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Apollos Forschungsbilanz : 100 Kilometer auf dem Mond und 382 Kilo im Gepäck

Apollo 11: Buzz Aldrin installierte das Experimente-Modul unweit der Landefähre. Bild: AFP

Wo Obama irrte: Die wissenschaftlichen Erträge der Apollo-Missionen lassen erahnen, warum die Raumfahrer immer noch nicht vom Erdbegleiter lassen wollen.

          Am 25. Mai 1961 schreckte der amerikanische Präsident John F. Kennedy bekanntlich nicht davor zurück, große Versprechungen zu machen. Als wäre seine Ankündigung einer bemannten Mondlandung bis zum Ende des Jahrzehnts für sich genommen nicht schon verwegen genug, ließ er es sich nicht nehmen, auch in Hinsicht auf die wissenschaftliche Bedeutsamkeit der Mission die Messlatte ganz weit nach oben zu legen: „Kein Projekt in dieser Zeit wird eindrucksvoller für die Menschheit sein oder wichtiger für die langfristige Erforschung des Weltraums, und keines wird so schwierig und teuer zu erreichen sein.“ Hinsichtlich der Schwierigkeiten und Kosten lag Kennedy fraglos richtig. Aber wie steht es mit der wissenschaftlichen Bedeutung der Apollo-Missionen?

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wichtige Erkenntnisse über den Erdtrabanten lieferten tatsächlich bereits die unbemannten Vorbereitungsmissionen der Amerikaner parallel zu den Luna-Missionen der Russen. Das 1959 ins Leben gerufene Ranger-Projekt war das Flaggschiff der unbemannten Nasa-Erkundungen. Die Idee war, die Ranger-Sonden auf dem Mond aufschlagen zu lassen und aus den vor dem Aufprall aufgenommenen Bildern Eigenschaften der Mondoberfläche abzuleiten. Nach erheblichen Anfangsschwierigkeiten konnte schließlich Ranger 7 im Juli 1964 die erhofften Informationen liefern. Die Aufnahmen vom Einschlagsgebiet nahe dem Mare Nubium zeigten Details der lunaren „Strahlensysteme“, von der Erde aus sichtbare Streifen, die radial von den Mondkratern ausgehen. Ranger 7 konnte nachweisen, dass diese Strahlen aus ausgeworfenem Material und Sekundärkratern bestehen und daher Nebenprodukt von Einschlägen sind. Damit lieferten die Ergebnisse einen wichtigen Beitrag in der Debatte über die Natur der Mondkrater und die Frage, ob diese auf Vulkanismus oder auf Einschläge zurückzuführen seien. Zudem wurde deutlich, dass auf der Mondoberfläche große ebene Gebiete existieren. Felsbrocken, die dort zu finden sind, deuteten indes darauf hin, dass die Oberfläche schwere Objekte zu tragen vermochte. Eugene Shoemaker gelang bereits auf der Grundlage der ersten Ranger-Bilder eine erstaunlich detaillierte geologische Analyse der Mondoberfläche, insbesondere auch der Zerkleinerung des Mondgesteins durch fortwährende Einschläge. Die Ranger-Missionen 8 und 9 vertieften diese Ergebnisse.

          Neil Armstrongs rechter Schuh im Mondsand. Über die genaue Beschaffenheit des Monduntergrunds war bis dahin kaum etwas Genaues  bekannt.

          Die fünf Lunar-Orbiter-Sonden der Nasa kartierten zwischen 1966 und 1968 die Mondoberfläche aus dem Orbit und halfen damit bei der Auswahl geeigneter Landestellen für Apollo. Gleichzeitig erlaubten sie aber auch einen Blick in das Mondinnere: Bereits bei der Bewegung der ersten Sonde waren Störungen aufgefallen, die auf ein ungleichmäßiges Gravitationsfeld des Mondes hindeuteten. Diese Beobachtung bestätigte sich bei den übrigen Sonden, die daraufhin auch nach Abschluss der Kartierungsarbeiten im Orbit belassen wurden, um die Anziehung des Mondes zu studieren. Es stellte sich heraus, dass Massekonzentrationen in den Maria-Becken dort für eine verstärkte Gravitation sorgen – ein Umstand, der die Apollo-Missionen deutlich erschweren würde und gleichzeitig wichtige Informationen über die Entstehung und Entwicklung des Mondes lieferte.

          Die Surveyor-Landesonden schließlich sollten nach einer weichen Landung Fotos aufnehmen. Die späteren Sonden sollten außerdem Experimente auf der Mondoberfläche durchführen. Surveyor 5 funkte so erste Resultate ihres Alphapartikel-Röntgenspektrometers zur chemischen Zusammensetzung des Mondgesteins zur Erde: Sie und auch die Folgesonde Surveyor 6 fanden im Mare Tranquillitatis sowie im Sinus Medii eisenreiches Basaltgestein. Surveyor 7 ergänzte dies durch die Analyse von Hochebenen-Gestein im Krater Tycho: Dort war kalziumreicher Plagioklas-Feldspat zu finden, der auf eine vergangene thermische Differenzierung des Mondgesteins hindeutete.

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