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Alles im grünen Bereich : Man gönnt sich ja sonst nichts

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Ein Garten ist an sich schon ein Luxus. Man kann das aber noch gehörig steigern.

          2 Min.

          Neulich war ich auf Sylt. Das ist ein guter Ort, um herauszufinden, wie es in den Gärten von Menschen aussieht, die nicht ganz so streng auf den Euro achten müssen. Der Friesenwall ums Haus ist obligatorisch, auch wenn die Findlinge dafür von weit her angekarrt werden müssen. Für hundert Meter Mauer kann man der Einfachheit halber zehntausend Euro ansetzen. Sie plump mit Heckenrosen zu bepflanzen entspricht nicht mehr dem Zeitgeist. Es hat sich herumgesprochen, dass die dafür in Frage kommende Kartoffel-Rose Rosa rugosa zu einer botanischen Pest geworden ist, seit sie in den zwanziger Jahren auf die Insel eingeschleppt wurde. Erst hatten die Sylter sich noch gefreut, dass dieses Gewächs Sturm und Sand und Salz trotzt, wovon es bei ihnen reichlich gibt. Inzwischen begräbt der Einwanderer aus dem Fernen Osten ganze Dünentäler unter sich, und es sieht nicht so aus, als ob man ihn noch einmal vertreiben könnte.

          Im Trend liegen jetzt stattdessen Formgehölze. So ein Gartenbonsai geht nicht nur bei der Anschaffung ins Geld, es braucht anschließend einen kundigen Gärtner, um ihn fachgerecht zu beschneiden. Für den Rasen ist ein Greenkeeper gefragt, denn man will natürlich nicht gegen den benachbarten Golfplatz abstinken. Auf die Terrasse aus antikem Klinker gehört dann ein Strandkorb. Aber nicht einer von den popligen blau-weiß plastifizierten Halbliegern, die am Ende der Saison an die Touristen versteigert werden. Es darf schon ein handgefertigtes Modell aus der Strandkorbfabrik Heringsdorf sein, bestückt mit Polstern einer hessischen Qualitätsmanufaktur. Dazu gehören dann Sitzheizung, Soundanlage, LED-Strahler mit automatischem Farbwechsel und ein integrierter Kühlschrank, der die Lieblingsgetränke kalt hält.

          Wie, der Nachbar hat auch so ein Möbel? Dann doch lieber einen „Sunball“, wie ihn die Designer Günter Ris und Herbert Selldorf für die Firma Rosenthal entworfen haben. Das Ding sieht aus wie ein Astronautenhelm, besteht aus Fiberglas und Aluminium, und wenn man es zur Liege aufklappt, steht einem unwillkürlich die Muschelsammlerin Honey Ryder aus „James Bond jagt Dr. No“ vor Augen. Zwischen Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre wurden ganze dreißig Stück produziert, eines davon fand 2007 für 24.000 britische Pfund einen Käufer bei Sotheby’s. Ein Nachbau kostet nicht viel weniger.

          Eine eigene Düne? Kein Problem. Spezialisten besorgen alles.

          Man gönnt sich ja sonst nichts. Außer vielleicht noch einen passenden Dining-Table aus wetterfesten Teakholzbohlen. In List auf Sylt, wo vor nicht allzu langer Zeit noch ein Pensionszimmer mit fließend kaltem Wasser als Inbegriff von Luxus galt, kann man ein vier Meter langes Exemplar für 17.500 Euro erwerben. Für den Transport wäre dann eine Spezialfirma zuständig. Wie es überhaupt auf Sylt Spezialisten gibt, die jeden Gartenwunsch erfüllen. Eine eigene Düne? Kein Problem, der Strandhafer wird gleich mitgeliefert und fachgerecht fixiert, mit biologisch abbaubaren Netzen selbstverständlich, schließlich ist Umwelt auf Sylt ein großes Thema.

          Jahr für Jahr knabbern die Winterstürme größere Stücke der Insel weg, insofern trifft der Ausdruck Immobilie nicht in jedem Fall zu. Der Nachfrage hat das bislang nicht geschadet, man fühlt sich sicher genug in seinem drei Tonnen schweren Geländewagen. Wärmeres Klima wäre auf Sylt sowieso willkommen.

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