https://www.faz.net/-gwz-9090r

Alles im Grünen Bereich : Lebe luftig, lebe froh

  • -Aktualisiert am

Auch unter einer luftdichten Käseglocke kanneine Maus beim Lagerfeuer vortrefflich leben, solange eine Pflanze für genügend Sauerstoff sorgt. Bild: Charlotte Wagner

Der englische Theologe und Naturforscher Joseph Priestley war mit seinen bahnbrechenden Versuchen Ende des 18. Jahrhunderts seiner Zeit weit voraus und saß mit seinen Erkenntnissen zwischen allen Stühlen.

          Zu den schönsten Momenten im Leben des Gärtners gehört es, wenn er nach einem Tag, den er in der Stadt verbracht hat, endlich das Gartentor aufsperrt und tief durchatmet. Ah, diese Luft! Gleich fühlt man sich wieder als Mensch.

          Das Atemholen biete zweierlei Gnaden, fand Johann Wolfgang von Goethe: „Die Luft einziehen, sich ihrer entladen; jenes bedrängt, dieses erfrischt“, so wunderbar sei das Leben gemischt. Sein englischer Zeitgenosse Joseph Priestley war der Sache da schon Jahre zuvor auf den Grund gegangen. Als ausgebildeter Theologe war Priestley gleichwohl davon überzeugt, dass man religiösen Fragen mit naturwissenschaftlichem Sachverstand begegnen müsse und umgekehrt die Wissenschaft dazu beitrage, die göttlichen Pläne zu erforschen – eine Position, die ihn notwendigerweise zwischen allen Stühlen landen ließ und dazu führte, dass aufgebrachte Massen am 14. Juli 1791 in sein Haus in Birmingham eindrangen und es samt Bibliothek und Labor dem Erdboden gleichmachten. Priestley musste die Stadt verlassen und wanderte später nach Pennsylvania aus.

          Die bahnbrechenden Versuche des Herrn Priestley

          Priestley veröffentlichte mehr als 150 Schriften zu den unterschiedlichsten Themen der Theologie, Physik, Chemie, Philosophie und Pädagogik. Doch in die Annalen der Naturwissenschaft ist er vor allem mit einem Experiment eingegangen, das heute noch als „Priestley-Versuch“ im Schulunterricht gelehrt wird. Er hatte dazu eine Apparatur entwickelt, mit deren Hilfe er Gase in luftdichte Glaszylinder leiten konnte. Ließ er darunter bei normaler Atmosphärenluft eine Kerze brennen, ging sie irgendwann aus. Leitete er diese verbrauchte Luft in einen Zylinder, in dem sich eine lebende Maus befand, streckte diese nach kurzer Zeit alle viere von sich. Wenn aber gleichzeitig eine Pflanze in den Zylinder eingebracht wurde, konnten sowohl die Kerzenflamme als auch die Maus am Leben erhalten werden.

          Die brennende Kerze und die atmende Maus hätten die Luft mit einer schädlichen Feuersubstanz angereichert, erklärte Priestley das Phänomen im Einklang mit der damals noch populären Phlogiston-Theorie. Die Pflanze hätte nun dafür gesorgt, dass sich wieder genügend dephlogistierte Luft gebildet hätte. Denselben Effekt erzielte Priestley, wenn er ein Gas einleitete, das er durch Erhitzen von Quecksilberoxid gewann. In Wahrheit hatte er damit erstmals nachgewiesen, dass Atmung und Verbrennung Sauerstoff benötigen, der auf natürlichem Wege durch Pflanzen erzeugt wird.

          Die Forschung hat noch eine Weile gebraucht, bis sie alle grundlegenden Prozesse verstanden hat, die bei der Photosynthese ablaufen. Priestley selbst wird außerdem die Erfindung des Sodawassers zugeschrieben, von dem er glaubte, es könne gegen Skorbut helfen.

          Er stellte es her, indem er Schwefelsäure und Kalk miteinander reagieren ließ und das entweichende Kohlendioxid in Wasser löste; vermarktet hat es dann der deutsche Uhrmachermeister Jacob Schweppe („Schweppes-Wasser“). Priestley soll ferner den Radiergummi erfunden haben, doch er hat nur darüber berichtet, dass dies dem Instrumentenbauer Edward Nairne gelungen sei. Goethe im Übrigen hat Priestley von tiefstem Herzen gehasst, weil der es gewagt hatte, die „anbrüchige Newtonische Lehre“ von den Spektralfarben des Lichts zu verteidigen.

          Weitere Themen

          Doktor-KI auf Herz und Nieren geprüft

          Klug verdrahtet : Doktor-KI auf Herz und Nieren geprüft

          Künstliche Intelligenz kann Leben retten, das zeigen zwei datengetriebene Diagnoseautomaten für Herz und Niere. Doch ihre Schwachstellen müssten uns zu denken geben.

          Das grüne Dilemma

          Ab in die Botanik : Das grüne Dilemma

          In Dürre-Zeiten steckt der Gärtner in einer moralischen Zwickmühle: Darf er den geliebten Rasen gießen oder nicht? Doch es gibt einen Ausweg.

          Topmeldungen

          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?
          Schon im Wahlkampfmodus? Olaf Scholz am Samstag beim Tag der Offenen Tür im Finanzministerium in Berlin

          SPD : Scholz will bald Partnerin für Parteivorsitz vorstellen

          Olaf Scholz will sich in der „zweiten Wochenhälfte“ zu seiner Kandidatur und seiner Partnerin äußern. Die Zahl der Kandidaten-Paare für den Parteivorsitz könnte bis dahin noch gestiegen sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.