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Feigenkaktus Bild: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Im Abgang seifig

Ursprünglich in Mittelamerika beheimatet, hat die Kaktusfeige in unseren Breiten wie auch in anderen Teilen der Welt Fuß gefasst. Vom Nutzen und Nachteil dieser invasiven Pflanze und anderer Kakteengewächse der Gattung Opuntia.

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          In unseren verblassenden Erinnerungen an Urlaube im Mittelmeerraum hat sie Zypresse und Olivenbaum längst verdrängt: Opuntia ficus-indica, die Kaktusfeige. Ob in Kampanien, auf Rhodos oder Malta: Das Kakteengewächs mit seinen leckeren, aber tückisch stachligen Früchten wächst dort praktisch überall. Das liegt unter anderem an Schildläusen der Art Dactylopius coccus. Sie siedeln auf den Opuntien und lieferten schon den Azteken einen roten Farbstoff, das Karmin.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diesen wollten die Europäer auch und brachten die Kaktusfeige dazu in die Alte Welt. Dank rege wachsender Triebe, die später stabil verholzen, eignete sie sich obendrein prima zur Flurbegrenzung, vor Bodenerosion bot sie ebenfalls Schutz. Die Früchte waren Nebensache. Die Azteken schätzten auch die jungen Triebe, und noch heute werden diese „Blätter“ in Mexiko als Nopales zu Salat verarbeitet. Kulinarisch ist das allerdings nicht unumstritten, denn ihr frisches Aroma schlägt leicht in eines um, das man durchaus als seifig bezeichnen könnte.

          Denkmal für eine Motte

          Auch sonst haben Mensch und Kaktusfeige eine ziemlich dialektische Beziehung. So haben Seefahrer noch anderen der fast zweihundert Arten der Gattung Opuntia zur Verbreitung über ihre amerikanische Heimat hinaus verholfen, etwa in Australien, Indien und Afrika. Dort ist man auf die im Englischen „prickly pear“ genannte Pflanzengruppe mittlerweile gar nicht mehr gut zu sprechen. Insbesondere Opuntia stricta hat sich zu einer recht aggressiven invasiven Spezies entwickelt. In Kenia, so meldeten Anfang der Woche Wissenschaftler des Centre for Agriculture and Bioscience International (CABI) stolz, habe man aber unlängst eine andere Schildlaus, Dactylopius opuntiae, erfolgreich zur biologischen Bekämpfung dieser Kaktusfeige einsetzen können.

          Das ist nicht das erste Mal. In Dalby, im australischen Bundestaat Queensland, steht das weltweit wohl einzige Denkmal, das einer Motte errichtet wurde. Denn Cactoblastis cactorum, die Kaktusmotte, errettete die Region einst aus einer Opuntienplage geradezu biblischen Ausmaßes; fast 65.000 Quadratkilometer Farmland hatten sich um 1925 herum in einen für Mensch und Tier unzugänglichen Kaktusdschungel verwandelt. Inzwischen ist die hochdekorierte Motte jedoch wieder in Ungnade gefallen. Nachdem das ursprünglich aus Südamerika stammende Insekt außerdem nach Nordamerika und in die Karibik gelangt ist, schadet es dort den selteneren Opuntia-Arten, die weitere Verbreitung in Texas und eben auch nach Mexiko wird befürchtet. Was den Queensländern einst ihr Farmland zurückgab, bedroht nun also den Nopales-Nachschub jener Nation, welche die Kaktusfeige sogar in ihrer Flagge führt.

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