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Anthony Hyman Superstar: Auch die Hamburger Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Bündnis90/Die Grünen) wähnt sich während der Körber-Preisverleihung neben einer großen Forscherfigur. Ein Nobelpreis-Kandidat allemal. Bild: dpa

Breakthrough- und Körber-Preis : Geldregen für Dresdener Zellforscher

Max-Planck-Forscher Anthony Hyman hat mit der Entdeckung von neuartigen „Tröpfchen“ im Inneren von Zellen den Breakthrough Prize gewonnen. Lauert da eine medizinische Revolution?

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          Eine Million Euro plus drei Millionen US-Dollar Preisgeld obendrauf, das nennt man dann wohl einen gelungen Forschungsmonat. Anthony Hyman vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden ist der glückliche Empfänger. Ein Grundlagenforscher wie aus dem Lehrbuch, der innerhalb weniger Wochen mit gleich zwei der international höchstdotierten Wissenschaftspreise ausgezeichnet wurde: Anfang September nahm er den in Hamburg verliehenen Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft entgegen und an diesem Donnerstag wurde bekannt, dass der sechzigjährige Forscher zusammen mit Clifford Brangwynne von der Princeton-Universität auch den „Breakthrough Prize 2023 in Life Science“ erhalten wird.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Breakthrough-Preise, von denen es mehrere mit einer Gesamtdotierung von jährlich 15 Millionen Dollar gibt, werden seit etwa zehn Jahren von amerikanischen Silicon-Valley-Milliardären ausgelobt. Angeführt von Facebook-Chef Mark Zuckerberg, Google-Mitgründer Sergey Brin und Internetmogul Yuri Milner. Die Würdigung von Hyman und Brangwynne im Silicon Valley ist schon deshalb bemerkenswert, weil ihre Entdeckung eines vollkommen neuen Prozesses innerhalb von Zellen, der zur Organisation von Proteinen und RNA – von sogenannten „Kondensaten“ – in der wässrigen Zellflüssigkeit führt, bisher als reine Grundlagenforschung gilt.

          Ob die Erkenntnisse wie erhofft zur Therapie etwa von zerstörerischen Hirnleiden führen wird, ist noch völlig offen. Über Nacht jedenfalls werden sie keinen Anwendungsboom in der Medizin auslösen, das weiß auch der in Israel geborene und in Großbritannien aufgewachsene Molekularbiologe Hyman. Mit seinen Arbeiten in der Zellforschung startete er schon Ende der achtziger Jahre, damals im Labor des hoch angesehenen Nobelpreisträgers und Pioniers der Molekularbiologie Sydney Brenner an der University Cambridge. Als Postdoc ging er an die University of California und kurz danach übernahm er am Europäischen Molekularbiologischen Labor (EMBL) in Heidelberg ein eigenes Labor, wo er sich vor allem mit der Zellteilung beschäftigte.

          Illustration des Zellinnern einer Hefezelle. Sichtbar sind der große Zellkern in der Mitte und viele kleine, darum verteilte Zellbestandteile, die meisten sind membranumhüllte Zellorganellen wie der Zellkern (braun). Die kleinen „Kondensate“ ohne Hülle wurden erst 2008 entdeckt.
          Illustration des Zellinnern einer Hefezelle. Sichtbar sind der große Zellkern in der Mitte und viele kleine, darum verteilte Zellbestandteile, die meisten sind membranumhüllte Zellorganellen wie der Zellkern (braun). Die kleinen „Kondensate“ ohne Hülle wurden erst 2008 entdeckt. : Bild: dpa

          Im Jahr 1999 war er einer von vier Gründungsmitgliedern des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden. Hier – genauer: während eines Studentenkurses auf der US-Halbinsel Cape Cod - machte er auch die bahnbrechenden Entdeckungen, die ihn und Brangwynne zu den ominösen “Kondensaten“ von RNA und Proteinen führten - Molekülaggregate ohne jede Membranhülle, die sich in der scheinbar klaren, homogenen Zellflüssigkeit bilden und sämtliche anderen Zellorganellen wie den Zellkern oder die Mitochondrien als Zellkraftwerke quasi umspülen. Die winzigen Molekül-“Tröpfchen“ nannten sie später in ihrer ersten Veröffentlichung „P-Granula“.

          Im Innern dieser Kondensate spielen sich biochemische Reaktionen ab, die außerhalb kaum möglich wären. So ist zunehmend die Idee gewachsen, dass diese dynamischen Kondensate zu der Entstehung von altersbedingten Krankheiten führen könnten. Tatsächlich können sich so toxische Stoffe in den Zellen anhäufen. Insbesondere degenerative Hirnleiden stehen deshalb auch hoch im Kurs bei Hyman: „Ein Großteil der Arbeit meines Teams konzentriert sich auf die Anwendung von Methoden der physikalischen Chemie“, sagte er jüngst anlässlich der Vergabe des Körber-Preises, „wir wollen verstehen, wie zelluläre Prozesse bei Krankheiten versagen“.

          Ein Forscher mit Visionen. Insofern ist Hyman durchaus das Rollenmodell, das sich Breakthrough-Mitjurorin Anne Wojcicki, Brins Gattin und Gründern von Gendatenfirma “23andMe“, für die Repräsentanz der Silicon-Valley-Megapreise vorgestellt hat: Ihre Ansage, 2013, in der Zeitschrift !Nature“: „Wir möchten mit den Preisen Superhelden der Wissenschaft kreieren.“

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