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Alles im grünen Bereich : Dichten Sie ruhig bei der Gartenarbeit

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Dichtung und Garten - ein Widerspruch in sich? Nicht, wenn man genauer hinsieht.

          Zu den ehernen Grundsätzen des Zeitungsgewerbes gehört: Ein Journalist irrt sich nie. Nun erreicht mich ein Kärtchen der verehrten Kollegin und Schriftstellerin Eva Demski, die, anstatt sich noch weiter über meine Behauptung zu ärgern, Schreiben und Gärtnern seien nur schlecht miteinander vereinbar, einfach mal aufzählt: „Patricia Highsmith, Elisabeth von Armin, Elsemarie Maletzke, Steffen Kopetzky, André Heller, Helga M. Novak, Vita Sackville-West, Fürst Pückler, Goethe natürlich und so weiter“, es gehe also schon, sogar ganz wunderbar, und den Hermann Hesse, den ich als Ausnahme von der Regel erwähnte, hätte ich als rettenden Strohhalm gar nicht gebraucht.

          Chapeau!, hätte man zu Goethes Zeiten gerufen, voll auf die Zwölf. Natürlich regt sich sofort der Impuls, das alles haarklein zu widerlegen. Patricia Highsmith, gegen Ende ihres Lebens in dieser schauerlichen Casa im Tessin, von Besuchern „Hitlers Bunker“ genannt, auf einem weitgehend kahl gehaltenen Anwesen, wo keine einzige Blüte geduldet wurde? Der notorische Kitschkünstler André Heller mit seinem anerkannt schlechten Geschmack in Sachen Gartendekoration? Johann Wolfgang von Goethe, der als Großgenie jederzeit den herzoglichen Hofgärtner nebst einem Heer von Arbeitern herumkommandieren konnte? Keine leuchtenden Vorbilder in meinen Augen. Aber wozu hadern? Bloß um im Sinne des Satzes von der Unfehlbarkeit des (dazu noch festangestellten) Redakteurs recht zu behalten?

          Ach wo. Ein einziges Beispiel widerlegt ihn ja schon: Eva Demski selbst. Ihre „Gartengeschichten“, vor acht Jahren von Michael Sowa illustriert im Insel Verlag erschienen, sind der schlagende Gegenbeweis für meine im Nachhinein doch etwas wacklige These. Man möchte seitenlang daraus zitieren. „Gärtner sein heißt, sein Stück Erde zu etwas zu bringen, was es von allein nicht täte“, schreibt sie zum Beispiel, kürzer und allgemeingültiger lässt sich das kaum formulieren. Vieles zeugt von langjähriger Erfahrung, etwa die Erkenntnis: „Dreck und Wasser voneinander zu trennen geht nur mit Gewalt und nur für kurze Zeit.“Man nickt in einem fort bei der Lektüre, weil man darin so vieles wiedererkennt. Zum Beispiel den unseligen Rafftrieb, den kein Gärtner je loswird: „Gartencenter ist wie nachts am Kühlschrank: Man weiß, daß es böse endet, aber es ist wunderbar.“

          Der Schriftsteller muss nicht auf alles eine Antwort haben

          Eva Demski ist dem Gärtnern auch in seinen merkwürdigen Facetten auf den Grund gegangen. Und hat dabei allerhand Widersprüche ausgegraben. Ihren Lieblingsgarten fand sie in einer ehemaligen Pfarrei in Alfriston, einem kleinen Dorf in der Grafschaft East Sussex. Dort wuchs, vom britischen Klima verwöhnt, das herrlichste Gemüse und das schönste Obst. Und was wurde ihr serviert? Wieder nur „jene Suppe, die in dreierlei Farben angeboten wird: Rot (Tomate), Grün (Erbse) und Braun (alles übrige).“

          Auch Demski ist es nicht gelungen, das Rätsel zu lösen, warum England über Jahrhunderte hinweg so viele großartige Gärtner und gleichzeitig eine derart lausige Küche hervorgebracht hat. Ein Journalist hätte sofort eine steile These parat gehabt. Aber das ist eben der Unterschied zwischen Journalismus und Literatur: Der Schriftsteller muss nicht auf alles eine finale Antwort haben.

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