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Anbau erstmals rückläufig : Dürreperiode für die grüne Gentechnik

  • Aktualisiert am

Genveränderte Sojabohnen in Brasilien. Bild: dpa

Hat die grüne Gentechnik schon den Zenit überschritten? Die neuen Zahlen über den Anbau zeigen eins: Der Markt beherrscht auch die Agrogentechnik. Und China bekommt offenbar Hunger auf genveränderte Sorten.

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          Zwanzig Jahre lang ging es nur aufwärts, die Zuwachsraten gingen stetig nach oben. Jetzt ist erstmals seit fast 20 Jahren der weltweite Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zurückgegangen. Im vergangenen Jahr bauten Landwirte weltweit Gen-Sojabohnen, Gen-Mais oder Gen-Baumwolle auf 179,7 Millionen Hektar an, wie die Agro-Biotech-Agentur ISAAA mitteilte. 2014 waren es noch 181,5 Millionen Hektar gewesen. Grund für den leichten Rückgang seien vor allem fallende Preise für Agrarrohstoffe gewesen, erklärte ISAAA.

          Seit 1996, laut ISAAA Beginn der weltweiten Vermarktung gentechnisch veränderter Pflanzen, ist die Anbaufläche von 1,7 Millionen Hektar auf die rund 180 Millionen Hektar 2015 in 28 Ländern angewachsen. Die größte Anbaufläche befindet sich in den Vereinigten Staaten. Es folgen die Länder Brasilien, Argentinien, Indien, Kanada und China.

          Genmais Mon810
          Genmais Mon810 : Bild: picture-alliance/ZB

          Die ISAAA erklärte, sie sei überzeugt, dass die Anbaufläche künftig wieder zunehmen werde. Der jüngste Rückgang sei nur vorübergehend - sobald die Preise wieder stiegen, werde auch die Fläche wieder wachsen.

          Die Regierung in China kündigte am Donnerstag an, sie werde den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen künftig erleichtern. Peking war zehn Jahre lang äußerst zurückhaltend mit neuen Zulassungen gewesen; in der Volksrepublik wachsen bislang offiziell nur genmodifizierte Baumwolle und eine gentechnisch veränderte Papaya.

          Ein Vertreter des chinesischen Landwirtschaftsministeriums sagte, Peking wolle schädlingsresistente Baumwoll- und Maissorten zulassen und weiter an Gen-Reis und Gen-Weizen forschen. Den illegalen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen werde die Regierung aber weiterhin hart bestrafen.

          Elf Staaten mit mehr als einer Million Hektar

          Der staatliche Konzern ChemChina bietet gerade für den Schweizer Gen-Saatgut-Hersteller Syngenta. Größter Hersteller weltweit ist der US-Konzern Monsanto.

          Der ISAAA zufolge sind es wie in den Vorjahren elf Länder, in denen die mit gv-Pflanzen bewirtschafteten Flächen eine Million Hektar übersteigen. An der Spitze stehen weiterhin die Vereinigten Staaten (70,9 Mio. Hektar) vor Brasilien (44,2), Argentinien (24,5), Indien (11,6), Kanada (11,0) und China (3,7). Zudem erreichten Paraguay, Südafrika, Pakistan, Uruguay und Bolivien Flächen mit Gentech-Nutzpflanzen von über einer Million Hektar. Den größten Zuwachs gab es erneut in Brasilien, wo vor allem Hgentechnisch veränderte Soja, Mais und Baumwolle geerntet wird. In den Vereinigten Jahren ist dagegen der Anbau von transgenen Pflanzen um 2,2 Millionen Hektar gesunken. Der stärkste Rückgang wird bei Mais und Baumwolle verzeichnet, Gensoja hingegen wurde verstärkt angebaut.

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