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Bild: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Grüner Robinson

Mehr Monokultur geht nicht: Auf zwei Inselchen des Hawaii-Archipels gibt es nur eine einzige Pflanzenart.

          2 Min.

          Wenn aus dem Frühling langsam der Sommer wird, ist die enorme Vielfalt der terrestrischen Pflanzenwelt auch außerhalb der Tropen und der Tropenhäuser augenfällig. An den Obst- und Gemüseständen mag diese Vielfalt im Vergleich zum Spätsommer und frühen Herbst zwar vielleicht eher qualitativer als quantitativer Natur sein – mit Spargel und Erdbeeren etwa sind jetzt zwei sehr verschiedene pflanzliche Gaumenfreuden im Angebot, die sich zudem ihre Saisonalität weitgehend bewahren konnten. Doch zu keiner anderen Jahreszeit erscheinen botanische Monokulturen absurder und unnatürlicher als jetzt.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dennoch ist es keineswegs so, dass Pflanzen immer und überall der Vielfalt bedürfen. Zwar gibt es eine Unterdisziplin der Botanik, die sich ohne jede selbstironische Absicht Pflanzensoziologie nennt und die Zusammensetzung von Vegetationsdecken aus verschiedenen Arten erforscht. Doch es gibt auch ausgesprochen artenarme Pflanzengemeinschaften, etwa die an dieser Stelle bereits schon einmal erwähnte Blütenflora der antarktischen Halbinsel, die vor dem Eintreffen invasiver Neuankömmlinge aus genau zwei Arten bestand.

          Auf dem größte Vulkan der Erde

          Aber es geht noch extremer. Im Pazifik gibt es einen Miniaturarchipel, der zur Fortsetzung der Inselkette Hawaiis nach Nordwesten gehört und von den Walfängern, die sie am 2. Juni 1820 entdeckten, ausgerechnet „Gardner’s Island“ genannt wurde. Nachdem spätere Besucher sich dort genauer umgeschaut haben, nennt man sie heute „Gardner Pinnacles“, denn das aus zwei Felsen bestehende Eiland ist insgesamt gerade einmal 0,024 Quadratkilometer groß. Dass es sich dabei um den erodierten Gipfel des größten Einzelvulkans der Erde handelt, haben erst Messungen ergeben, die vor wenigen Wochen in den Earth and Planetary Science Letters veröffentlicht wurden. Demnach hat der hawaiianisch Puhahonu genannte Gigant ein doppelt so hohes Lavavolumen angehäuft wie der bisherige Rekordhalter, der Mauna Loa auf der Hauptinsel Hawaiis.

          Auf den Gardner Pinnacles gibt es Robben, Seeschildkröten und allerhand wirbelloses Seegetier sowie 19 Arten von Vögeln, deren Hinterlassenschaften die Felsen aus der Ferne erscheinen lassen, als seien sie von Schnee bedeckt. Aber es gibt dort nur eine Pflanzenspezies. Allerdings wurde sie von der ersten wissenschaftlichen Expedition auf den Inselchen im Jahr 1923 falsch bestimmt. Der Fehler hielt sich, denn die damals gesammelte Probe ging verloren und tauchte erst 1969 wieder auf.

          Wenigstens ist die Pflanze eßbar

          Und seither weiß man, welche Sukkulente nun auf den Gardner Pinnacles gedeiht: die gelb blühende Portulaca lutea aus der Ordnung der Nelkenartigen, die auch der an Mittelmeerküsten wie der Côte d’Azur häufig anzutreffenden Mittagsblume ähnelt, aber nur eine ferne Verwandte ist. Zwar wurden noch Samen einer zweiten Art gefunden, der Burzeldorne Tribulus cistoides, die vermutlich von Vögeln eingeschleppt wurden, ohne dass sie vor Ort auskeimten oder gar zur Pflanze heranwuchsen.

          Portulaca lutea dagegen ist eine Überlebenskünstlerin der besonderen Art: Die hawaiianisch ’Ihi genannte Pflanze, die fast überall in der pazifischen Inselwelt anzutreffen ist und deren junge Triebe gekocht essbar sein sollen, verbreitet sich über das Meer. Selbst auf dem Wasser treibende Bruchstücke können austreiben, wo immer sie angespült werden – und selbst dort, wo offenbar keine andere Pflanze es bisher ausgehalten hat.

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