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Alles im grünen Bereich : Alge drauf, Zünsler tot

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Algenkalk gilt neuerdings als Wundermittel gegen das gefürchtete Buchsbaumsterben. Bevor man dazu greift, sollte man sich aber ein paar Gedanken machen. Denn: Damit schadet man auch dem Meer.

          Vor drei Jahren hat der Zünsler meine Buchsbäume geschreddert. Jedenfalls den allergrößten Teil davon. Aber ein paar Ableger blieben wundersamerweise verschont. Die stehen nun im schönsten Grün, was keine Garantie dafür ist, dass der Schädling sie auf Dauer verschonen wird. Wie ein Lauffeuer hat sich in der Zwischenzeit die Botschaft verbreitet, Algenkalk würde helfen. Offenbar geht das zurück auf die Erfahrungen der Gartenfreunde Manfred Lucenz und Klaus Bender aus dem Landkreis Kleve, die das Pulver in großen Mengen über ihre Büsche gepudert haben, wodurch sie nicht nur zwei notorische Pilzkrankheiten, sondern auch den Zünsler in den Griff bekommen hätten (www.lucenz-bender.de).

          Die Nachfrage nach dem Zeug scheint tatsächlich enorm gestiegen zu sein; man sieht das schon, wenn man danach googelt und seitenweise Anzeigen bekommt: „Algenkalk billig!“, „Riesenauswahl!“, die übliche Marktschreierei also. Wobei Lucenz und Bender eine Warnung aussprechen: Oftmals werde da auch mit Meeres- oder Muschelkalk gehandelt, der keineswegs gleichwertig sei, nur hundertprozentiges Lithothamnium calcareum verspreche den gewünschten Erfolg. Dabei handelt es sich um Rotalgen aus der Gruppe der gesteinsbildenden Corallinaceen, die im Zuge ihres Stoffwechsels Calciumkarbonat abscheiden. In getrockneter Form finden sie zum Beispiel in Kosmetika und als Zusatz von Futtermitteln Verwendung. In der biologischen Landwirtschaft werden Algen gern als Pflanzendünger eingesetzt, weil sie neben Kalk auch relativ viele Spurenelemente enthalten. Das könnte immerhin einen Ansatz zur Erklärung bieten: Gut gedüngte Buchsbäume sind widerstandsfähiger, wenn die Raupe Nimmersatt an ihnen nagt.

          Wirkkraft nicht eindeutig belegt

          Ich persönlich habe bislang keine Erfahrung mit Algendüngern gemacht, außer dass ich mal im Urlaub in einem Cabrio in Irland unterwegs war und vor mir ein mit Tang beladener Lastwagen ins Schleudern geriet, so dass sich die glitschige Fuhre über mir entlud. In Irland, muss man dazu wissen, wird der Lappentang Palmaria palata seit Menschengedenken geerntet und auf den Feldern ausgebracht; man kann ihn, wenn nichts anderes da ist, auch geröstet als Snack genießen, wie ein Bericht des irischen Missionars Columban von Iona aus dem sechsten Jahrhundert bezeugt. In Frankreich wird damit traditionell die Kartoffelsorte La Bonnotte gedüngt, eine besonders rare Delikatesse. Aber wie gesagt: Mein Garten musste bislang ohne auskommen.

          Vielleicht sollte ich einen Versuch wagen. Rational spricht allerdings einiges dagegen. In erster Linie ist Algenkalk nämlich Kalk, und der bekommt nicht jeder Pflanze und nicht jedem Boden. Kohlensauren Gartenkalk, bloßes CaCO3, bekommt man schon für einen Euro das Kilo, wenn „Alge“ draufsteht, kostet er glatt das Zwanzigfache. Am Forschungsinstitut für biologischen Landbau der Schweiz hat man keine wissenschaftlichen Studien gefunden, welche die besondere Wirkung von Algenkalk belegen würden. Bedenklich stimmt, dass insbesondere Kalkalgen wie Lithotamnium calcareum extrem langsam wachsen und ihr Abbau im Meer wichtige Lebensräume zerstört. Wenn überhaupt, sollte man nur Algenkalk kaufen, der durch Bergbau in den reichlich vorhandenen fossilen Lagerstätten an Land gewonnen wurde.

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