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Alte Fläschchen entdeckt : Pockenviren im Labor vergessen

  • Aktualisiert am

Pocken-Viren auf dem Monitor. Bild: dpa

Ein Fund zum Gruseln: In einem kleinen amerikanischen Virenlabor sind Fläschchen mit der Aufschrift „Variola“ entdeckt worden. Die lebensgefährlichen Viren hätten dort nie gelagert werden dürfen.

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          In einem Labor der amerikanischen nationalen Arzneimittelbehörde FDA in Bethesda haben Mitarbeiter vor wenigen Tagen zwei vergessene Fläschchen mit Pockenviren entdeckt. Die wohl aus den 1950er Jahren stammenden Glasfläschchen mit der Aufschrift „Variola“ (lateinisch für Pocken) seien in einem nicht genutzten Teil eines Lagerraums in dem FDA-Labor auf dem Gelände der National Institutes of Healths im Nordwesten von Washington DC gefunden worden. Das teilte die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC in der Nacht zum Mittwoch mit.

          Die Fläschchen seien gut verschlossen gewesen, so dass für das Laborpersonal keine Gefahr bestanden habe. Sie seien nach der Entdeckung sofort gesichert und in das Hochsicherheitslabor der CDC nach Atlanta zur Prüfung gebracht worden. Dort wurde die DNA von Pockenviren nachgewiesen. Unsicher ist noch, ob die Erreger in einer Kulturlösung auch wachsen können. Sobald die Testergebnisse vorlägen, was bis zu zwei Wochen dauern könne, würden die Proben unter Aufsicht der Weltgesundheitsbehörde zerstört.

          Die Wachsmoulage „Variola vera - Pocken“ von Fritz Kolbow (1887-1946), aufgenommen im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden.
          Die Wachsmoulage „Variola vera - Pocken“ von Fritz Kolbow (1887-1946), aufgenommen im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden. : Bild: dpa

          Nach den Bestimmungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dürfen wegen der Bioterrorgefahr weltweit nur zwei Hochsicherheitslabore Proben der in der Natur inzwischen mutmaßlich ausgerotteten Erreger lagern: Das CDC in Atlanta sowie das russische State Research Centre of Virology and Biotechnology (VECTOR) in Novosibirsk.

          Pocken-Erreger sind für den Menschen extrem gefährlich. Die beim Menschen vorkommende Variante der Krankheit gilt seit 1979 offiziell als ausgerottet. Die Sterblichkeit nach einer Infektion mit dem Virus Orthopoxvirus variola liegt bei ungeimpften Menschen, zu denen die Mehrzahl der Menschen mittlerweile zählt, bei bis zu neunzig Prozent.  Die letzten Pockenausbrüche in Deutschland wurden in den siebziger Jahren im Sauerland registriert. Am 8. Mai 1980 wurden die Pocken von der WHO für ausgerottet erklärt.

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