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Alles im grünen Bereich : Nur mal so eine Idee

Bild: Charlotte Wagner

Eine Stadt in der Landschaft: Diese Idee hatte 1874 bereits Adelheid Poninska. Zur Vermeidung von Wohnungsspekulationen wollte die Gräfin Grund und Boden in Gemeinschaftseigentum überführen.

          Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat vor vier Jahren eine aufschlussreiche Karte herausgegeben, aus der hervorgeht, wie fruchtbar Deutschlands Böden sind. Den höchsten Ertrag bringen tiefgründige Lössböden, wie sie zum Beispiel in der Magdeburger Börde, im Thüringer Becken und in der Kölner Bucht anzutreffen sind. Und direkt vor meiner Haustür. In der südlichen Wetterau hat sich während der letzten Eiszeit ein Sediment abgelagert, das bestens für den Ackerbau geeignet ist. Hier haben sich schon die Bandkeramiker niedergelassen, gefolgt von Kelten und Römern.

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Neulich kam ein Sturm auf. Ich saß in meinem Unterstand am Hang und sah zu, wie sich eine große braune Staubwolke erhob und davongetrieben wurde. Es hatte zuvor wochenlang nicht geregnet, die Saat war noch nicht aufgegangen. Da ging es hin, das Kapital des Landwirts, kein Strauch und kein Baum hielt es auf. Dass er dennoch so bald nicht am Hungertuch nagen muss, verdankt er der Stadt, die ihm vor Jahren achtzig Hektar seiner Ländereien abgekauft hat, um darauf neunhundert Wohneinheiten und etliche Bürobauten zu errichten. Man nennt diese Art der Nutzung die „fünfte Fruchtfolge“, durch die der Preis des Ackerbodens leicht um mehrere tausend Prozent steigen kann, weil ausgewiesenes Bauland nun mal knapp ist.

          Im Endergebnis liegt dort draußen jetzt ein engbesiedeltes Neubaugebiet, in dem die Bewohner aufeinanderhocken wie die Hühner auf der Stange. Und gleich nebenan eine Agrarsteppe, die bei anhaltendem Klimawandel schwer von Erosion bedroht ist. Ein Zustand, der aus ökologischer Sicht kaum trostloser sein könnte. Man könnte auch den Rest der Fläche noch zubetonieren, dann flöge wenigstens nichts mehr weg. Die Stadt könnte Schulden tilgen und der Bauträger ein weiteres Mal seinen Schnitt machen. Das nennt sich eine Investition in die Zukunft. Fragt sich nur, in welche.

          Ich hätte eine andere Idee. Sie geht unter anderem zurück auf Adelheid Poninska, geborene Gräfin zu Dohna-Schlodien, die 1874 unter männlichem Pseudonym eine Abhandlung über „Die Großstädte in ihrer Wohnungsnoth und die Grundlagen einer durchgreifenden Abhilfe“ veröffentlichte. Darin skizzierte sie die Grundlagen einer Gartenstadt, wie sie später ausführlicher von dem englischen Stadtplaner Ebenezer Howard formuliert wurden. Grund und Boden müssten zur Vermeidung von Spekulation in Gemeinschaftseigentum überführt werden, dann sollten neben wohlfeilen Häusern Erholungsstätten im Freien entstehen, Familiengärten, Kinderspielplätze, kulturelle Einrichtungen, Ladenpassagen, kurz gesagt: Eine „Stadt in der Landschaft“, in der das Grün Gleichberechtigung fände mit dem Gebauten. Howard spann den Plan noch weiter und träumte von einem ringförmigen Netz solcher Gartenstädte, verbunden durch Straßen, Eisenbahnen und Kanäle, durchsetzt von Wald, Ackerland und Fabrikgeländen, halbwegs autark auf einer Gesamtfläche von rund dreißigtausend Hektar mit Platz für eine Viertelmillion Einwohner.

          In dieser Konsequenz ist das Konzept der Gartenstadt nie verwirklicht worden. Was später unter dem Etikett verkauft wurde, verdient den Namen nicht. Und ohne eine grundlegende Bodenreform wird das auch nie was werden.

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