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Alles im grünen Bereich : Mehr Kunst als Natur

Bild: Charlotte Wagner

Alle Welt will jetzt eine Wildblumenwiese haben. Der Weg dahin ist mühsamer, als man denkt.

          Dass es mit der Wildblumenwiese im vergangenen Jahr nichts wurde, lag nicht nur an der Trockenheit. Aussaaten sind immer delikat. Da will das Beet sorgsam vorbereitet werden, von Wurzelunkräutern und Steinen befreit, geharkt und gehätschelt und betüddelt, bis die Witterung endlich mal passt. Dann streut man die Samen ungleichmäßig und viel zu dicht, was der Wind ausgleicht, indem er sie fortbläst.

          Oder der Regen spült sie noch dichter in Pfützen zusammen. Vögel machen sich drüber her, weshalb man Netze spannen muss. Und immer die Gießkanne schleppen, aber auch nicht zu viel, sonst verschlämmt und verbackt die Erde. Wenn zehn Prozent der Samen aufgehen, hat man Glück gehabt. Die zarten Keimlinge haben es auch nicht leicht. Viele Gärtner machen sich deshalb gar nicht erst die Mühe, pfeifen auf die mühsame Prozedur und decken sich mit den fix und fertig bepflanzten Plastiktöpfchen aus dem Gartencenter ein.

          Der japanische Reisbauer Masanobu Fukuoka hat nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Not eine Tugend gemacht und für die Direktsaat auf ungepflügten Feldern eine Methode entwickelt, bei der die Samen mit Ton und Humus zu Kugeln verknetet werden. Das schützt sie eine Weile vor Umwelteinflüssen. Bei Feuchtigkeit verwandelt sich das Ganze in eine Pampe, die günstige Keimbedingungen bietet. Die Bewegung der Guerrillagärtner hat das zur Herstellung sogenannter Samenbomben inspiriert, die heimlich und ungefragt in der Gegend verteilt werden. Technisch verwandt ist damit das Pillensaatgut, das auch in der kommerziellen Landwirtschaft zum Einsatz kommt.

          Wann kann man endlich mal die Hände in den Schoß legen?

          Von der Firma Instant Seed im brandenburgischen Mahlow erreicht mich nun ein Probesäckchen mit einem Granulat aus Lehm und Schluff, das eine Mischung aus Blumensamen („Wunder Blumen Mix“) umhüllt und noch einfacher zu handhaben sei. Ob Adonisröschen, Natternkopf und Kuhnelke nun sprießen? Die Praxis wird es zeigen.

          Und was dann? Kann man endlich die Hände in den Schoß legen? Im Gegenteil. Eine artenreiche Wiese ist zwar ein Natur-, aber mehr noch ein Kunstprodukt. Wiesen überleben auf Dauer nur durch den steten Eingriff des Menschen. Als Landwirtschaft noch im kleinbäuerlichen Maßstab betrieben wurde, war das Allgemeinwissen. William Shakespeare konnte sicher sein, dass sein Publikum wusste, wovon die Rede war, wenn der Herzog von Bourbon über die kriegsbedingte Vernachlässigung der Ländereien klagte: „Die ebne Wiese, lieblich sonst bedeckt/Mit bunten Primeln, Pimpernell und Klee,/Die Sichel missend, üppig, ohne Zucht,/Wird müßig schwanger und gebieret nichts/Als schlechten Ampfer, rauhe Disteln, Kletten,/Um Schönheit wie um Nutzbarkeit gebracht.“ („Heinrich der Fünfte“, 5. Aufzug, 2. Szene)

          Ich sehe mich also in Gedanken wieder die Motorsense schwingen, auf dass es Bienen und Fliegen und Schmetterlingen wohlergehe. Und nicht mal da kann man sicher sein: Solche Blühstreifen, schreibt der Leser und Agraringenieur Reinhard Mantau, seien für Bienen nur bedingt von Nutzen. Dem Imker würden sie allenfalls eine „Läppertracht“ liefern, für das Überleben der Bienenvölker seien sie auch nicht vonnöten. Viel wichtiger für den Ertrag seien Obstplantagen, Rapsfelder und Nadelwälder. Also das, was dem Ökogärtner ein Graus ist.

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