https://www.faz.net/-gwz-9qkqr

Australopithecus anamensis : Urmenschen mit neuem Gesicht

Der 3,8 Millionen Jahre alte Schädel eines Australopithecus anamensis ist ungewöhnlich gut erhalten. Bild: Dale Omori, Cleveland Museum of Natural History

In Äthiopien wurde der komplette Schädel eines Vormenschen entdeckt. Er ist 3,8 Millionen Jahre alt und gehörte einer Australopithecus-Art. Doch wie passt der Fund in die Entwicklungsgeschichte der Hominiden?

          1 Min.

          Australopithecus anamensis bedeutet so viel wie „Südaffe vom See“. Es ist der wissenschaftliche Name der frühesten Vormenschenart, die als Teil des Stammbaums der heutigen Menschheit allgemein anerkannt ist. Ihre Vertreter lebten vor rund vier Millionen Jahren in Ostafrika und liefen bereits auf zwei Beinen. Allerdings beschränkten sich die Fossilien, die man bisher von A. anamensis gefunden hatte, auf Knochenbruchstücke und diverse Zähne. Daher stand die Spezies immer im Schatten jüngerer Vertreter der Gattung Australopithecus, insbesondere der Art afarensis, von der ein weitgehend vollständiges Skelett gefunden wurde, das der berühmten „Lucy“.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Durch den heute in der Zeitschrift „Nature“ publizierten Fund eines fast vollständigen Schädels hat Australopithecus anamensis nun ein Gesicht bekommen. Der prominente äthiopische Paläoanthropologe Yohannes Haile-Selassie und sein Forschungsteam hatten den  fossilen Schädel im Jahre 2016 bei Woranso-Mille in der nordäthiopischen Region Afar gefunden und konnten es auf ein Alter von 3,8 Millionen Jahren datieren. Der Schädel ist damit 100.000 Jahre jünger als die jüngsten bisher bekannten anamensis-Fossilien – aber auch jünger als ein Stück Stirnbein, das 1981 im äthiopischen Belohdelie ausgegraben und Australopithecus afarensis zugeordnet wurde, also der Art, der „Lucy“ angehörte.

          Daraus, und aus bestimmten Merkmalen des Schädels von Woranso-Mille, schließt Haile-Selassie, dass mit anamensis und afarensis gleichzeitig verschiedene Australopithecus-Arten lebten und sich nicht etwa diese aus jener entwickelt habe.

          Diese Deutung überzeugt aber nicht alle. Tim White von der University of California in Berkeley etwa, der Haile-Selassies Doktorvater war, erklärte gegenüber dieser Zeitung, dass die Unterschiede zwischen dem Schädel aus Woranso-Mille und dem Belohdie-Stirnbein noch in der Variationsbreite dessen lägen, was man bei verschiedenen Individuen einer Art beobachtet.

          Weitere Themen

          Von Hölzken auf Stöcksken

          Netzrätsel : Von Hölzken auf Stöcksken

          Es gibt so gut wie nichts, was es nicht gibt im Netz der Netze: Geniales, Interessantes, Nützliches und herrlich Überflüssiges. Diesmal: Wer kann schneller frei assoziieren?

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.