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Alles im grünen Bereich : Selbst ist der Mann (1)

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Tabak rauchen ist in Deutschland legal - noch. Man darf ihn sogar selbst anbauen. Angeblich ist das ein Kinderspiel und gesünder ist es sowieso.

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          Allzu viele Gesetzesvorhaben wird die große Koalition bis zur nächsten Wahl nicht mehr durchbringen. Aber eines vielleicht schon: das Außenwerbeverbot für Tabakwaren, das der Drogenbeauftragten der Bundesregierung besonders am Herzen liegt. Erstaunlicherweise gibt es Abgeordnete, die davon nichts wissen wollen. Noch sei Tabak legal, heißt es, und wenn man anfange, Werbung für legale Produkte zu verbieten, dann seien demnächst auch Zucker, Alkohol und Fett dran.

          Seit Seefahrer den Tabak aus der Neuen Welt nach Europa gebracht haben, ist sein Genuss von der Obrigkeit schief beäugt worden. Nicht immer waren die Strafen so drakonisch wie unter den altgläubigen Patriarchen in Moskau, wo Raucher eine Zeitlang Gefahr liefen, dass man ihnen die Nasenflügel aufschlitzte und den Rücken peitschte, bis die Haut in Fetzen hing. Aber zur Kasse gebeten hat man sie immer, was nur beweist, dass im Zweifelsfall das Interesse am Geldbeutel des Bürgers schwerer wiegt als die Sorge um seine Gesundheit.

          Selbstversorger rauchen gesünder

          Im Gegensatz zu Marihuana, Opium und anderen Drogen darf man Tabak in Deutschland ganz legal anbauen. Es ist zwar nicht mehr so, dass ganze Bevölkerungsschichten davon leben, wie noch im 19. Jahrhundert. Es ist auch nicht mehr vorgeschrieben, dass Zigaretten einen gewissen Anteil heimischen Tabaks enthalten müssen, wie es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg üblich war. Weil die Subventionen nach und nach gestrichen wurden, ist dieser Zweig der Landwirtschaft fast ausgestorben; nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Tabakpflanzer beträgt die gesamte Anbaufläche gerade noch zweitausend Hektar. Aber immerhin: Das Zeug wächst auch in unseren Breiten.

          Man könnte also in Versuchung kommen, seinen Knaster selbst zu pflanzen. Das befreit einen sogar von der Tabaksteuer, falls es sich um Rauchwaren handelt, die „außerhalb eines zugelassenen Herstellungsbetriebes aus Kleinpflanzertabak hergestellt und weder zum Handel noch zur gewerblichen Verwendung bestimmt sind“, wie es im Tabaksteuergesetz heißt. Es gibt noch einen weiteren Grund, zum Selbstversorger zu werden. Er findet sich auf den Seiten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Form einer mehr als tausendseitigen Datenbank der erlaubten Tabakzusatzstoffe.

          Tipps sind willkommen

          Eine handelsübliche Zigarette jener Marke, für die man einst meilenweit ging, enthält demnach mehr als zwei Dutzend Weichmacher, Feuchthaltemittel, Kleb-, Farb- und Füllstoffe, Abbrandbeeinflusser wie Kaliumzitrat und Aromen wie Pflaumenextrakt, Kakao und Johannisbrotkernmehl. Das alles kommt im Selbstangebauten garantiert nicht vor.

          Ich habe damit bislang keine Erfahrung gesammelt. Außer mit Ziertabak (Nicotiana x sanderae), der von Ende Mai bis Mitte Oktober als hübsche Beet- und Balkonpflanze blüht. Rauchen sollte man ihn nicht, auch wenn er eine geringe Konzentration an Nikotin enthält. Für ernsthafte Zwecke würde ich stattdessen zum Virginiatabak Nicotiana tabacum, zum Maryland-Tabak N. lattissima oder zum Bauerntabak N. robusta greifen. Glaubt man den Anleitungen im Internet, sind Aussaat und Anzucht keine große Sache. Wohl aber das Verarbeiten und das Fermentieren der geernteten Blätter. Für einschlägige Tipps wäre ich dankbar.

          Fortsetzung nächste Woche

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