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Alles im grünen Bereich : In der Wurzel liegt die Kraft

  • -Aktualisiert am

Bild: Charlotte Wagner

Hitzewellen und Trockenheit erleben wir immer häufiger. Viele Pflanzen leiden darunter. Aber durchaus nicht alle.

          In all den Jahren, die ich im Garten werkele, habe ich noch nie eine Rosenpracht erlebt wie jetzt. Ob Busch oder Bodendecker, Beet- oder Kletterrose – alles biegt sich unter der Last der Blüten. Dabei habe ich nichts Besonderes unternommen. Mit Kompost gedüngt wie immer, den Boden im Herbst mit einer Laubschicht bedeckt, den Rückschnitt im Frühjahr zu zaghaft durchgeführt und ansonsten einfach nur zugeschaut, wie die Pflanzen üppiger als je zuvor gediehen. Was ist da los?

          Die einzige Erklärung, die mir auf Anhieb einfällt, ist die, dass es am ungewöhnlich heißen und trockenen Verlauf des Vorjahres gelegen hat. Rosen wurzeln von Natur aus tief, und der Wassermangel könnte sie dazu veranlasst haben, noch mehr als sonst in die unterirdische Versorgung zu investieren. Man kennt das von Weinstöcken, die je nach Alter und Standort Wurzeltiefen von zwanzig Metern und mehr erreichen können. Geschrägt hat die Dürre vor allem Flachwurzler wie die Fichte, die sich mehr und mehr zum Sorgenbaum entwickelt.

          Das Rosenwunder beschränkt sich nicht auf meinen Garten. Kollegen und Freunde berichten Ähnliches. Rosen sind sowieso viel zäher, als man denkt. Als ich noch an der Elbe wohnte, wuchs da im kargen Ufersand ein mächtiger Strauch, der regelmäßig von Brackwasser überflutet wurde und trotzdem Blüten ohne Ende hervorbrachte. Der angeblich Tausendjährige Rosenstock von Hildesheim, der in Wahrheit vielleicht auch nur siebenhundert Jahre auf dem Buckel hat, verbrannte am Ende des Zweiten Weltkriegs nach einem Bombenangriff, um schon acht Wochen später wieder auszuschlagen. Allerdings handelt es sich bei ihm um die Wildform Rosa canina, die noch härter im Nehmen ist als die unüberschaubare Zahl von Züchtungen, die im Laufe der Jahrhunderte zusammengekommen sind.

          Bakterienstämme helfen, zu überleben

          Es könnte noch eine zweite Erklärung für die Rosenexplosion geben. Pflanzen können auf Trockenstress nur im Rahmen der Möglichkeiten reagieren, die sie im Laufe der Evolution erworben haben. Kakteen sind in dieser Hinsicht gut aufgestellt, andere Gewächse weniger. Gemüsepaprika (Capsicum annuum) beispielsweise liebt zwar die Wärme, benötigt aber auch ausreichend Wasser. In den meisten Anbaugebieten muss mit Bewässerung nachgeholfen werden, wobei die Ressourcen immer knapper werden. Im Nahen Osten und anderswo hat man deshalb verschiedene Methoden des Trockenfeldbaus entwickelt. Ein Team von Botanikern hat vor Jahren untersucht, wie Paprikapflanzen auf einer Gemüsefarm in Ägypten zurechtkommen, die auf traditionelle Weise mit organischen Abfällen gedüngt und nur spärlich bewässert wird. Sie nahmen Bodenproben im Wurzelbereich und verglichen sie mit Proben, die aus unbearbeitetem Erdreich stammten. Nur um die Wurzeln herum hatten sich auffallend viele Bakterien der Gattungen Klebsiella und Bacillus angesiedelt, die der Paprikapflanze halfen, den Wassermangel auszugleichen, indem sie Wuchshormone produzierten und dafür sorgten, dass Stickstoff und Phosphat besser verwertet wurden. Solche Wurzelsymbiosen sind im Pflanzenreich weit verbreitet. Offenbar passen sie sich veränderten Umweltbedingungen viel rascher an, als das die Pflanzen allein können. Hier gibt es noch viel zu forschen.

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