraus, bot damals etliches, was vor Ort nicht gedeihen konnte. Diese Ware muss im milden Klima tieferer Lagen gereift sein, etwa rund um Oasenstädte wie Buchara und Samarkand. Direkt an der Seidenstraße hatten die Obstbauern stets Abnehmer für die Früchte ihrer Arbeit.

          Goldene Köstlichkeiten aus Samarkand

          Mehrere Traubenkerne und eine ganze verkohlte Weinbeere zeugen zum Beispiel von Weinbau, wofür das Klima in der Gegend von Tashbulak sicher zu rauh war. Ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet oder im westlichen Asien gezüchtet, wurden Weintrauben auch in Zentralasien nicht bloß als frisches Obst geschätzt oder in getrockneter Form als Rosinen. Wie historische Quellen bezeugen, war Wein in der Region von Westchina ein beliebtes Getränk. Vor allem seit im siebten Jahrhundert auch Einwanderer über die Seidenstraße kamen, die neue Sorten mitbrachten. Muslim zu werden war später offenbar noch lange kein Grund, die Trinkgewohnheiten zu ändern.

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