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Alles im grünen Bereich : Hauptsache, gewusst wie

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Wenn die Erde tiefgefroren ist, haben Totengräber ein Problem. Es mit einem Presslufthammer zu lösen, ist allerdings keine gute Idee.

          2 Min.

          Vergangene Woche ging es an dieser Stelle darum, wie das Friedhofspersonal es wohl schafft, selbst bei eisigem Frost Gräber auszuheben. Unter anderem wurde die Vermutung geäußert, dass dabei Presslufthämmer zum Einsatz kommen. Dazu erreicht uns folgendes fachkundiges Schreiben des Lesers, Fachbestatters und Trauerredners Dr. Peter Neumann:

          „Von Presslufthämmern auf dem Friedhof habe ich während meiner Tätigkeit noch nicht gehört. Die Angestellten suchen Lärm und laute Geräusche an diesem stillen Ort unbedingt zu vermeiden. Wenn die Kälte noch nicht allzu lang andauert, brechen Friedhofsarbeiter beim Grabaushub die oberste Schicht von zehn oder fünfzehn Zentimetern hartgefrorenem Erdreich durchaus schon mal mit dem deutlich leiseren Elektrohammer. Bei durchgefrorenem Boden allerdings wäre selbst mit Pressluft nicht viel zu bekleistern; Tiefbauarbeiter wissen, dass nach einer Frostperiode die Vereisung je nach Feuchtigkeit zwischen siebzig Zentimeter und mehr als einem Meter in die Tiefe reichen kann.

          Damals und heute

          Die Idee mit einem ordentlichen Feuer ist naheliegend, führt aber in dieser Weise ebenfalls nicht zum Ziel. Die alte Methode der Totengräber war ein Glutbett aus Scheitholz in der Größe des auszuhebenden Grabes. Zum Gewusst-wie gehörten auch Körbe mit gesiebtem Sand oder magerer Erde, die sich der Totengräber schon im Herbst beiseite stellen musste. Wenn das Scheitholz zum Glutbett heruntergebrannt war, wurde es mit diesem Material über Nacht abgedeckt, und am nächsten Morgen konnte das durchwärmte Erdreich problemlos (und still) ausgehoben werden. Heute errichtet man einen Rand aus Blocksteinen und legt ein Glutbett aus Briketts. Obenauf kommt über Nacht eine Stahlplatte, und am nächsten Morgen hat der Minibagger freie Bahn. Wobei übrigens nicht wenige Gräber auch heute noch mit Schaufel und Spaten gegraben werden. Beim Erstellen von Urnengräbern, die mittlerweile fast der Normalfall sind, stellt man am Vorabend einen verzinkten Wassereimer ohne Boden auf und entzündet in ihm drei bis fünf Briketts. Ist das Feuer in Gang gekommen, wird der Eimer mit einer aufgelegten Gehwegplatte verschlossen und am folgenden Vormittag das Grab ausgehoben. Dies geschieht meist mit einem Erdbohrer oder einem speziellen Urnenspaten.

          Das Aufbewahren von Verstorbenen bis zur erst im Frühjahr möglichen Bestattung traf in früheren Zeiten nicht nur für den Alpenraum zu. Allerdings nicht, weil sich unsere Vorfahren nicht darauf verstanden hätten, auch im kältesten Winter ein Grab zu schachten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die Wege zur nächsten Kirche nicht selten sehr weit. Bei Tiefschnee waren sie häufig für viele Wochen nicht gangbar. Da musste sich der teure Tote dann auch mal gedulden mit seiner christlichen Bestattung. Allerdings in der kalten Scheune und nicht im Stall: Dort wäre es ihm selbst ohne Ofen zu warm geworden, die Tiere sorgen ja allein durch die Wärme ihrer Leiber für Plusgrade. Und unterm Dachstuhl der Scheune wurde der Sarg nicht etwa eingestellt, sondern üblicherweise an Seilen aufgehangen, eine verbreitete Methode, derer man sich auch für die Vorräte bediente, um sie vor Fraß von Mäusen und Ratten zu schützen.“

          Dem bleibt nicht viel hinzuzufügen. Nur Dank für die kompetente Auskunft.

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