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Alles im grünen Bereich : Ohne Moos kaum was los

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Laut einer britischen Studie tummeln sich die meisten Insekten in Privatgärten und ziehen die reichen Stadtteile vor. Wie sieht es hierzulande aus?

          Nach alter katholischer Lesart ging die Weihnachtszeit am 2. Februar zu Ende. Weihnachtsbaum und Krippe kann man getrost wieder beiseiteräumen und der kommenden Dinge harren. Zum Beispiel hat nun das sogenannte Bauernjahr begonnen. Da spannt der Landmann aber nicht mehr die Rösslein an, sondern holt demnächst den neuen Fendt Vario mit fünfhundert PS und variablem Allradantrieb aus der Maschinenhalle, um seine vierhundert Hektar baum- und strauchlose Agrarsteppe aufzudüngen und zu spritzen. Dass dabei die Artenvielfalt auf der Strecke bleibt, hat sich herumgesprochen.

          Hotspots der Biodiversität findet man heute leichter in der Großstadt als auf dem flachen Land. In der City blüht es abwechslungsreicher und länger als in der ausgeräumten Natur. Davon profitieren Insekten und damit auch die, auf deren Speisekarte sie stehen. Britische Wissenschaftler haben sich jetzt die Mühe gemacht und in einem Mammutprojekt erfasst, an welchen urbanen Orten besonders viele Bienen, Schwebfliegen und sonstige Zweiflügler vorkommen (Nature Ecology & Evolution). Zwei Jahre lang durchkämmten sie die Städte Bristol, Leeds, Reading und Edinburgh. Die mit Abstand größten Insektenvorkommen entdeckten sie in Privatgärten, gefolgt von Parks und anderen Grünanlagen. Ergänzt durch sozioökonomische Daten, ergab sich außerdem ein klares Bild: Je reicher die Bewohner der jeweiligen Stadtviertel im Durchschnitt waren, desto zahlreicher summte und brummte es in ihrer Umgebung.

          Geld ohne Sinn und Verstand ist ein Fluch für die Umwelt

          Ohne Moos wenig los, könnte man in Hinblick auf die Ökologie folgern. Der Augenschein spricht freilich oft genug dagegen. In meiner Nachbarschaft vollzieht sich seit einiger Zeit ein Generationswechsel. Schon an den Autos kann man sehen, dass hier die Besserverdienenden Einzug halten. Erst recht an den Gärten, wo sich ein beachtlicher Gestaltungswille bemerkbar macht. Die Vegetation wird ordentlicher gestutzt, das Mobiliar edler gewählt als von den Vorgängern, bei denen es häufig noch nach Kraut und Rüben aussah.

          Da und dort wird bereits ein Gartenarchitekt zu Rate gezogen, was aus biologischer Sicht nichts Gutes ahnen lässt. Hand in Hand mit dem Garten- und Landschaftsbauer ist er imstande und verwandelt unter Einsatz von Bagger und Beton das Grund- in ein gelecktes Ausstellungsstück. Zum Ausgleich wird dann ein prächtiges Insektenhotel gezimmert und ein Satz alter Rosen gepflanzt. Geld ohne ökologischen Sinn und Verstand kann ein Fluch für die Umwelt sein.

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