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Alles im grünen Bereich : So werde ich autark

Bild: Charlotte Wagner

Gemüsezucht und Hühnerhaltung sind wieder schwer im Kommen. Was die meisten nicht bedenken: Das ist harte Arbeit.

          Über die Feiertage ist mir mal wieder ein Buch von John Seymour in die Hände gefallen. Es ist seine Anleitung zur "Selbstversorgung aus dem Garten", 1978 erschienen bei Dorling Kindersley, als Ergänzung zu seinem umfangreicheren Werk vom "Leben auf dem Lande", das in zwanzig Sprachen übersetzt wurde und auf eine Gesamtauflage von mehr als einer Milion Exemplare kam. Wie viele seiner Leser tatsächlich zu Selbstversorgern geworden sind, weiß man nicht; ich vermute, die allerwenigsten haben es auch nur ansatzweise geschafft.

          Glaubt man John Seymour, dann ist es ein Kinderspiel, auf neun Quadratmetern den gesamten Jahresbedarf eines Erwachsenen an Gemüse zu ernten. Das einzige Gemüse, bei dem ich wirklich mitreden kann, sind Kartoffeln. Ich habe sie über die Jahre hinweg gewogen und komme unter großzügigem Einsatz von Kompost auf ein Kilogramm pro Quadratmeter. Der Durchschnittsdeutsche verzehrt im Jahr fünfzig Kilo. Rechnet man den üblichen Schwund hinzu, müsste er also einen nicht unerheblichen Teil seines Gartens allein für Kartoffeln reservieren.

          Und das ist ja noch nicht alles. Selbst ein Veganer will mal was anderes als Kartoffeln auf dem Teller sehen, deshalb kommen Mohrrüben, Kohl, Tomaten, Sellerie, Zwiebeln, Salate, Kürbisse, Gurken, Bohnen, Erbsen hinzu, ganz zu schweigen von Gewürzen und Obst. Dies alles gilt es in umsichtiger Fruchtfolge anzubauen, zu düngen, zu bewässern, ständig von Unkraut zu befreien und gegen das hungrige Heer der Schädlinge zu verteidigen.

          Wie viel Platz braucht man da? John Seymour meinte, für den Anfang würde ein Acre reichen. In den deutschen Übersetzungen war die Rede von einem Morgen, was mit 2500 Quadratmetern aber nur gut die Hälfte ist. Die dringende Empfehlung lautete, sich neben Hühnern, Schweinen und einer Ziege unbedingt auch eine Kuh anzuschaffen. Die Milch und alles, was man daraus machen kann, kämen der Familie und den Tieren zugute, die herrlichen Fladen, die jede Kuh fallen lässt, würden die Fruchtbarkeit des Bodens maximal steigern.

          Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten darf man das schon gar nicht betrachten

          Es hat Landkommunen gegeben, die auf diese Weise versucht haben, ein autarkes Leben zu führen. Die meisten haben früher oder später aufgegeben, weil sich herausstellte, dass Subsistenzwirtschaft vor allem harte körperliche Arbeit bedeutet. In jüngerer Zeit lebt der Gedanke wieder auf, befördert von allerlei Gartenliteratur, die zum Anlegen von urbanen Gemeinschaftsgärten rät, bestückt mit Hochbeeten und fahrbaren Hühnerställen. Unter ökonomischen Gesichtspunkten darf man das nicht betrachten: Veranschlagt man den tatsächlichen Aufwand, schlägt ein einziges Ei aus Eigenproduktion leicht mit zehn Euro und mehr zu Buche. Ackern und Instandhalten, Melken und Schlachten, Einmachen und Pökeln, Brot backen, Imkern und Most keltern sind Tätigkeiten, die nicht mal eben so von der Hand gehen.

          John Seymour hat sich in seinen späteren Jahren darauf verlegt, Besucher zu unterrichten, die aus aller Welt zu seiner Farm in Irland gepilgert kamen. Es soll dort mitunter ausgelassen zugegangen sein, denn der Hausherr war Wein, Weib und Gesang durchaus nicht abgeneigt. Er starb 2004 im Alter von neunzig Jahren. Ganz ungesund kann sein Leben nicht gewesen sein.

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