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Mit Minze werden Cocktails erfrischend. Bild: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Mit Minze dein Cocktailprinz

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Für Minze-Liebhaber beginnt jetzt die schönste Zeit des Jahres. Kurz vor der Blüte im Hochsommer schmecken die Blätter besonders aromatisch.

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          Für Minze-Liebhaber beginnt jetzt die schönste Zeit des Jahres. Kurz vor der Blüte im Hochsommer schmecken die Blätter besonders aromatisch. Jedes Blatt erfrischt den Sommer, es macht die Hitze erträglich. Ihre kühlende Wirkung verdankt die Gattung Mentha aus der Familie der Lippenblütler ihren ätherischen Ölen, vor allem dem Menthol. Die höchste Konzentration erhält man offenbar, wenn man die Blätter an einem sonnigen Vormittag erntet. Wer die Minze für einen Mojito verwenden will, wartet besser bis zum Abend.

          Ich könnte dieses Jahr wie Hemingway den ganzen Tag Mojito trinken – die Minze ginge mir trotzdem nicht aus. Drei Balkonkästen habe ich im Frühjahr bepflanzt, mittlerweile sind die Gewächse so hochgeschossen, dass sie mir im Sitzen die Sicht rauben. Viele Stengel sind ellenlang, die Blätter groß wie Kinderhände. Am besten schmeckt die Minze zu Himbeeren und Eis, ihr feinstes Aroma entfalten die Blätter, wenn man sie mit den Fingern zerreibt. Bloß nicht mit dem Stößel!

          Dabei deutete lange Zeit nichts auf meinen Zuchterfolg hin. Jahrelang ist mir die Minze sowohl auf dem Balkon als auch im Garten eingegangen: Mal färbten sich die Blätter braun, mal blieben sie mickrig und fad. Als ich die Pflanzen in diesem Frühjahr in einer traurigen Ecke im Baumarkt entdeckte, offenbar ein Restposten, wollte ich sie zunächst stehen lassen. Eine Pflanze war ziemlich zerrupft, eine andere fast ohne Blätter. Ich nahm sie trotzdem mit, des Etiketts wegen.

          Mit Cocktailminze zum Clubgefühl

          Mitten in der Krise empfand ich die Bezeichnung „Cocktailminze“, verbunden mit der Aussicht auf hauseigene Mojitos, tröstlich – fürs Clubgefühl. Der Name fördert den Verkauf, Botaniker bezeichnen sie korrekterweise als Mentha spicata, und ich habe mich für die Variante crispa, „Marokko“, entschieden. Sie gehört zu den Grünen Minzen, wird auch Speer-Minze oder Krause Minze genannt, ist süßer als die Pfefferminze und dank geringeren Mentholgehalts weniger scharf. In Nordafrika, insbesondere dem Maghreb, wird Na’na (arabisch für Minze) zu jeder Tageszeit getrunken. Sie schmeckt heiß wie kalt, oft mit grünem Tee und viel Zucker, Hauptsache: frisch.

          Wer sich einen Überblick über die verschiedenen Arten und Sorten verschaffen möchte, kommt schnell an Grenzen. Schon im frühen Mittelalter bemühte sich der Abt Walahfrid Strabo in seinem botanischen Werk „Hortulus“ vergeblich um eine Klassifikation. „Wenn aber einer die Kräfte und Arten und Namen der Minze samt und sonders zu nennen vermag, so müsste er auch gleich wissen, wie viele Fische im Roten Meer wohl schwimmen“, notierte er frustriert.

          An die 25 bis 30 Arten sind weltweit anerkannt, mit unzähligen Unterarten und Hybriden; manche extrem scharf wie die Ackerminze (M. arvensis), andere mild oder mentholfrei wie die Wasserminze (M. aquatica). Allen gemein ist die Neigung, sich zu mischen, und so ist wohl die Pfefferminze (Mentha x piperita) als Zufallsprodukt entstanden. Sie wurde 1696 in einem englischen Garten entdeckt und ging aus einer Kreuzung von Wasserminze und Grüner Minze hervor.

          Ich werde mich künftig an den sprechenden Namen orientieren. Ananasminze scheint interessant, Limonen- und Apfelminze vielversprechend, Schokominze ohnehin. Für den Feierabend eignet sich Hugominze. Wahrscheinlich ist es dieselbe Sorte, die auch als Cocktailminze verkauft wird. Das ist mir und dem Hugo aber egal.

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